Ein Jahr mussten wir wieder auf unsere Lieblingsfeiertage warten und zum Glück lag Pfingsten in diesem Jahr besonders günstig. Denn immer wenn Pfingsten in den Mai fällt, lacht über dem Amphitheater in Gelsenkirchen die Sonne während bollernde Bassdrums und kreischende Gitarren über den Rhein-Herne Kanal fegen. Worum es in diesem Bericht geht dürfte inzwischen eigentlich jedem klar sein, denn das Rock Hard Festival bestritt dieses Jahr seinen 10. Geburtstag und so verwundert es nicht das man Götz Kühnemund öfter als sonst mit stolz geschwellter Brust über das Gelände laufen sah.

Doch erst einmal alles zurück auf Anfang. Etwas sorgenvoll blickten wir dem Beginn des Festivals entgegen, denn zum einen war die betreffende Autobahn-Ausfahrt gesperrt und auch das Parkhaus war zur Zeit unserer Anreise nicht verfügbar. Zum Glück haben die Organisatoren mit Ausweichparkplätzen vorgesorgt und so entwickelte sich die Anreise doch entspannter als erwartet.

Auf dem Gelände hat sich erfreulicher Weise nichts geändert so dass man sich sogar bei der Platzierung der Verkaufsstände immer noch blind zurecht findet, also wurde erst einmal zielsicher der nächste Bierstand angesteuert um dem brennenden Feuerball am Himmel entgegen zu wirken. Hier dann der erste kleine Schock: Die Getränkepreise haben deutlich angezogen. Es ist schon ein wenig ärgerlich wenn Bier, Cola und sogar Wasser bei knallender Sonne pauschal für 3,50 € verkauft werden. Von solchen Kleinigkeiten wollten wir uns dann aber den ersten Tag nicht gleich vermiesen lassen. Dafür ging der Einlass überraschend schnell über die Bühne.

Deathfist aus Koblenz, Wuppertal und Solingen wurden kurzer Hand von Götz Kühnemund (im Folgenden einfach nur Götz, Anm. d. Red.) als richtig gute Thrashmetal-Kombo angekündigt und schon nach den ersten Klängen wird klar: Götz hat hier den Mund nicht zu voll genommen und es stellt sich schnell die Frage wo die Frontfrau Corinna diese Töne her holt. Relativ souverän schafft es das Thrash-Kommando das Amphitheater ordentlich voll zu spielen und vor der Bühne sammelt sich ein ordentliches Trüppchen. Auch auf dem Rängen füllt es sich zunehmend. Bei der fetten Show die Deathfist dem Publikum routiniert vor den Latz knallen lassen auch die ersten Crowdsurfer nicht lange auf sich warten, ein Umstand der dem Quartett höchsten Respekt meinerseits einbringt.

Setlist Deathfist:
Too hot to burn
Deathfist
Demons
Ruins
Hell is here
Splendour of death
Slay her
Prey
World of darkness
Booze brigade

Jex Thoth aus dem fernen San Francisco konnten im Gegensatz zu Deathfist leider nicht wirklich überzeugen. Zugegeben, Jessica Thoth ist hübsch anzusehen, allerdings passt der düstere Doom-Metal der Amerikaner so überhaupt nicht. Eine respektable Gruppe Doom-Anhänger zieht es dennoch vor die Bühne und es dauert nicht lange bis die erste Cannabis-Rauchwolke zu mir rüber weht. Mich nervt allerdings schon nach kurzer Zeit der psychedelische Ausdruckstanz der Frontfrau dermaßen dass ich mich zum Bierstand verziehe.

Setlist Jex Thoth:
Kagemni
Stone Evil
Obsidian Night
Raven Nor The Spirit
Slow Rewind
Eclipsed
Separated At Birth
Nothing Left To Die
Warrior Woman

Ram aus dem Land des Met und Metal stimmen mich dann aber schnell wieder versöhnlich. Mit "Defiant" von ihrem neuen Album steigen die Verfechter des traditionellen Metal in das Konzert ein und schaffen es recht schnell das Publikum zu fesseln. Schön dass man beim RockHard auch an die Fans des Killernieten-Metal denkt, denn gerade die scheint es im Amphitheater zu Hauf zu geben. Sänger Oscar Carlquist gibt sich erstaunlich Wortkarg und begnügt sich damit einen Song nach dem anderen rauszuballern und so strecken sich erstaunlich schnell die ersten Pommesgabeln in den Himmel. Das Publikum auf den Rängen zeigt sich ob der brennenden Sonne etwas träge, dafür geht vor der Bühne die Post ab.

Setlist Ram:
Intro 1771
Defiant
Flame Of The Tyrants
Awakening The Chimaera
In Victory
Sudden Impact
Forced Entry
I Am The End
Under The Scythe
Machine Invaders
Infuriator
Outro 1771

Nach dem Outro folgt die obligatorische Umbaupause bevor dem RockHard Festival mit Krisiun das angekündigte Death-Metal-Massaker bevorsteht. Auch wenn ich der Meinung bin das laut nicht unbedingt auch immer mit gut gleichzusetzen ist, geben Krisiun zumindest musikalisch auf der Bühne eine gute Figur ab. Geboten bekommt das Publikum technisch bis ins kleinste Detail perfekten Death-Metal. Leider sind die Jungs wie festgenagelt und so verkommt die potentiell gute Show zur musikalisch netten Langweilernummer. Schade eigentlich, denn Krisiun haben durchaus das Potential ordentlich Stimmung zu machen. Da mich der Auftritt visuell so gar nicht flasht, entscheide ich mich eine Tour über die "Shopping-Meile" zu machen, hören kann ich Krisiun schließlich auch von da. Für's leibliche Wohl ist bestens gesorgt und vom Kotelett vom Grill über tränentreibende Currywurst vom Curry Flitzer ist eigentlich alles vertreten was das Herz begehrt. Wirklich günstig ist hier leider nichts, aber so ist das halt auf einem Festival.

Setlist Krisiun:
Ominous
Combustion Inferno
The Will To Potency
Vicious Wrath
Vengeance’s Revelation
Descending Abomination
Hatred Inherit
Slain Fate
Ravager
Bloodcraft
Kings Of Killing

Pünktlich zur nächsten Band hat sich schon ein ordentliches Grüppchen Partywütiger vor der Bühne versammelt. Kvelertak, die Band aus Norwegen bei der sich keiner der Umstehenden so richtig sicher war wie sie sich schreibt, machten mächtigen Alarm auf der Bühne. Ich muss zugeben dass ich selten eine Show gesehen habe die energiegeladener und authentischer rüber kam. Da die Jungs aus dem Norden bisher nur ein Album eingespielt haben, bot die relativ lange Spielzeit die Möglichkeit nahezu das komplette Album zu spielen. Es dauerte bei mir und einigen Kollegen eine Weile bis wir begriffen hatten warum wir kein Wort von dem Verstanden, was auf der Bühne ins Mikro gebrüllt wurde. Kvelertak singen auf Norwegisch. Es ist absolut fesselnd was auf der Bühne geschieht. Gitarristen und der Bassist wetzen kontinuierlich und headbangend von links nach rechts, während norwegischer rotzig-dreckiger Rock'n'Roll aus den Orange-Amps plärrt. Wenn Ihr die Jungs noch nicht auf Eurem Zettel hattet, ist es jetzt höchste Zeit diesen Act auf die Liste der Must-See Bands zu schreiben. Während sich ein Crowdsurfer nach dem anderen über die feiernde Meute tragen lässt bildet sich ein gewaltiger Circle Pit. Für den krönenden Abschluss sorgt Frontmann Erlend Hjelvik als er seinen Mikrofonständer im Publikum versenkt und so das Konzert beendet.

Setlist Kvelertak:
Sjøhyenar (Havets Herrer)
Fossegrim
Blodtørst
Sultans Of Satan
Spring
Liktorn
Offernatt
Ulvetid
Nekroskop
Ordsmedar av Rang
Mjød

Die Landsmänner von Kvelertak, Turbonegro, machen da weiter wo Kvelertak aufgehört haben. Schon vorher konnte man auf dem Gelände eine nicht ganz unerhebliche Menge Anhänger der Turbojugend antreffen, für eine ordentliche Anzahl Fans ist also gesorgt. Der neue Fronter der schrägen Gruppe, Tony Sylvester, darf dann auch gleich beweisen was er so drauf hat als er mit einem Schellenkranz bewaffnet die Bühne stürmt. Tony verleiht den Songs mit seiner Reibeisenstimme eine ganz besonders rotzige Note, die allem Anschein nach auch im Sinne des Publikums ist. Turbonegro sind schon eine ganz eigene Erfahrung und definitiv eine Bereicherung für das Festival. Wenn man auf rotzigen Rock steht ist man hier goldrichtig.

Setlist Turbonegro:
All My Friends Are Dead
Back To Dungaree High
You Give Me Worms
I Got A Knife
T.N.A. (The Nihilistic Army)
Get It On
Denim Demon
Mister Sister
Shake Your Shit Machine
Hello Darkness
Do You Do You Dig Destruction
Wasted Again
Fuck The World (F.T.W.)
Turbonegro Must Be Destroyed
---------------------------------------
The Age Of Pamparius
The Prince Of Rodeo
I Got Erection

Der Samstag startet maskiert mit ungewohnter Mucke: Dr. Living Dead! stehen auf dem Speiseplan, dabei stehen die Gesellen nicht etwa für Deathmetal oder Shockrock.. nein, Crossover heißt hier die Formel. Dafür sehen die Jungs abgesehen von ihren Totenkopf-Masken auch aus wie typische eine 90er Jahre-Crossover Band. Eine gute Show, allerdings optisch aufgrund der Masken und daraus folgenden fehlenden Mimik etwas eintönig. Das hinderte die Jungs allerdings nicht daran, das Publikum mehrfach zum Headbangen aufzufordern, eine Bitte der die Metalheads vor der Bühne gerne nachkamen. Ärgerlich war hier nur dass Dr.Living Dead! beim letzten Song der Ton abgedreht und der Gig so vorzeitig beendet wurde.

Setlist Dr. Living Dead!:
Intro
World War Nine
Slime From Above
Hard Target
Gremlins Night
Revenge On John
Dead End Life
My Brain Is For Sale
Streets Of Doc Town
Kill Me!
Chucky
Feeding The Cyco
Ufo Attack
Reptiles Beneath
Dr. Living Dead
Outro

Mit Motorjesus haben Holger Stratmann und seine Vasallen einen regelrechten Senkrechtstarter auf die Bühne des Rock Hard geholt. Während Fronter Chris am Anfang noch mehrfach betont wie verdammt nervös er vor dem Auftritt gewesen sei, übertreibt der gute ganz fürchterlich. Ich möchte sogar soweit gehen Motorjesus, diese herrlich rotzig rockige Kapelle aus dem eher ländlichen Mönchengladbach, die Überraschung des Samstags zu nennen. Motorjupp geben nicht nur musikalisch ordentlich Gas, sondern haben auch noch Präsente für das zahlreich vor der Bühne erschienene Publikum angekarrt. So hat Chris 'Howlin' Birx eine Aldi-Tüte voller Bier angeschleppt, von der er da gleich ein paar Dosen ins begeisterte Publikum wirft. Jägermeister von Mutti gibt's später. Chris ist dermaßen überwältigt von der positiven Reaktion der Fans, das er zugeben muss das ihm total der "Stift geht" und er sich die beste Mühe geben wird das Amphitheater vor Bolzenschmeißer ordentlich zu rocken. Geil.. bitte, bitte mehr davon!

Setlist Motorjesus:
Dirty Pounding Gasoline
Legion Of Rock
Motor-Discipline
Fist Of The Dragon
Fuel The Warmachine
King Of The Dead End Road
Hammer Of The Lord
A New War (inkl. Scorpions & AC/DC Medley)

Hell entfachen mit ihrer genialen Mischung aus Black Metal Gepose und NWOBHM ein eindrucksvolles Feuerwerk auf der Bühne des Rock Hard Festivals. Man merkt der Stimme der Band, David Bower, seine Schauspielerfahrung eindeutig an. So ist es auch keine große Überraschung, dass er nahezu problemlos das Publikum um den Finger wickelt. So präsentiert sich David als schwarzer Jesus mit Dornenkrone sowie mit einer Pestmaske. Auch wenn es musikalisch nicht immer ganz so innovativ zugeht legen Hell einen ordentlichen Auftritt hin, der wirklich Laune macht.

Das Tankard live eine absolute Macht sind ist nun wirklich keine Überraschung. Trotzdem bleibt einem immer wieder die Spucke weg wenn Gerre und Konsorten mit ihrem Biertanker lostuckern und sich das komplette Amphitheater mit Menschen füllt. Gerre hat im Vergleich zum letzten Rock Hard Auftritt gefühlte 100 Kilo abgenommen und wetzt jetzt wie ein Irrer von Bühnenrand zu Bühnenrand. Als dann auch noch Empty Tankard angestimmt wird flippt das ganze Amphitheater aus.

Intro
Time Warp
Zombie Attack
The Morning After
Rules For Fools
Slipping From Reality
Stay Thirsty!
Minds On The Moon
Chemical Invasion
The Beauty And The Beast
Rectifier
Freibier
Die With A Beer In Your Hand
(Empty) Tankard

Psychotic Waltz können die gute Stimmung für die Tankard gesorgt haben leider nicht halten. Zu sehr konzentriert man sich hier auf schnarch langweilige Gefrickeldudelei die sich einem in Mark und Bein fräst. Sollten die Jungs nochmal auftreten lege ich mir auf jeden Fall einen Zahnarzttermin auf die Spielzeit.

Nach den eher deplatzierten und nervtötend langweiligen Psychotic Waltz rollen Bolt Thrower gnadenlos wie eine Dampfwalze über das Amphitheater und walzen buchstäblich alles platt. Ganz schön rar gemacht haben sich die Briten um dann mehr als eindrucksvoll zu beweisen dass sie auch nach gut 25 Jahren noch nicht zum alten Eisen gehören. Während brachiale Riffs aus den Boxen ballern, nutzen viele die Gelegenheit um auf der Menschenmasse die sich im Trichter des Amphitheaters angesammelt hat zu surfen. Die Securities können einem echt leidtun, denn die Jungs haben alle Hände voll zu tun. Nachdem Bolzenschmeißer das Publikum zerlegt haben kann der Abend bei einem ruhigen Bierchen ausklingen.

Sonntags geht es dann direkt mit Alpha Tiger los. Anfangs ist man sich noch nicht so sicher ob es sich hierbei um eine Biene Maja Parodie handeln soll, denn der gleicht das Quintett eher als einem Tiger.. aber nun gut. Kaum ertönen die ersten Klänge zeigen die Jungs dann, dass sie doch den Tiger im Tank haben. Eine ordentliche Mischung aus Sleaze und Powermetal bläst einem entgegen und recht schnell sammelt sich vor der Bühne eine Truppe headbangwütiger. Spaß macht die Kombo auf jeden Fall und ist eine angenehme Überraschung zum Einstieg.

Setlist:
Starriders
Crimson Desert
From Outer Space
Along The Rising Sun
Karma
Flight Of The Warrior
Black Star Pariah

'77 stehen für traditionellen Hardrock auf dem Rock Hard (haha) und ziehen die Nummer kompromisslos durch. Dass die Jungs aus Spanien kommen, dass möchte man eigentlich gar nicht glauben, zu sehr ähneln die Vollblutmusiker einer gewissen legendären Band aus dem fernen Australien.. Bei den Jungs bleibt es echt schwer still zu halten und nicht anerkennend mit zunicken. Ein Aufschrei geht durch das Publikum als sich LG während eines Songs von der Bühne verschwindet und fernab der selben über die Ränge des Amphitheaters flitzt. Natürlich ohne mit dem Spielen aufzuhören. Man merkt, die Jungs verstehen ihr Handwerk und wissen wie man eine gute Show abliefert.

Setlist:
Your Game Is Over
High Decibels
Less Talk (Let’s Rock)
Things You Can’t Talk About
Gimme A Dollar
Big Smoker Pig

Von den darauf folgenden Graveyard aus Göteborg hatte ich vorher noch nie etwas gehört und konnte so nur mutmaßen was mich erwarten würde. Vom Namen ausgehend stellte ich mir irgendein düsteres Schweden-Geknüppel vor.. Ich hätte falscher nicht liegen können. Die Jungs von Graveyard können sich locker mit denen von Led Zeppelin messen. Psychedelischer Stoner Rock vom feinsten quillt aus den Boxen. Es kommt echt selten vor dass ich auf einem Festival auch mal eine Band entdecke die auch meinem alten Herrn gefallen würde, bei Graveyard wäre das der Fall. Für mich sind Graveyard die absolute Überraschung des Festivals und es lohnt sich definitiv die Jungs auch in Zukunft auf dem Radar zu behalten.

Setlist:
Buying Truth
Ungrateful Are The Dead
As The Years Pass By
Uncomfortably Numb
Ain't Fit To Live Here
Hisingen Blues
The Siren
Evil Ways

Gleich nach Graveyard kommen ein paar Urgesteine an die Reihe. Girlschool stehen auf dem Stundenplan und schaffen schon nach den ersten Songs einen Verstärker zu zerblasen. Die nicht mehr ganz so taufrischen Mädels nehmen es locker und so wird nach einer kurzen Pause auch gleich weitergemacht mit dem was Girlschool am besten können: Abrocken. Dabei sind die Damen immer wieder für eine Überraschung gut und überraschen teilweise auch Ihre Bandkolleginnen. So verschwindet zum Beispiel die Bassistin auf einmal von der Bühne und keiner weiß so recht wohin die Gute unterwegs ist. Das tut der fetten Party allerdings keinen Abbruch.

Setlist:
Demolition
C’mon Let’s Go
Hit And Run
The Hunter
I Spy/ Never Say Never
Screaming Blue Murder
Future Flash
Kick It Down
Watch Your Step
Yeah Right
Race With The Devil
Emergency

Wesentlich softer machen dann die Rock-Dinos von Magnum weiter. Das eine vergleichsweise eher sanfte Kapelle so einen Anklang findet hätte ich vorher nicht vermutet. Ich habe mich zwar selber sehr auf Magnum gefreut, konnte mir aber nur schwer vorstellen dass diese zum Billing des Rock Hard Festivals passen würden. Die Sorge war wohl unbegründet, denn auch wenn die Fanschaar vor der Bühne ein wenig kleiner geworden war, zog die Band aus Englad locker alle Anwesenden in Ihren Bann. Kein Wunder, denn die Songs von Magnum sind einfach zum heulen schön. Bob Catley präsentierte sich dann auch ohne Pannen und Stürze (wie bei Avantasia) auf der Bühne. Gut, das Rumgewedel mit den Händen nervt irgendwann, gehört aber zu Bob dazu. Der Rest der Band, abgesehen von Bassist Al, verhält sich da eher starr und zieht das Programm einfach durch. Das Publikum scheint die Bewegungsarmut auf der Bühne eher nicht zu stören, denn die Fans vor der Bühne befinden sich inzwischen in ihrer ganz eigenen Traumwelt. Magnum sind ganz großes Kino und beweisen Eindrucksvoll, dass sie sich auch auf der Bühne des Rock Hard nicht verstecken brauchen. Ärgerlich war nur dass die Jungs vor dem letzten Song vom Stagemanagement abgewürgt wurden und so eine Zugabe leider nicht mehr möglich war.

Setlist:
All The Dreamers
When We Were Younger
Wild Angels
Brand New Morning
How Far Jerusalem
Les Morts Dasant
All My Bridges
All England’s Eyes
Vigilante

Als kleine Überraschung haben sich die Orgas dieses Mal etwas besonderes einfallen lassen. Statt der üblichen Karaoke-Siegerehrung besetzen Bobby Schottkowski und Gerre die Bühne und treten als "Die Zwei von der Tanke" auf. Bobby lässt es sich als Dortmund-Fan natürlich nicht nehmen und haut einen garstigen Schalke-Witz raus. Nach der kurzen Performance räumen die zwei die Bühne allerdings für ein weiteres Special: Bullet betreten zumindest teilweise die Bühne, fehlende Bandmitglieder werden von Rokken, der Karaoke-Band ersetzt. Die Jungs sind gern gesehene Gäste auf dem Rock Hard und bringen den Kesse problemlos zum kochen. Bullet hauen einige Metal-Klassiker aus dem Repertoire von Rokken raus. Schöne Überraschung, im nächsten Jahr gerne wieder mit einem vollständigen Set eigener Songs.

An der nächsten Band scheiden sich die Geister. Unisonic, das neue Projekt der Ex-Helloween Kollegen Michael Kiske und Kai Hansen wurde im Vorfeld als der Oberkracher angepriesen, wurde aber eher skeptisch betrachtet. Der fade Beigeschmack den Michael Kiskes frühere Äußerungen über die Metal Szene hinterlassen hatte hing wie eine dunkle Wolke über dem Auftritt. Ohne Kiske wäre Unisonic sicher interessanter gewesen, denn sein Auftritt war kaum an Arroganz zu überbieten. So stolzierte der, zugegebener Maßen technisch perfekte Sänger, wie ein eitler Gockel über die Bühne und nervte das Publikum mit seinem selbstgefälligen Geschwafel. Natürlich wurden mit March of Time, Future World und I Want Out auch gleich drei Helloween-Klassiker verbraten, vermutlich weil man davon ausging mit dem Einheitsbrei den Unisonic bietet nicht sonderlich punkten zu können.

Setlist:

Unisonic
Never Too Late
King For A Day
My Sanctuary
March Of Time
Souls Alive
Star Rider
We Rise
Never Change Me
Future World
I Want Out

Die Headliner W.A.S.P. machen jedoch alles richtig und locken so ziemlich jeden vor die Bühne. Auch die Befürchtungen dass Blackie mal wieder nicht live singen würde bewahrheiten sich nicht. So präsentiert sich die Band mit einer zwar altbekannten, aber dennoch super Zusammenstellung an Songs die so ziemlich jedem W.A.S.P. Fan das Hirn aus der Birne blasen. Hammer was da auf der Bühne abgeht. Mr. Laweless, der für seine Starallüren berüchtigt ist, dreht auf der Bühne ordentlich auf und rockt das Publikum in Grund und Boden, während seine Mitstreiter ständig in Bewegung sind und von A nach B wetzen. Eigentlich wollten wir uns ja früher verdrücken um so dem Gedränge an den Ausgängen zu entgehen. Die Amis bereiteten dem Rock Hard Festival aber ein so würdiges Ende, dass wir noch bis zum letzten Ton geblieben sind.

Setlist:
On Your Knees/ The Real Me
L.O.V.E. Machine
Crazy
Wild Child
Medley: Hellion/ Dr. Rockter/ Scream Until You Like It
Babylon’s Burning
The Idol
I Wanna Be Somebody
Chainsaw Charlie
Heaven’s Hung In Black
Blind In Texas

Fazit: Es war mal wieder geil und auch das Wetter war in diesem Jahr perfekt. Neben den Organisatoren ist der nahezu perfekte Ablauf des Festivals aber auch den Securities geschuldet. Natürlich kommen wir im nächsten Jahr wieder, egal wie das Billing aussieht.