Die Dortmunder Music Week ist ein Festival der etwas anderen Art. Im Vergleich zu herkömmlichen Festivals, wo dutzende Bands pro Tag spielen die meistens in ähnlichen Genres angesiedelt sind, präsentieren sich während der Dortmunder Music Week nur bis zu zwei Bands pro Abend und das Programm der verschiedenen Tage könnte unterschiedlicher kaum sein. Daher gab es auch nur Tickets für jeden der sechs Abende einzeln, da sich komplette Festivalkarten aufgrund mangelnder Zielgruppenüberschneidung kaum verkauft hätten. Dieses Jahr waren folgende Künstler gebucht:

03. Juli 2012 Dienstag: Incubus (USA, Alternative Rock), Support: fiN
04. Juli 2012 (*) Mittwoch: Godsmack (USA, Heavy Metal), Support: 4LYN
05. Juli 2012 Donnerstag: -/-
06. Juli 2012 Freitag: Adoro (Deutschland, klassische Oper trifft Pop)
07. Juli 2012 Samstag: Jedward (Irland, Pop)
08. Juli 2012 Sonntag: Mike & The Mechanics (England, Pop-Rock)
09. Juli 2012 Montag: Manowar (USA, True-/Heavy-Metal), Support: HolyHell

(*): krankheitsbedingt abgesagt

Die Wahl der Location fiel dieses Jahr auf den Signal Iduna Park (ehem. Westfalenstadion), dem Fußballstadion von Borussia Dortmund, dem deutschen Meister 2011 und 2012. Aufgrund „umfangreicher Bauarbeiten“ musste die Veranstaltungsreihe jedoch in die nahegelegene Westfalenhalle 3A umziehen, deren Kapazität deutlich hinter ihrer großen Schwester Westfalenhalle 1 oder gar dem Signal Iduna Park liegt.

In der Westfalenhalle 3A befanden sich während der Dortmunder Music Week ein bühnennahes Podest für Rollstuhlfahrer, zwei Getränke- bzw. Essstände und in den hinteren 20% der Halle eine Tribüne für Fans mit Sitzplatzkarten. Obwohl seitens des Veranstalters beim Umzug in die neue Location gleichwertige Sitzplätze versprochen wurden, zeigten sich einige Besucher unzufrieden und zogen es vor sich unter die Menschen mit Stehplatzkarten zu mischen. Dazu muss man fairerweise sagen, dass es beim Umzug von einem Fußballstadion in eine Halle natürlich nicht möglich ist, ein annähernd gleiches Angebot an Sitzplätzen herzustellen.

Die Getränkepreise waren, wie für ein Konzerte üblich, nicht günstig, aber noch im Rahmen: 0,4 Liter Cola, Fanta oder Wasser waren für 3,30 Euro zu haben. 0,4 Liter Pils vom Fass oder 0,2 Liter Prosecco kosteten 3,80 Euro. In einem ähnlichen preislichen Rahmen lagen die Kosten für Essen: 2,00 Euro für ein Sandwich (diverse Sorten), 2,50 Euro für eine Bockwurst, 3,00 Euro für eine Brezel und 3,50 Euro für eine Frikadelle bzw. ein Schnitzel im Brötchen. Außerdem liefen wie im Kino Eisverkäufer durch die Menge.


Dienstag, 03. Juli 2012: Incubus
Am Dienstag den 03. Juli 2012 war es soweit und mit den US-amerikanischen Alternative Rockern von Incubus wurde die diesjährige Dortmunder Music Week eröffnet. Der Umzug in die deutlich kleinere Location erwies sich hier als glücklich, denn es waren noch Karten an der Abendkasse erhältlich. Die Westfalenhalle 3A war zu circa Dreiviertel gefüllt, also genug Menschen um die Halle gut gefüllt aussehen zu lassen. Im Signal Iduna Park hätte die Menschenmenge jedoch eher verloren gewirkt.


Bevor Incubus die Bühne betraten, waren pünktlich um 20:00 Uhr erst mal die vier Jungs von fiN aus London an der Reihe. Die Band, welche 2008 gegründet wurde, ist musikalisch im Indie-Rock zu Hause und besteht aus den Schulfreunden Jonny Garner (Gitarre), Simon Harding (Schlagzeug), Luke Joyce (Gesang, Gitarre) und Kerry Lambert (Bass).

Es war erst der zweite Auftritt in Deutschland und sich da direkt den Supportslot vor einer Band wie Incubus zu sichern ist eine respektable Leistung. Schon in den ersten Minuten zeigte sich warum: Während viele kleine Bands auf einer derart großen Bühne verloren aussehen, schafften es fiN direkt die Bühne und das Publikum für sich in Beschlag zu nehmen.

Sänger Luke Joyce unterstützte bei circa jedem zweiten Lied Gitarristen Jonny Garner auf seiner eigenen Gitarre. Wenn er gerade die Hände frei hatte genoss er die Bewegungsfreiheit und lief auf den im Bühnengraben stehenden Bassboxen auf und ab. Währenddessen ging Jonny Garner ordentlich ab und sprang umher.

Nach knapp 30 Minuten endete mit „Life Is Wasted On The Living“ der letzte Song von fiN und die Band verließ unter Applaus die Dortmunder Bühne. Nach dem Konzert standen sie außerhalb der Halle noch für Autogramme oder einen kleinen Plausch bei einem Bier zur Verfügung.

Setlist fiN

The Artisan
Rapture
Twenty Three
It Changes Everything
Eve
Lucky You
Everybody Dies Alone
Life Is Wasted On The Living


1991 gegründet gehören die Kalifornier von Incubus seit Jahren zu den bekanntesten Alternative Rock Bands und daher gebührte ihnen die Ehre das diesjährige Eröffnungskonzert der Dortmunder Music Week zu geben. Incubus sind Brandon Boyd (Gesang, Gitarre), Mike Einziger (Gitarre, Hintergrundgesang), Chris Kilmore (DJ, Keyboard), Ben Kenney (E-Bass, Hintergrundgesang) und Jose Pasillas (Schlagzeug).

Schon beim Soundcheck brachte sich das Dortmunder Publikum in Stimmung und klatschte fleißig mit, bis es dann um 21:00 Uhr soweit war und die Mannen um Sänger Brandon die Bühne betraten. Und spätestens bei den ersten Sekunden von „Privilege“ grölte die Menge und kurz nachdem die Musik Fahrt aufgenommen hatte kam auch schnell Bewegung ins Publikum.

Incubus brauchen keinen besonderen Bühnenaufbau, sie lassen einfach die Musik auf das Publikum wirken. Zu Beginn des Konzertes war die linke Bühnenhälfte mit Nebel geflutet und Drummer Jose saß - mit der Seite zum Publikum - mittendrin.

Die Bewegung im Publikum nahm weiter zu, sodass die Halbe Halle schon beim zweiten Song „Megalomaniac“ auf und ab hüpfte. Als die letzten Töne des Liedes verklangen, gaben Incubus ihren Fans jedoch keine Verschnaufpause, denn mit „Adolescents“ ging es direkt danach unter euphorischem Geschrei der Fans weiter.

Die Stimmung war es war noch Steigerungsbedarf da, was spätestens bei „Drive“ klar wurde, denn mit diesem Hit ebneten sie sich vor über zehn Jahrenden Weg zum Erfolg. Doch „Drive“ war nicht der einzige Song, den die Dortmunder an diesem Abend unbedingt hören wollten, wie beispielsweise „Anna Molly“ oder „Love Hurts“ und natürlich bekamen die Zuschauer auch diese Hits.

Incubus präsentierten sich von ihrer besten Seite und konnten die knapp 2.000 Zuschauer (geschätzt) der Westfalenhalle 3A überzeugen. Dabei spielte es keine Rolle, ob der Song vom aktuellen Album „If Not Now, When?“ oder einer älteren Platte stammte, denn das Publikum feierte jedes Lied.

Setlist Incubus (ungefähr)
Privilege
Megalomaniac
Adolescents
Pardon Me
If Not Now, When?
Smile Lines
In the Company of Wolves
Drive
Pistola
Anna Molly
Here In My Room
Circles
Nice To Know You
Love Hurts
Wish You Were Here
A Certain Shade Of Green
Sick Sad Little World


Mittwoch, 04. Juli 2012: Godsmack
Ungefähr eine Woche vor dem Beginn der Dortmunder Music Week ließ die offizielle Bandwebseite von Godsmack verlauten, dass die anstehenden Europa Gigs der Band aufgrund einer Erkrankung von Sänger Sully Erna abgesagt werden müssen. Dies war insbesondere deshalb schade, weil sich Godsmack in den letzten Jahren nicht in Europa haben blicken lassen und das Konzert daher von den Fans sehnlichst erwartet wurde. Vielleicht wird es ja einen Nachholtermin auf der Dortmunder Music Week 2013 geben. Ein Statement von Sully Erna von der offiziellen Bandwebseite:

"Sorry Europe. Seems like we can't catch a break there lately. London you were one of the best crowds we've played to in a very long time.... Belgium, you were awesome as well. As for the rest of you in Europe that we weren't able to reach, I promise you we'll be back!! For now it's lots of rest and fluids for me until my vocal specialist clears me to sing again. My deepest apologies Europe! You'll see us again. Thanks for your support and understanding."


Montag, 09. Juli 2012: Manowar

Mit Manowar aus den USA fand am Montag, den 09. Juli 2012, das letzte Konzert der Dortmunder Music Week 2012 statt. Der Andrang vor Konzertbeginn war deutlich größer, als ein paar Tage zuvor bei Incubus, doch trotzdem war das Konzert im Vorverkauf nicht ausverkauft, sodass kurzentschlossene Fans an der Abendkasse noch schnell ein Ticket erwerben konnten.


Doch bevor Manowar die Bühne betraten, waren pünktlich um 20:00 HolyHell aus den USA an der Reihe. Die 2005 gegründete Power-Metal Band besteht aus den fünf Mitgliedern Maria Breon (Gesang), Joe Stump (Gitarre), Jay Rigney (Bass), John Macaluso (Schlagzeug) und Francisco Palomo (Keyboard).

Die Band, welche vom ehemaligen Manowar Schlagzeuger Kenny "Rhino" Earl mitgegründet wurde, ist eng mit Manowar verbunden. So sind sie beispielsweise bei Manowars eigenem Label Magic Circle Music unter Vertrag und gerüchteweise sind HolyHell verpflichtende Vorband bei Manowar, sodass es für Veranstalter nicht möglich ist Manowar ohne HolyHell zu buchen. Außerdem gibt es ein Duett von Sängerin Maria Breon und dem Manowar Sänger Eric Adams und HolyHell Keyboarder Francisco Palomo gastiert öfters bei Manowar.

So wunderte es nicht, dass in der Westfalenhalle 3A einige Manowar Fans mit HolyHell T-Shirts anzutreffen waren, war die Band den Manowar Fans doch gut bekannt. In den 30 Minuten Spielzeit, die HolyHell zustanden, konnten sie ein Großteil des Publikums überzeugen. Einzig die zwei kleinen Mädchen, die in der ersten Reihe standen und schon auf Zehenspitzen stehen mussten, um ordentlich über die Absperrung gucken zu können, hielten sich die Ohren zu. Ob es an der Musik oder an der Lautstärke gelegen hat, ist unklar. Spätestens beim Dio Cover "Holy Diver" sang die komplette Westfalenhalle 3A mit.


Wenige Minuten, nachdem HolyHell die Bühne verlassen hatten, ertönten die ersten Manowar Fanchöre. "Hail, Hail, Hail and Kill" tönte durch die mittlerweile nahezu komplett gefüllte Westfalenhalle 3A und von Mal zu Mal stimmten mehr Fans mit ein. Das Publikum war gut gemischt, denn vom Grundschüler bis zum 60 Jährigen Fan waren alle Altersgruppen vertreten. 80% der Menschen waren auch passend in Manowar T-Shirt erschienen, deutlich mehr T-Shirts des Headliners als man sonst so auf Konzerten sieht.

1980 gegründet konnten sich Manowar, heute bestehend aus Joey DeMaio (Bass), Eric Adams (Gesang), Karl Logan (Gitarre) und Donnie Hamzik (Schlagzeug), zu der bekanntesten True-Metal Band entwickeln und Fans überall auf der Welt begeistern.

Manowar gehören sicherlich zu den am meisten polarisierenden Metalbands. Die einen vergöttern sie wegen ihrer Musik, die anderen  belächeln sie wegen ihres albernen Auftretens und den lächerlichen Sätzen, die sie gerne in Interviews von sich geben. Ja Manowar sind die truesten, lautesten, härtesten, ... Metaller dieses Universums und ja sie würden alle für den Metal sterben und alle Poser müssen sterben. Das dumme Gerede muss man natürlich ignorieren, wenn man vorhat ein Manowar Konzert zu besuchen, denn ernst nehmen kann man das (nüchtern) nicht. Aber bei einem Konzert geht es natürlich um die Musik und da haben Manowar genug Hits um einen erstklassigen Gig zu spielen.

Kurz vor Beginn war die Bühne noch halb mit schwarzem Tuch verhängt und es war noch kein Backdrop zu sehen. Erst wenige Sekunden vor dem Intro war die Bühne vollends bereit für Manowar, welche passend mit "Manowar" ihr Set begannen. Von der ersten Sekunde an waren die Fans wie wild dabei und es wurde mitgesungen, so laut es nur ging.

Es wurde gepost was  das Zeug hielt und auch Soli gab es mehr als genug. Häufig rissen die Bandmitglieder ihre zum eigenen, "Sign Of The Hammer" genannten, Gruß die Arme in die Höhe und das Publikum antwortete dementsprechend. Das Feedback war gigantisch, fast jeder Fan machte mit, sodass ein beeindruckendes Gesamtbild entstand. Natürlich durfte der gleichnamige Song „Sign Of The Hammer“, dazu nicht fehlen.

Musikalisch sauber und mit gutem Sound, der sehr nah an den Leistungen auf CD war (wobei es wohl auch Stellen in der Westfalenhalle 3A gegeben haben soll, wo der Sound schlecht war). Konnten Manowar überzeugen, denn der Liveauftritt war energiegeladen und gerade die Begeisterung der Fans war überwältigend.

Zwischenzeitlich wurde auch ein Fan auf die Bühne geholt, um im "Manowar-Stile" ein Bier runterzukippen und Gitarre zu spielen. Der arme Mann, welcher sich als Gelsenkirchener outete, wurde jedoch von den Dortmunder Fans regelrecht ausgebuht. Sein schüchtern beigefügtes „aber ich bin kein Fußballfan“, konnte ihn dann auch nicht mehr retten.

Frontmann Eric Adams, versuchte den überwiegenden Teil der Ansagen auf Deutsch zu machen, was ihm auch meist gelang und durch die Bemühungen durchaus Pluspunkte brachte. Doch auch musikalisch zogen Manowar mit Songs wie „Kings Of Metal“, „Warriors of the World United“ oder „Black Wind, Fire And Steel“ viele Asse aus dem Ärmel.

Unter’m Strich ein sehr cooles Konzert, mit netter Songauswahl und einer Wahnsinnsstimmung, die auch sicherlich dadurch kam, dass dies der einzige Manowarauftritt in Deutschland für dieses Jahr war.