Am 23.06.2012 um 10:00 Uhr war es endlich soweit – das Blackfield Festival öffnete zum fünften Mal seine Pforten. Das Wetter war wunderbar sonnig und warm. Perfekt also um in ein anständiges Wochenendprogramm zu starten.

Zunächst wollten die Verpflegungsmöglichkeiten erkundigt werden. Die obligatorischen Bierstände wurden durch Cocktails ergänzt und auf dem Mittelaltermarkt vor der Zeltbühne fand sich ein wunderbarer, kleiner Weinstand mit Met und einer netten Auswahl an Fruchtweinen. Auch verhungern musste niemand. Vom Chinesen über Pizza und die typische Gelsenkirchener Currywurst war eigentlich für jeden was dabei. Die Preise allerdings bewegten sich zum Teil hart an der Schmerzgrenze. 3,50€ für 0,4l Bier oder 6,00€ für 0,4l Met, während die ganze Flasche (0,7l) nur 8,00€ kostet finde ich schon etwas happig. Wer im Laufe des Tages mal keine bestimmte Band sehen oder sich an einem der Getränkestände festschnallen wollte, konnte sich auch um neue Garderobe kümmern. Im Vorfeld zum Bühnenbereich lockten zahlreiche, z.T. namenhafte Shops und Versandhäuser mit Klamotten, Schmuck, Kontaktlinsen oder anderen Accessoires.

Um 11:00 Uhr durften X-Divide aus Köln das musikalische Programm eröffnen. Zwar war das Gelsenkirchener Amphitheater noch bei weitem nicht voll besetzt, doch schaffte das Trio es mit melodischen Electro- Sounds die anwesenden Besucher zum Tanzen zu animieren.

Weiter ging es gegen 11:45 Uhr mit The Exploding Boy. Feiner Post- Punk aus Schweden, der zumindest Fans des Genres überzeugt haben dürfte. Meiner Meinung nach ein echt ordentlicher auftritt, wenn auch mit kleineren Schwächen beim Gesang.

Im Anschluss durften Pakt die Bühne betreten. Krachende elektronische Töne im Grenzbereich zwischen EBM und Electro- Pop trieben die größer werdende Menge in den Tanzbereich vor der Bühne. Gnadenlos gesellschaftskritisch und gleichzeitig vollkommen tanzbar, bot die noch recht frische Truppe einen erstklassigen Auftritt dar.

Gegen 13:30 durften wir dann She Wants Revenge bewundern, die momentan mit Depeche Mode auf Tour sind. Geradlinige Gitarrenriffs und Drum Lines, hätten allerdings noch besser rüberkommen können, wenn die Band das Publikum etwas mehr zu Reaktion angeregt hätte.

Um 14:30, wandten wir uns dann zum ersten Mal der kleineren Zeltbühne zu, denn dort sollten wir auf In Legend treffen. Die Truppe um Van Canto Drummer Bastian Emig verwöhnte mit einem klasse Sound, wie man ihn selten zu hören bekommt. Eigentlich eine Mischung aus Metal und Mainstream- Rock wurde die E- Gitarre durch Keytar und Piano ersetzt. Innovativ, packend und definitiv in der Lage anständige Ohrwürmer zu erzeugen.

Weto hieß unser nächster Programmpunkt. Als „Schwesterband“ von Schandmaul (beinahe die komplette Besetzung ist gleich) konzentriert die Truppe sich weniger auf Folkmusik mit Märchentext, als auf guten deutschen Rock, gewürzt mit einer ordentlichen Portion Härte. Geniale Stimmung, eingängige Texte und Melodien zwangen das Publikum beinahe schon zum Mitsingen.

Nun aber zurück zur Hauptbühne, denn die Dreadful Shadows waren angekündigt. Die Gothic Rock Urgesteine wollten wir auf keinen Fall verpassen. Gerade seit dem letzten Jahr wiedervereinigt, bot das Quintett um Frontmann Sven Friederich eine phantastische Show, die unter Beweis stellte, warum man zur Weltklasse im Genre gehört. Dead Can Wait war nur einer der vielen Kracher, die in Perfektion dargeboten wurden.

Die weiteste Anreise dürften, theoretisch zumindest die beiden Mexikaner von Hocico gehabt haben. Der nächste absolute Knalleract am Samstag. Aggrotech hieß das Motto und ich wüsste kaum eine Truppe zu der diese Genrebezeichnung besser passen würde. Aggressiv von Anfang bis Ende, das Mittanzen geschah ganz automatisch. Spätestens dann, wenn man Frontmann Erk Aicrag auf der Bühne zusah, der mit seiner Energie auch den letzten Tanzmuffel in Wallung brachte.

Um kurz vor acht dann die Qual der Wahl. Gehen wir nun zu Oomph! oder den Deathstars? Da ich erstere allerdings schon ein paar Mal gesehen hatte fiel die Wahl dann auf die Industrial Metaler aus Schweden, von denen ich zwar schon einige Songs kannte, diese jedoch nie hatte Live bewundern dürfen. Nun war es also soweit. Das Zelt um die kleine Bühne war zwar sehr gut besucht, doch hatten wir von hinten noch einen relativ guten Überblick über das Geschehen auf der Bühne.  Wenngleich die Energie der Jungs beinahe sofort auf das Publikum abfärbte, so konnte der Sound mich leider nicht vollkommen überzeugen. Das lag weniger an den musikalischen Fähigkeiten des Quintetts sondern mehr an der Tontechnik im Zelt, die die Vocals einfach viel zu dünn, teilweise kaum hörbar rüberkommen ließ. So machten wir uns auf den Weg zurück zur Hauptbühne um uns den Rest von Oomph! noch anzusehen. In gewohnter, hervorragender Qualität wurden uns noch unter anderem  „Sandmann“, „Gott ist ein Popstar“ und natürlich „Augen Auf“ dargeboten.

Den Abschluss am Samstag machten VNV Nation. Hier war vor allem eines angesagt: Gänsehaut! Angefangen mit „Chrome“ über „Illusions“ oder „Nova“, war die Stimmung  im Amphitheater unter dem Sonnenuntergang einfach einmalig. Frontmann Ronan Harris hatte auch sichtlich Spaß am Publikum und wirkte zeitweise den Tränen nahe. Die einsetzende Dunkelheit, dazu die melodischen Klänge, die Lichtshow und das mitsingende Publikum machten den Abend für mich unvergesslich. Das war ganz großes Kino!

Insgesamt war der Samstag für mich ein Festival Tag, wie er besser kaum hätte sein können. Klasse Bands, beinahe perfektes Wetter und ein hervorragend gelauntes Publikum machten richtig Lust auf den zweiten Tag, auch wenn uns schon schlechtes Wetter prophezeit wurde…

Und die Propheten sollten leider auch Recht behalten. Empfangen wurden wir am Sonntagmorgen bereits von einer mächtigen Front grauer Wolken, die auf den ersten Blick schon alle Hoffnungen auf einen halbwegs trockenen Tag zerstörte.

Doch zunächst einmal sollte es nur ein wenig tröpfeln, sodass wir ohne zu zögern zur Bühne eilten, um uns den ersten Act des Tages nicht entgehen zu lassen. Culture Kultür waren um 11:00 Uhr zur Eröffnung angesagt. Das spanische Duo, das eine Art Mischung aus Electro und New Wave darbot, schaffte es recht schnell die ersten Zuschauer in den Tanzmodus zu versetzen.

Im Anschluss wurde eine Band angekündigt, auf die ich mich schon sehr gefreut hatte. Stahlmann sollten sich die Ehre geben. Die Göttinger haben im Januar ihr zweites Album veröffentlicht und sind nun deutschlandweit auf Tour. Nach ein paar technischen Problemchen wurde uns dann aber doch noch Neue Deutsche Härte vom feinsten um die Ohren geballert. Harte, geradlinige Gitarrenriffs, die mit einigen EBM- Elementen eine klasse Mischung ergaben hatten das Publikum in kürzester Zeit voll im Griff.

Als nächstes beschlossen wir eine kleine Runde über den Mittelaltermarkt zu drehen. Neben diversen Schmuck- und Lederwaren gab es dort unter anderem leckere Flammkuchen, Met, Fruchtweine… und den ersten, richtig dicken Regenguss. Den konnten wir zwar gemütlich und in netter Gesellschaft am Weinstand überstehen, doch verpassten wir dadurch leider Solitary Experiments.

Zu Megaherz waren wir dann glücklicherweise wieder rechtzeitig am Start. In gewohnter Manier bekamen wir den klasse Sound der Münchener dargeboten. Besonders die altbekannten Hits wie „Beiß mich“, „Kopfschuss“ oder „Miststück“ brachten die Fans so richtig in Wallung. Der Regen war zwar noch immer nicht viel schwächer geworden, doch inzwischen war dieses kleine Detail ziemlich egal geworden.

Anschließend huschten wir dann doch wieder in Richtung Zeltbühne. Erstens war es dort trocken und zweitens sollten die Mittelalter- Rocker von Ignis Fatuu dort auftreten. Allerdings schienen wir nicht die einzigen zu sein, die eine solche Idee hatten, denn vor dem Zelt hatte sich eine lange Schlange gebildet. Doch der gebotene Auftritt machte das Anstehen wieder vollkommen wett. Melodiös. Rockig und gut gelaunt verbreitete das Sextett eine klasse Stimmung.

Danach betraten The Arch aus Belgien die Bühne. Seit über 20 Jahren im Geschäft, absolute Profis auf der Bühne, präsentierte man uns einen tollen Mix aus Electro, Postpunk und Indie. Emotional, melodisch und düster zogen die Jungs das Publikum in ihren Bann.

Nach einer kurzen Umbaupause gab sich Eric Fish die Ehre. Romantisch, gefühlvoll und doch auch zynisch und polarisierend beeindruckt er nicht nur als Frontmann von Subway to Sally, sondern auch solo seit vielen Jahren das Publikum. In seinem Soloprogramm deutlich akustischer unterwegs, beeindruckte er umso mehr durch musikalische und stimmliche Leistungen.

Um 18:15 ging es dann auf der Hauptbühne mit Saltatio Mortis weiter, die sich mittlerweile zu den größten deutschen Folk- Rock Bands zählen dürfen. Mit ihrer Mischung aus mittelalterlichen und modernen Instrumenten und der kraftvollen Stumme von Frontmann Alea dem Bescheidenen hatte man das Publikum mühelos im Griff. Umso passender, dass bei dem Song „Prometheus“ kurzzeitig der Himmel aufriss und ein paar Sonnenstrahlen freigab. Diese waren zwar nicht von langer Dauer, doch zu viel Sonne hätte wohl auch das Gemüt der dann auftretenden norwegischen Aggrotech’ler von Combichrist zu sehr erhellt. Dunkle Stimmung, Beat- Geballer und die meist verzerrte Stimme von Frontmann Andy LaPlegua heizten dem Publikum mächtig ein und trieben sämtliche Tanzdivisionen in den Bereich vor der Bühne, um noch einmal sämtliche Energie in Bewegung zu wandeln. Mit Songs wie „Blut Royal“ wurde das Publikum immer weiter angetrieben.

Zum Abschluss des Blackfield Festival 2012 betraten gegen 21:30 Uhr dann In Extremo die Bühne. Wer die Jungs schon mal gesehen hat, der weiß was nun kommt. Kraftvolle Sounds zwischen Mittelalter und Moderne, Romantik, Aggression, Lobpreisung, Hohn und Spott. All dies ist In Extremo, die erfolgreichste Mittelalter/ Folk- Rock Band Deutschlands. Von „Liam“ und „Herr Mannelig“ bis hin zu „Zigeunerskat“ und „Vollmond“, alles wurde vom Publikum begeistert mitgesungen und –getanzt. Sogar der Rest der Abendsonne schien sich dieses Spektakel nicht entgehen lassen zu wollen und brach aus den Wolken hervor. Knallende Pyroeffekte und die eingehende Stimme von Frontmann Michael Robert Rhein (der übrigens nicht „Das Letzte Einhorn“ genannt werden will), unterstrichen die Energie, die sich auf das gesamte Publikum entlud bis der Abend mit dem „Spielmannsfluch“ zu Ende ging.

Insgesamt war das Blackfield Festival 2012, trotz des schlechten Wetters am Sonntag eines der besten Festivals, das ich je besuchen durfte. Nicht nur weil es mit ca. 6100 Besuchern ausverkauft und trotzdem nicht überlaufen war, nicht nur wegen dem phantastischen Lineup, sondern wegen dem Gesamteindruck, der Stimmung und der Atmosphäre im Amphitheater in Gelsenkirchen, welches alleine schon durch den direkten Blick auf den Rhein-Herne-Kanal hinter der Hauptbühne einen unvergesslichen Anblick bietet und allein dadurch für Konzerte und Festivals wie geschaffen ist. Selbst die Ordnungskräfte wirkten nahezu vollkommen entspannt, was bestimmt auch daran lag, dass es scheinbar nichts oder nur sehr wenig zu tun gab. Mein Dauergrinsen wird wohl noch etwas weiter anhalten und ich freue mich aufs nächste Mal, wenn es auf nach Gelsenkirchen geht.