Knapp eine halbe Stunde vor Einlassbeginn am Kölner Underground angekommen, standen schon ein paar Menschen vor verschlossener Tür und warteten darauf, dass sich die Pforten endlich öffneten. Mit minimaler Verspätung geschah das auch und wer noch kein Ticket hatte konnte den versäumten Kauf für 20 Euro an der Abendkasse nachholen.

Mit einer Verspätung von einer Viertelstunde ging es mit Tasters einer italienischen Metalcore-Band los, welche gerne auch auf Technosamples zurückgreift. Tasters sind die fünf Jungs Daniele Nelli (Gesang), Tommy Antonini (Gitarre), Luke Pezzini (Gitarre), Fabrizio Pagni (Keyboard, Hintergrund  Gesang) sowie Ale Lera (Schlagzeug).

Das Underground war nur zu circa einem Viertel gefüllt und die meisten Zuschauer standen locker und eher unbeteiligt vor der Bühne als das Set der Italiener begann.  Obwohl sich Tasters sichtlich Mühe gaben ein wenig Stimmung in die Bude zu bringen, so wurde das Kölner Publikum nur langsam wach. Auf der Bühne wird viel gesprungen, doch im Publikum tat sich nicht viel. Hier und da gab es drei, vier moshende Kids, doch der überwiegende Teil der Menge stand nur da und versuchte der Hitze möglichst bewegungslos zu trotzen.

Es war nicht so, dass die Musik keinen Gefallen fand, doch gab es aufgrund der Temperaturen wenig Bewegungsbedarf seitens der Zuschauer. Dies änderte sich, als Sänger Daniele Nelli die Kölner aufforderte sich hinzusetzen und auf Kommando in die Luft zu springen. Er zeigte sich sehr beharrlich und schaffte es, dass wirklich nur noch am äußersten Rand des Undergrounds Leute aufrecht standen.

Nach ziemlich genau dreißig Minuten war es vorbei und Tasters mussten die Bühne für Of Mice & Men, den Headliner des Abends, frei machen.


Of Mice & Men aus Kalifornien haben ihren Namensursprung aus dem gleichnamigen Roman des US-amerikanischen Schriftstellers John Steinbeck aus dem Jahre 1937. Die vierköpfige Band setzt sich aus den Mitgliedern Austin Carlile (Gesang),  Valentino Arteaga (Schlagzeug), Phil Manansala (Gitarre) und Alan Ashby (Gitarre) zusammen und spielt Metalcore.

Während ich annahm, dass die Bewegungslosigkeit beim Supportact Tasters auf die Hitze im Underground zurückzuführen war, wurde ich bei Of Mice & Men schnell eines Besseren belehrt: Die Fans haben nur ihre Energie für den Headliner gespart. Der erste Ton war noch nicht richtig in der hinteren Hallenhälfte angekommen, da rastete das Publikum schon vollkommen aus. Direkt ein riesen Moshpit und eine Wahnsinns Stimmung, das erlebt man selten innerhalb der ersten 30 Sekunden eines Gigs.

Mittlerweile war das Underground auch gut gefüllt und zumindest in der Hallenhälfte direkt vor der Bühne bekam man kein Bein mehr an die Erde. Obwohl das Konzert nicht ansatzweise ausverkauft war drängten sich die Fans am Bühnenrand dicht an dicht um mittendrin statt nur dabei zu sein. So konnte Sänger Austin Carlile über das Publikum laufen (!!), da es zwischen den Menschen keinen Platz mehr zum Herunterfallen gab.

Auf das Statement der Band, das Underground sei zu klein für einen Circle Pit reagierten die Kölner entrüstet und demonstrierten noch vor dem Beginn des nächsten Liedes, dass ein Circle Pit eben doch möglich ist.

Zwischen den Liedern, von denen auch welche zum neuen Album gehörten, wurde das Geburtstagskind Alan Ashby mit einem „Happy Birthday“ Chor gefeiert. Aber nicht nur bei diesem Ständchen wurden die Kölner als Sänger aktiv. Durch das komplette Set unterstützte das Publikum Sänger Austin Carlile tatkräftig und sehr textsicher.

Als das Konzert mitten im Gange war und der Schweiß in Strömen floss war es dann auch schon vorbei und die Band verließ nach nur 45 Minuten die Kölner Bühne. Das ließen die Kölner nicht auf sich beruhen und so holten sie Of Mice & Men noch für einen Zugabensong auf die Bühne. Dieser wurde von einem fast ausnahmslos springenden Kölner Publikum begleitet, welches nebenbei auch 70% des Gesangs übernahm und so einen gebührenden Abschluss des Konzertes zelebrierte.


Alles in Allem endete somit schon um Viertel vor Zehn ein Konzert mit Bombenstimmung, bei dem wirklich nur die magere Spielzeit des Headliners enttäuschte. 50 Minuten ist einfach zu wenig. Vielleicht musste aber auch aufgrund einer Ohroperation des Sängers die Setlist drastisch gekürzt werden, immerhin sah man ihm die Schmerzen die er hatte zweitweise deutlich an.