Am Sonntag den 01. April 2012 haben wir das Jennifer Rostock Konzert in der Krefelder Kulturfabrik besucht. Jennifer Rostock sind Sängerin Jennifer Weist, Johannes „Joe“ Walter (Keyboard), Alex Voigt (Gitarre), Christoph Deckert (Bass) und Christopher „Baku“ Kohl (Schlagzeug) aus Berlin. Der Bandname ergab sich, als jemand Frontfrau Jennifer als "Jennifer Rostock" ins Handy gespeichert hatte.


Als die ausverkaufte Kulturfabrik knapp fünf Minuten nach Konzertbeginn erreicht war (Danke an die NordWestBahn, die wenige Meter vor dem Krefelder Hauptbahnhof [auf Höhe des "Krefeld Hbf." Schildes] für wenige Augenblicke stehen bleiben musste. Und wie allseits bekannt sind wenige Augenblicke im Eisenbahnerdeutsch gleichbedeutend mit einer guten halben Stunde im Otto Normalverbraucher Deutsch.) rockten die Hannoveraner von Ich Kann Fliegen schon die proppe volle Halle.

Das Quartett spielte Pop-Rock mit deutschen Texten und wurde vom Krefelder Publikum direkt ordentlich empfangen. Für ein wenig Gastgesang kamen zwischenzeitlich sogar zwei Jennifer Rostock Bandmitglieder auf die Bühne. Für einen Vorbandauftritt war das Krefelder Publikum schon recht textsicher, sodass der circa 40 Minuten lange Auftritt ein großes Vergnügen wurde. Mit Songs wie „Katastrophen“ oder „Es ist nicht vorbei“ trafen sie ganz den Geschmack der Kulturfabrik Besucher.



Dann war es endlich soweit und das Licht ging aus für den Hauptact des Abends: Jennifer Rostock. Namensgeberin Jennifer betrat knapp bekleidet und mit an Handschuhen befestigten Minitaschenlampen, deren Lichtkegel wie lange Krallen wirkten, die Krefelder Bühne während ihre Bandkollegen schon ordentlich rockten. Das Publikum war von der ersten Sekunde mit dabei und ging zu "Stur“ gleich zu Beginn ordentlich ab.

Jennifer geizt nicht mit Reizen sowie eindeutigen Bewegungen und Posen. Das überwiegend weibliche Publikum quittierte das Öffnen ihrer Jacke und somit den überraschend tiefen Einblick in ihr Dekolleté mit begeistertem Gekreisch. Ein wenig überraschend, dass gerade ein von jungen Mädchen dominiertes Publikum so auf Brüste anspringt. Jennifer nimmt das Gekreisch als das Kompliment, als das es gemeint war und kommentiert, dass Brüste nun mal etwas sehr romantisches seien.

Die Tatsache, dass wenige Männer im Publikum waren kommentierte Jennifer damit, dass das Konzert eigentlich nur für Mädchen interessant sei, und dass die wenigen anwesenden Jungs nur mit ihrer Freundin vor Ort waren um sie, wie Jennifer sagte, später bumsen zu können. Generell bringt Jennifer mit ihrer Berliner Schnauze einige vulgäre Bemerkungen. Egal ob sie sich über große Brüste in den ersten Reihen der Zuschauer freut ("Da passen ja drei Schwänze hintereinander rein") oder dort die eine Lesbe sucht die bei jedem Konzert sabbernd zu finden ist, ein wenig Sex muss in so gut wie jeder Bemerkung dabei sein. Passend dazu teilt Jennifer die Menge nicht in die linke und rechte Hälfte sondern in die linke und rechte Schamlippe. Naja wenn’s sein muss...

Passend zum Titel und zum Musikvideo trägt Jennifer zu „Der Kapitän“ eine Kapitänsmütze und auch im Publikum war das ein oder andere Mädchen mit einer entsprechenden Mütze auszumachen. Für einen unplugged Part nach „Hier Werd Ich Nicht Alt“ holt sich Jennifer vier Fans auf die Bühne, die zur Unterstützung nur ein wenig Bier trinken sollten. Eine leichte und gern wahr genommene Aufgabe für den Jungen und die drei Mädels. Im weiteren Verlauf mussten die drei Damen die Bühne wieder verlassen und der Junge (im Weiteren: Blabla) der zu sehr nuschelt, als dass Jennifer seinen Namen versteht, durfte auf einem Stuhl Platz nehmen. Während Jennifer lasziv um ihn rumtanzt kommt er ihn ein wenig zu nahe, sodass er von der Bühne verbannt und durch ein Mädchen ersetzt wird.

Das Angebot für einen Whiskey Cola fünf Sekunden lang auf den Schultern einer Person zu sitzen und dabei die nackten Brüste zu zeigen wurde von erstaunlich vielen Damen angenommen, sodass einige Getränke ihren Besitzer wechselten.

Neben den diversen Möglichkeiten für die Fans sich in die Show der Band einzubringen brachte sich auch  Jennifer in die Zuschauermenge ein, als sie sich von Securitys flankiert in die Saalmitte begab  um vom Publikum aus weiter zu singen.  Fännähe wie sie im Buche steht, so überrascht es auch nicht, dass während des Konzertes Aftershowpässe verschenkt wurden.

Zum Song "Himalaya" wurde mit Sarah ein Mädchen aus dem Publikum auf die Bühne geholt um den Song anstelle von Jennifer zu singen. Sarah, die laut eigenen Aussagen "so halb" in einer Band Mitglied ist, machte einen erstaunlich guten Job. Textlich sicher, stimmlich gut und auch was die Bühnenpräsenz anging überraschend professionell. Selbstsicher und kein bisschen nervös verblüffte sie selbst die Bandmitglieder. Da hätte man kaum eine geeignetere Dame aus dem Publikum fischen können.

Da das weibliche Geschlecht schon partiell blank gezogen hatte, wollte Jennifer nun auch ein paar verschwitzte und nackte Männeroberkörper sehen, die sich alle brav in der Saalmitte versammeln sollten. Obwohl die Männer auf dem Konzert deutlich in der Unterzahl waren fanden sich einige dort ein, um beim nächsten Song "Es war nicht alles schlecht" ordentlich zu moshen. Da der Original Gastsänger Nico von War From A Harlots Mouth nicht mit dabei war, wurde er von einem anderen ersetzt, der den Job gut - aber nicht perfekt - machte.

Danach zogen sich die fünf hinter die Bühne zurück, doch dem Publikum wurde kaum Zeit gelassen nach einer Zugabe zu verlangen den mit „Kopf Oder Zahl“ war die Band sehr schnell wieder auf der Bühne um noch einmal Vollgas zu geben.

Etwas überraschend kam das LMFAO Cover von „Party Rock Anthem“, welches sowohl Publikum als auch Band richtig zum Schwitzen brachte. Partymucke und Partystimmung in der Krefelder Kulturfabrik: Sowohl Band als auch Publikum tanzen wie wild und als Highlight gibt es einen kleinen Konfettiregen.

Darauf folgend beendete „Nenn mich nicht Jenny“ das sehenswerte aber doch ein wenig ordinäre Konzert der Berliner Truppe. Insbesondere Jennifer beeindruckt durch ihre unkonventionelle Bühnenperformance und Ansagen, aber auch stimmlich konnte sie alle Erwartungen erfüllen. Die Musik war klasse und dementsprechend wurde auch vom Publikum ordentlich gefeiert und mitgemacht, sodass der Abend für alle Beteiligten ein voller Erfolg war.


Setlist Jennifer Rostock
Intro
Stur
Feuer
Wieder Geht's Von Vorne Los
Mein Mikrofon
Lügen Haben Schöne Beine
Es Tut Wieder Weh
Der Kapitän
Horizont
Hier Werd Ich Nicht Alt
Unplugged Medley
3 Millionen Schatten
Insekten Im Eis
Ich Kann Nicht Mehr
Meine Bessere Hälfte
Ich Will Hier Raus
Himalaya (mit Gastsängerin Sarah)
Es War Nicht Alles Schlecht
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Kopf Oder Zahl
Tier In Dir
Party Rock Anthem (LMFAO Cover)
Nenn mich nicht Jenny