Rock Hard Festival 2011 Samstag

Rock Hard Festival Sonntag

Rock Hard Festival Sonntag

Rock Hard Festival Sonntag

Wie jedes Jahr war auch dieses Mal an Pfingsten das Rock Hard Festival  ein absoluter Pflichttermin für uns.  Denn sind wir mal ehrlich… wie viele inzwischen schon inflationär auftretenden Festivals bieten ein erstklassiges Line Up UND ein familiäres Erlebnis in einer top Location? Kaum eines… gut also dass es das Rock Hard Festival seit nun 5 Jahren gibt. Leider startet das erste richtige Festival-Highlight dieses Jahr ein wenig grau und trist. Das Wetter haben wir schon besser erlebt. Aber egal… wir sind ja nicht zum braun werden ins Amphitheater gefahren…


Nachdem wir uns  unsere Bändchen geholt hatten ging es auch schon los mit der ersten Band. Also schnell die Stufen runtergespurtet und ab zur Bühne, denn Contradiction aus Wuppertal eröffneten das diesjährige Rock Hard. Die Trasher, die inzwischen auf eine fast schon zwei Dekaden andauernde Bandgeschichte zurückblicken können, zogen dann auch eine ansehnliche Menge abrockender Metaller vor die Bühne.

Was einem bei näherer Betrachtung als erstes Auffiel war dass wohl auch die Katastrophe auf der Duisburger Loverparade ihre Kreise bis zum Rock Hard Festival gezogen hatte, denn der Rhein-Herne-Kanal war weiträumig abgesperrt und so dürfte wohl einigen die sich das Geld für das Ticket sparen wollten ordentlich die Laune verhagelt worden sein. Es ist dem Veranstalter aber nicht zu verdenken wenn man schlechte Presse und eventuelle Unfallopfer vermeiden möchte.

Hatten Procession noch scherzhaft angekündigt das Gelände mit einer riesigen schwarzen Plane zu verdunkeln (was bei den Stagehands schon für Panik sorgte) zeigte das Wetter dann später, dass Mutter Natur so was einfach besser kann.  So verdunkelte sich dann während  aus den Lautsprechern die düsteren Doom-Klänge grollen der Himmel stilsicher und auch ein heftiger Wolkenbruch lies nicht auf sich warten.

Postmortem aus Berlin konnten mich mit Ihrem Mix aus Death und Trashmetal nicht so wirklich überzeugen. Stattdessen nutzte ich die Gelegenheit um ein wenig das Angebot der Merch-  und Nippes-Händler genauer zu begutachten.
Pünktlich zu Primordial war ich aber wieder vor der Bühne und mit mir zumindest alle diejenigen die Primordial schonmal auf dem Rock Hard gesehen hatten. Die Jungs stehen nämlich für extremst dichten  atmosphärischen Pagan Metal und eine Show die jeden Nörgler von der Treppe fegt. Frontmann Alan war vor der Show wohl noch in den Topf mit dem Kunstblut gefallen, unterstrich aber mit seinen theatralischen Gesten die wohl beste Show am Freitag bei der natürlich auch The Coffin Ships nicht fehlen durfte.

Nach der irischen Pagan-Einlage treten Enslaved aus Norwegen auf den Plan, leider mit eher mäßigem Sound. Ob der Mischer am Pult eingeschlafen war ist nicht überliefert, jedenfalls drückte der Brei der da aus den Boxen tropfte deutlich die Stimmung. Das konnte auch Ice Dale, der Gitarrist der Band nicht retten obwohl er mit freiem Oberkörper wirklich alles gab um die Poser-Götter zu erfreuen.

Wir können nur mutmaßen das Götz Kühnemund sich bei der Zusage des Freitagsheadliners wie ein kleines Kind gefreut hat. Vermutlich hat er auch gleich ein ganzes Fass aufgemacht, als Triptykon dann endlich auf der Bühne standen.  Tom G. Warrior hat schließlich insgesamt 3 Anläufe gebraucht um endlich auf der Rock Hard Bühne zu stehen.  Anderthalb Stunden lang ließen die Schweizer mit starren Mienen düstere Riffs über die Menge rollen und konnten so locker für die zwei abgesagten Auftritte entschädigen.

Samstags ging es für mich dann mit In Solitude los. Für mich war es noch reichlich früh daher war ich nicht sonderlich motiviert. Glücklicherweise galt das nicht für die Schweden die sich da auf der Bühne ordentlich ins Zeug legten und es sogar schafften dem Publikum den ein oder anderen Crowdsurfer zu entlocken.

Disbelief schafften es dann schließlich die letzten Morgenmuffel aus ihren Zelten zu blasen. Ohne Unterlass  ballerte hier intensives Todesmetall aus Hessen aus den Lautsprechern das sich vor der internationalen Szene nicht verstecken braucht.  Mit den darauf folgenden Epica aus den Niederlanden gab es anschließend nicht nur etwas für die Ohren sondern auch gleich noch für die Augen. Die bildhübsche Frontfrau Simone Simons ließ wie bei jedem Epica-Konzert das männliche Publikum sabbern und verleitete schon nach kurzer Zeit zu „Ausziehen, Ausziehen“-Rufen aus den ersten Reihen.  Musikalisch und Optisch sind Epica ganz großes Kino und die Band lässt ordentlich die Matten schwingen und ist mit einer außergewöhnlichen Spielfreude dabei, die man so bei den vorherigen Bands noch nicht gesehen hat.

Nach Epica ging es energiegeladen weiter, denn man hatte Bullet nach Gelsenkirchen geholt. Die Jungs waren schon des Öfteren auf dem Rock Harf Festival zu Gast und gelten nicht umsonst als heißestes Eisen das Schwedens Old-School Riege im Feuer hat. Die Jungs wecken ohne Zweifel Assoziationen zu AC/DC und Konsorten und können auf der Bühne ordentlich abräumen und es würde mich nicht wundern wenn die Bierverkäufe zur Zeit der Show rasant angestiegen sind, denn Bullet genießt man am besten  mit einem kalten Bier.

Mit nicht ganz so gutem aber dennoch brachialem Sound übernahmen Morgoth nach Bullet das Bühnenzepter. Mein Fall waren die Jungs nicht unbedingt, darum machte ich mich auf den Weg zum Auto um vorsorglich mein Regenzeug zu holen.. keine Minute zu früh, denn als ich wieder zurück kam  konnte ich entspannt auf Amorphis warten während ein Großteil der Leute Fluchtartig das nach trockenen Plätzen suchte.  Diese kleine Sintflut hatte dann auch mal eben den Biergarten komplett bis an die unbenutzbarkeit geflutet. Amophis zogen obwohl es noch ein wenig tröpfelte dann eine Hammershow ab, was natürlich zum Großteil Mr. Charisma Tomi Joutsen zu verdanken ist. Der Mann mit den endlos langen Rastas ist einfach die coolste Sau auf dem Planeten. Und so konnte ich mich dann noch über meine Lieblingssongs House of Sleep und The Smoke freuen.

Mit dem Auftritt von Iced Earth sollte dann eine Ära  zu Ende gehen, hatte Matt Barlow damals auf dem Rock Hard sein Comeback gefeiert, so war es dieses das letzte Konzert dass er mit den Jungs spielen würde.  Dementsprechend hoch waren die Erwartungen an die Band und diese wurden absolut erfüllt. Die Stimmung war absolut atemberaubend und es wurden auch alle wichtigen Songs der Band gespielt.. leider verhagelte einem dann gegen Ende ein ziemlich derber Schauer die Laune so dass wir uns verfrüht auf den Heimweg machen müssten...

Der Sonntag startete mit Vanderbuyst und einer gehörigen Portion Sonne. Sehr schön,  so kann das weitergehen..  Vanderbuyst knallen dem verkaterten Publikum eine geballte Ladung 80er Jahre Metal vor den Latz und gehören damit zu den wenigen Openern die das Publikum gleich zu Beginn im Griff haben. Die schrecklichen Blondinen mit ihren Tanzeinlagen hätte man aber locker weglassen können, denn irgendwie wollten die nicht so recht ins Konzept passen.  Auch die nächste Band verweilte eher in den 80ern, hier war allerdings Speed Trash aus Schweden angesagt.

Enforcer verstehen ihr Handwerk und so zockt man sich souverän durch das Programm bis es dann auch schon an der Zeit für Atlantean Kodex ist.   So richtig überspringen wollte der Funke hier nicht so recht.. zu starr präsentierten sich die Jungs auf der Bühne, Zeit also für eine kleine Bierpause..  

Metal Inquisitor aus der schönen Pfalz  kannte man schon von vorhergehenden Festivals, neu war jedoch dass die Matte von Frontmann El Rojo eher durch Abwesenheit glänzte. Der Gute vertritt nämlich die Auffassung dass er lieber alles absäbelt bevor ihm auch noch die letzten Haare ausgehen.  Die Jungs sind echte gute Laune Garanten und können mit ihrem klassischen Metal durchaus Punkten.  Vor der Bühne sah man das ähnlich und feierte ordentlch mit den Pfälzern.

Leider muss ich gestehen dass ich von Anacrusis und Vicous Rumors nicht allzuviel mitbekommen habe denn irgendwann während Metal Inquisitor muss ich mir derbe einen Nerv eingeklemmt haben. Einen großen Dank da nochmal an den netten Herrn von der Security, der mir hier mit einer 800er Paracetamol aushalf.  So konnte ich wenigstens noch die Fotos machen. Halbwegs pünktlich zu Overkill fingen die Schmerzmittel dann auch richtig an zu wirken und so konnte ich dann noch den riesigen Moshpit  bestaunen der sich in der prall gefüllten Arena bildete. Es ist einfach heftig wie problemlos Bobby Blitz und seine Kumpanen es schaffen so dermaßen arschzutreten. Von Rotten to the Core bis Old School präsentierten Overkill eine ausgefeilte Setlist die sich gewaschen hatte.

Down hätte meiner Meinung nach im Billing eher vor Overkill spielen sollen, denn nach dem Kraftakt der einem dort geboten wurde war einfach die Luft raus.  Down Frontmann Phil schien auch eher labern zu wollen als das zu machen was die Leute von ihm erwarteten..

Fazit: Auch wenn das Wetter mehr oder weniger mies war und nicht jede Band unbedingt keine Kragenweite war, gehörte das Rock Hard Festival definitiv wieder zu der wenigen Highlights. Einen großen Beitrag dazu leisteten natürlich die allseits gepriesenen Sicherheitsleute, die auch in echt jeder Situation gelassen und freundlich geblieben sind. Bleibt nur zu hoffen dass nächstes Jahr endlich wieder mehr Sonne scheint und der Rest beim alten bleibt.