Am Samstag den 25.02.2012 waren Caliban auf ihrer "Get Infected" Tour auch zu Gast in der Kölner Essigfabrik. Mit  Winds Of Plague, We Butter The Bread With Butter, Eyes Set To Kill und Attila waren ganze vier weitere Bands an Board, um die Kölner mit Metalcore vom Feinsten zu infizieren. Das schon Wochen vorher ausverkaufte Konzert kündigte sich schon am Bahnhof Köln Messe/Deutz an, denn noch nie habe ich vor einem Konzert schon am Bahnhof so viele Fans rumrennen sehen und spätestens 400m weiter die S-Bahn Haltestelle "Deutzer Freiheit" war nahezu ganz in der Hand schwarz gekleideter, gepiercter und tätowierter Menschen. Schon eine Viertelstunde vor Einlass zog sich die Schlange vor der Essigfabrik bis zur Tankstelle. Als sich wenig später die Tore öffneten ging der Einlass schnell von statten und bei der Ansage "es gibt einen Fotograben" gab es gleich die erste positive Überraschung des Abends.

Den Opener zu geben, wenn nachher noch vier weitere Bands spielen, ist in der Regel ein unglücklicher Job, denn schon so früh am Abend bei einer unbekannten Band abzugehen machen die Wenigsten. Doch anders bei Attila, die fünf Jungs aus Atlanta durften sich und ihre Musik einer schon sehr gut gefüllten Essigfabrik in Feierlaune präsentieren.
Die Zuschauer fraßen Attila sehr schnell aus der Hand und ließen sich begeistern. Die halbe Menge hüpfte euphorisch mit und bei den üblichen "'yeah'-Schreispielen" war die Resonanz für eine erste Vorband sehr beeindruckend. Ebenso klasse war die Bühnenperformance, deren Energie man bei vielen bekannten Bands so nicht findet. Es wurde viel gesprungen und man sah allen Bandmitgliedern an, dass sie viel Spaß bei der Sache hatten. Das Publikum nahm während des Gigs immer weiter Fahrt auf und bedankte sich für den gefeierten Einstand mit einigen Moshpits während des letzten Songs, der nach circa 35 Minuten die Spielzeit von Attila beendete.


Als nächstes kam mit Eyes Set To Kill, die Band auf die Bühne, auf die ich am meisten gespannt war, da ich bei Youtube schon vor einigen Monaten ein paar gute Songs der Band entdeckt hatte. Leider wurden meine (zugegebenermaßen recht hohen) Erwartungen nicht im Geringsten erfüllt. Dies lag nicht zu letzt am wirklich miesen Sound, der es mir fast unmöglich machte die auf Youtube gehörten Songs wieder zu erkennen. Insbesondere der weibliche Part, gesungen von Alexia Rodriguez war nahezu nicht zu verstehen. Das geht auf Platte (beziehungsweise beim Musikvideo) klarer, sodass man auch etwas vom Songtext mit bekommt. Schade!
Das Publikum feierte trotzdem mit, wenn auch verhaltener als bei den unbekannteren Attila. Es gab die ersten Crowdsurfer des Abends und die Kölner bewiesen auch Textsicherheit, insbesondere bei bekannten Songs wie "Broken Frames".
Am Ende des halbstündigen Auftrittes kamen vereinzelte "Zugabe"-Rufe, doch trotzdem konnten sie mich persönlich nicht überzeugen. Glücklicherweise waren Eyes Set To Kill der erste und letzte Ausfall im fünf Bands umfassenden Billing, sodass es zu verschmerzen war.


Direkt im Anschluss kam mit We Butter The Bread With Butter eine wahre Stimmungsgranate auf die mit Nebel geflutete Bühne. Von der ersten Sekunde an wurde klar, dass es sich um eine wahre Liveband handelt: Es gibt sicherlich viele, die WBTBWB auf Platte nicht mögen, doch wenn die Herren live erstmals so richtig los legen, dann ist es kaum möglich von der enormen Energie der Band nicht angesteckt zu werden. Das Kölner Publikum rastete förmlich aus und bewies Mitsing- und Bewegungsfreude.
Die von Techno-Beats umrahmten Kinderlieder kamen gut an und sorgten für einige verdutzte Blicke bei den Securitys, die ein aufbrausendes "JAAAA!" auf die Frage "Wollt ihr 'Alle meine Entchen'?" sicherlich nicht erwartet hatten.
Neben der hervorragenden rein musikalischen Komponente waren auch das Auftreten und die Show erstklassig. Die Nebelmaschinen liefen zwar nahezu durchgehend, doch dies bot die Möglichkeit für nette Effekte mit an der Kleidung angebrachten LED Schweinwerfern, die aus dem Nebel herausstachen und ins Publikum leuchteten. Den überwiegenden Teil des Konzertes verbrachten die Bandmitglieder auf Kisten, die sie von unten anleuchteten und in Nebel hüllten. Es wurde sowohl im Publikum, als auch auf der Bühne, geheadbangt bis zum Umfallen, wobei die synchronen Bewegungen der Musiker den Takt angaben.
Als ob es weiter Anstachelungen bedurft hätte, teilte Sänger Paul Bartzsch dem Publikum mit, dass es sich bei Köln um eine der Lieblingsstädte der Band handle. Beim anschließendem „Superföhn“ begab er sich dann auch in den Bühnengraben, um dem Publikum so nahe wie möglich zu sein. Ein weiterer Coverersong, der jedoch nicht in Kinderliederbüchern zu finden ist, war DEICHKINDs "Krawall und Remmi-Demmi" der zum Tanzen förmlich einlud auch einige Crowdsurfer, zum Beispiel einen Fan im Bananenkostüm, nach vorne spülte.
Während des Gigs gab es auch einen Slow Motion Part, bei dem in Zeitlupe gesungen wurde. Im Anschluss setzte sich die Band auf den Boden und das Publikum folgte prompt, nur um wenige Augenblicke in Ekstase aufzuspringen und weiter zu feiern. Ein Konfettiregen verschob das Ganze noch weiter vom Standardkonzert hin zur ausgelassenen Party.
Schon vor Ende des Auftrittes war das Publikum der Meinung nach einer Zugabe rufen zu müssen. We Butter The Bread With Butter willigten unter der Bedingung, dass alle springen, ein und spielte „Der kleine Vampir“ der komplett von den Kölnern mitgesungen werden konnte und mit seinem wahren Regen von Crowdsurfern, die Security bis an's Limit beanspruchte. Die Luft wurde immer dicker und erinnerte mehr an ein Tropenhaus, als mir lieb war. Das Publikum störte sich nicht daran und ein paar Jungs in der ersten Reihe trommelten die Lieder auf dem Wellenbrecher mit Begeisterung mit.
Nach rund 40 Minuten endete der nur mit "großartig" oder ähnlichen Worten beschreibbare Auftritt mit einem crowdsurfendem WBTBWB Sänger. Insbesondere die jungen, weiblichen Fans prügelten sich förmlich um Drumsticks, Plektren und einen Kapuzenpulli, der jedoch nur von einem Fan stammte, der ihn wenige Minuten zuvor auf die Bühne geworfen hatte. Szenen, wie man sie sonst nur von Autogrammstunden größerer Popmusiker erlebt, spielten sich ab. Die ein oder andere junge Dame wird sich die nächsten Tage die Hand nicht waschen, da sie damit nach dem Konzert kurz aber überglücklich berühren durfte. Naja, wer's mag...


Als Winds Of Plague aus Kalifornien an der Reihe waren, stand das Publikum deutlich lockerer da, als noch eine halbe Stunde zuvor, denn viele mussten sich an der frischen Luft und mit einem kühlen Getränk von den Strapazen des We Butter The Bread With Butter Auftrittes erholen um für den Headliner Caliban wieder fit zu sein. Während des Auftritts zeigte sich, dass WBTBWB nach Winds Of Plague hätten spielen sollen, da die unter normalen Umständen als gut zu bezeichnende Stimmung im direkten Vergleich zu WBTBWB relativ lahm war. Winds Of Plague genießen hier in Deutschland eben nicht den Status und die Bekanntheit, die nötig gewesen wäre um das Niveau der Butterbrote zu halten.
Was nicht heißt, dass der Auftritt für sich betrachtet nicht gut war. Die fünf Jungs und das Mädel ließen es ordentlich krachen und hüpften wie wild auf der Bühne umher. Derart engagiert gelang es Winds Of Plague mit der Zeit immer mehr Fans von der Erholungspause wieder vor die Bühne und in die Moshpits zu ziehen, sodass gegen Ende der 35 Minuten langen Show einige Crowdsurfer zu erblicken waren. Leider raffte sich nur ein Drittel der Halle auf, um der Band den Applaus zu spendieren, den sie zweifellos für den Auftritt verdient hatten.
Keyboarderin Alana Potocnik war offensichtlich der Ansicht, dass ein etwas längeres T-Shirt als vollständige Bekleidung gilt, daher hatte sie auf Hose, Rock oder ähnliches verzichtet. Es wirkte ein wenig wie ein Nachthemd, aber mittlerweile war es ja auch schon spät.


Nach einer weiteren Umbaupause war es endlich soweit und Caliban betraten mit dem Opener „Dein R3.ich“ vom neuen Album „I Am Nemesis“ die Kölner Bühne. Das Publikum ging von Beginn an ordentlich mit und zeigte sich in bester Feierlaune. Die Mannen um Fronter Andreas Dörner sind lang genug im Geschäft, um zu wissen was das Publikum erwartet und demnach bekamen die Leute auch genau das.
Mit „It's Our Burden To Bleed” und dem neuen “We Are The Many” ging es direkt Schlag auf Schlag mit Nackenbrechern weiter. Die Gastvocals vom Killersong „We Are The Many“, die im Original von Markus Bischoff (HEAVEN SHALL BURN) und Mitch Lucker (SUICIDE SILENCE) stammen, wurden von Jonathan "Johnny Plague" Cooke (Winds Of Plague) und Chris Fronzak (Attila) übernommen.
Die fünf Jungs aus Hattingen zeigten, wie gewohnt Einsatz auf der Bühne und kamen auch das ein oder andere Mal in den Bühnengraben. Auch davon ab wirkt die Band beim kollektiven headbangen bewegungsfreudig, eine Eigenschaft, die auch dem Publikum abverlangt wurde: Wenn Caliban einen Circle Pit um das Mischpult fordern, dann bekommen sie ihn auch, ähnliches gilt für die unzähligen Crowdsurfer, zum Beispiel während „Nothing Is Forever“.
Der Sound und die Show waren erstklassig und auch das Publikum wirkte von all den Wall Of Deaths, Circle Pits und Crowdsurfen bei den Vorgängerbands noch lange nicht müde und gierte förmlich nach mehr. Kein Problem für Caliban, die einen Hit nach dem anderen aus dem Hut zauberten, sodass den Securitys keine Zeit zum Verschnaufen blieb.
Diejenigen, die nicht rund um die Uhr „in action“ waren konnten CALIBANs neues Bühnenbild bewundern., denn zum neuen Album musste auch ein wenig neue Deko her, die unter anderem in Form von Buchstabenwürfeln mit „C“, „L“, „B“ und „N“ Löchern und eingebauter Lichttechnik ausgestattet waren. Caliban tendieren ja öfters dazu auf Backdrops oder Ähnlichem die Vokale zu vernachlässigen.
Der Gewinner des „Play A Song mit Caliban Contest“ war Martin aus England, der „24 Years“ an der Gitarre mitspielen durfte. Im Anschluss endete dann mit „All I Gave“ der offizielle Teil des Konzertes, doch schon wenige Sekunden später waren die Jungs wieder da. Das Publikum forderte lautstark den RAMMSTEIN Coversong „Sonne“, doch zuerst gab es mit „Memorial“ ein weiteres Highlight der neuen Scheibe, zu dem auch ein Video erschienen ist. Das Publikum zeigte sich auch damit mehr als zufrieden und als sie im Anschluss auch ihren Wunsch erfüllt bekamen waren wirklich alle glücklich. Nach „My Time Has Come“ entließen Caliban nach einem erstklassigen Konzert das Publikum an die frische Luft.

Setlist Caliban
Dein R3.ich
It's Our Burden To Bleed
We Are The Many
Love Song
I Will Never Let You Down
Davy Jones
Life Is Too Short
Bogeyman
Nothing Is Forever
24 Years
All I Gave
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Memorial
Sonne (Rammstein Cover)
My Time Has Come