Am Freitag den 16. Dezember 2011 lud das kleine Nachbarland Luxemburg bereits zum sechsten

Mal zum „Bang Your Head Festival“. Die Tore der Kulturfabrik in Esch-sur-Alzette öffneten fast pünktlich um 19:05 um die in kleinen Grüppchen vor der Halle wartenden Metaller einzulassen. Dank Sturmtief „Joachim“ war das Wetter eher unfreundlich, doch nicht schlecht genug, um von einem Festival mit einem unschlagbar günstigen Line-Up abzuhalten. Nur Stunden vorher schon vor der Halle warten wollte dann doch niemand.



19:36 – 20:00 Retrace My Fragments
20:16 – 20:50 Curse Of Society
21:09 – 21:37 More Than a Thousand
21:56 – 22:28 Desdemonia
22:45 – 23:17 Adept
23:38 – 00:38 Heaven Shall Burn

Die Bilder des Konzerts findet ihr hier.

Für schlappe 22€ konnte sich das Festival mit den sechs Bands aus Luxemburg, Portugal, Schweden und Deutschland durchaus sehen lassen. Die Kulturfabrik besteht aus einem Vorraum mit Garderobe und Abendkasse, einen Hauptraum mit der Bühne und einem kleinem Nebenraum mit der Theke. Neben der Theke war ein Stand einer Tierrechtsgruppe aufgebaut, wo es neben veganen Speisen (Chilli und Crêpes) allerlei Infomaterial zum veganen Lebensstil gab. Etwas merkwürdig war das Pfandsystem an der Theke geregelt, sodass man nicht sein Getränk mit einem Euro Aufschlag als Pfand erwerben konnte. Man musste sich an einem kleineren Stand erst einen Pfandbecher „kaufen“, mit dem man dann an der Theke auftauchen konnte.

19:36 – 20:00 Retrace My Fragments
20:16 – 20:50 Curse Of Society
21:09 – 21:37 More Than a Thousand
21:56 – 22:28 Desdemonia
22:45 – 23:17 Adept
23:38 – 00:38 Heaven Shall Burn



Retrace My Fragments aus Luxemburg waren als Local Support am Start und zeigten von der ersten Sekunde an grenzenlose Spielfreunde. Sänger Marti ging gut ab und versuchte sein bestes um die bereits anwesenden Gäste für den Mix aus progressiven Death Metal und Hardcore zu begeistern. Das Publikum schaute dem bewegungsfreudigem Treiben auf der Bühne interessiert zu, waren jedoch primär mit ihrem ersten Bier beschäftigt, sodass es nur zu einem leichten Kopfnicken reichte. Unbeeindruckt davon zogen die fünf Jungs ihre Show durch und bewiesen, dass die Luxemburger Metal Szene doch einiges zu bieten hat. Denn mal Hand auf’s Herz, wer kennt mehr als fünf Luxemburger Bands? Für alle, die da auch Nachholbedarf sehen kann sich ein Blick auf das Facebook Profil von Retrace My Fragments lohnen.

 

Kurz darauf ging es mit dem Fünfer Curse Of Society aus Freiburg weiter, welche mit ihrem modernen Metalcore die Konzertbesucher zum Bewegen anregen wollten. So schafften sie es schnell zu begeistern, sodass sich auf Wunsch des Sängers Kevin auch brav eine Wall Of Death formte, deren Finale jedoch daran scheiterte, dass niemand so recht wusste, wann er denn nun loslaufen sollte. Aber das Eis war gebrochen und so langsam kam Bewegung in die Bude. Gegen Ende waren neben Sänger Kevin, der es vorzog den letzten Song aus dem Publikum zu singen, einige Violant Dancer in der Menge.

 

Als zu Beginn der dritten Band die „Fox-Fanfare“ von Alfred Newman lief war es deutlich voller in der Kulturfabrik. Während bei den ersten Bands noch Recht wenig Bewegung im Publikum war, begann sie bei More Than a Thousand aus Portugal in der ersten Sekunde des Albumtiteltracks „Make Friends And Enemies“. Für viele Zuschauer war der Fünfer um Frontmann Vasco Ramos keine unbekannte Band mehr, sodass die Songtexte textsicher mitgesungen werden konnten. Bei „Nothing But Mistakes“ springt fast die ganze Halle und die Stimmung ist an ihrem vorzeitigen Höhepunkt. Nach „Roadsick“ und „No Bad Blood“ ist der starke Auftritt der Portugiesen viel zu früh vorbei.

 

Doch der enge Festivalzeitplan lies nicht mehr zu, denn Desdemonia aus Luxemburg standen in den Startlöchern um die angeheizte Menge direkt zu übernehmen. Desdemonia waren für die aus Gesundheitsgründen abgesprungene Thrash-Kapelle Abstract Rapture eingesprungen. Desdemonia ist wohl so etwas wie lokale Größe, denn die Einheimischen feiern die Band euphorisch und mit Sprechchören an, während man den aus Deutschland oder Frankreich angereisten Fans das „wer’sn das da?!?“ deutlich im Gesicht ablesen konnte. Obwohl Desdeomnia mit ihrem Auftritt sicherlich einige neue Fans gewinnen konnten wirkte der Auftritt nach der energiegeladenen Performance von More Than a Thousand vergleichsweise lasch.

 

Adept waren als nächstes an der Reihe und setzen stimmungsmäßig da an, wo More Than a Thousand aufgehört hatten. Da beide Bands zusammen auf Tour waren, war diese keine neue Situation für die jungen Schweden aus Trosa. Die Menge feierte euphorisch und bewegungsfreudig, sodass Adept ihrer Co-Headliner Rolle mehr als gerecht werden konnten. Nicht wirklich Co-Headliner gerecht war hingegen die Spielzeit, welche nur sechs Minuten länger als die der ersten Band war. Die Menge hatte trotzdem ihren Spaß und als Sänger Robert verkündete, dass er sich auf Heaven Shall Burn, „the pride of Germany“ freute gab es kein Halten mehr. Mit „The Lost Boys“ zogen Adept sich von der Bühne zurück um Heaven Shall Burn ihr aufgeheiztes Publikum zu übergeben.

 

Kaum eine halbe Stunde später enterte das deutsche Metalcore Flaggschiff Heaven Shall Burn mit dem Edge Of Sanity Cover „Black Tears“ die Bühne. Für die Menge gab es kein Halten, sodass schon während des ersten Liedes die ersten Crowdsurfer vereinzelt im Fotograben landeten. Weiter ging es mit „The Omen“ dem ersten Song vom neuen Album. Sänger Marcus zeigte sich erwartungsgemäß erfreut über den Tierrechtsstand, bevor er mit „Voice Of The Voiceless“ den nächsten Kracher aus dem Ärmel zog. Schon während der ersten Töne von „Awoken“ waren alle Arme in der Höhe und die Menge teilte sich, um beim Beginn der „Endzeit“ mit brachialer Gewalt sich in einer Wall Of Death wieder zu schließen. Aufgrund seiner Rückenoperation musste Drummer Matthias Voigt leider ersetzt werden. Bei der Menge an Circle Pits, Wall Of Deaths und sonstigen Mosh Pits liegt es nahe ein Heaven Shall Burn Konzert in die Kategorie Sport zu packen, denn so verschwitzt wie aus einem HSB Mosh Pit kommt man bei wenigen Sportarten nach Hause. Mit „Not My God“ beendet die Band einen erstklassigen Auftritt, der wieder einmal deutlich machte, dass Heaven Shall Burn ein Live-Kracher und ein Garant für ausgelassene Moshpitstimmung ist.



Setlist Heaven Shall Burn
Black Tears (Edge Of Sanity Cover)
The Omen
Profane Believers
Combat
Voice Of The Voiceless
Awoken
Endzeit
Counterweight
Return To Sanity
The Disease
Trespassing The Shores of Your World
Not my God

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