„Ohne Düssel wärt Ihr nur ein Dorf“ hört man es an bestimmten Tagen durch den Düsseldorfer Hauptbahnhof schallen. Auf den heimischen Fussball, der mittlerweile so gut wie erstklassig ist trifft diese wirre Behauptung mittlerweile nicht mehr zu.

Was die Versorgung mit schwermetallischer Livemusik angeht ist man allerdings höchstens Kreisklasse.Vorbei die Glorreichen Zeiten in denn sich die Creme De la Creme der Szene in Läden wie dem Tor3 oder dem Stahlwerk die Klinke in die Hand gab. Doch zum Glück gibt es ja den Club Carnage. Mittlerweile ist man vom etwas zu klein geratenen Rotkompott in die Bar 95 am Paul Janes Stadion umgezogen. Das monatliche Gemetzel präsentierte man bereits zum 8 mal diesmal mit Live Unterstützung.

Die Bar 95 ist gleichzeitig auch das Vereinsheim der Fortuna Düsseldorf , bietet doppelt so viel Platz wie die alte Örtlichkeit und ist Verkehrstechnisch gut zu erreichen. Ansonsten gibt es neben den Zahlreichen Loungigen Sitzgelegenheiten genug Platz zum Moshen,Tanzen und Bangen. Wer auch mal ne ruhige Kugel schieben will findet dafür einen Kickertisch, Flipper oder Spielautomaten Ein Extra Lob verdient die beschirmte und beheizte Aussenterasse auf der sich der ausgelaugte Headbanger unter wärmeneden Heizpilzen mit Alt vom Fass, Jägermeister Slush und Grillwurst stärken kann.

Die Professionell und für ein Undergroundkonzert gut beleuchtete Bühne betraten mit einiger Verspätung die Senkrechtstarter von RECKLESS MANSLAUGHTER. Die Songs vom nicht mehr ganz so frischem Debut sind lecker Old Schoolig brutal, kommen auf den Punkt und spalten dabei auch noch gemütlich die Fontanelle. Unter Ihren Oden an Nuklearer Zerstörung und ähnlichen Spässen füllte sich der Laden dann auch allmählich.

Als 2. Band des Abends enterten die Ruhrpöttler von Phobiatic die Bühne. Der Technisch versierte Sound der 4 Herren um Frontbuldogge Chris sorgte zwar nicht für Beileidsbekundungen, aber der räumliche Abstand zwischen Musikern und Band hatte doch irgendwie mal wieder was von Jugendzentrum – der extatisch tanzende Junge Herr mit dem weissen Schlüpfer auffm Kopp sorgte aber dann doch für Stimmung.

Die 5 Ludwigshafener von Spheron entsprachen rein optisch jetzt mal nicht so dem gängigem Klischee. Auf der Habenseite allerdings steht leicht angethrashter von Morbid Angel und Nile beeinflusster Sound, der seinen grossen Vorbildern in nichts nachsteht.

Ebenfalls aus dem Süden der Republik kommen Tombtroat – aktiv im Metzelgeschäft ist man seit 1996. Auf die Löffel gab es dann schwer groovenden Death Grind. Die Meute vor der Bühne zeigte mittlerweile auch etwas mehr Partybereitschaft – also lies sich die Band nicht lumpen und feuerte mit blutigen Nackensteaks zurück. Klar, natürlich erfindet man das Genre nicht neu, aber die Tombthroater überzeugten abermals durch Spass inne Backen und Spielfreude. Sauber eingelocht.

Jetzt spare ich mir den Spruch mit den Eulen die man nach Athen trägt. Den von da stammen die vier Griechen von MASS INFECTION soweit ich informiert bin nämlich nicht. Was aber sicher ist - man hat weder Mitglieder von Necromantia noch Rotting Christ in seinen Reihen, was ja in bestimmten Hellenischen Kreisen eine echte Seltenheit ist. Ein gar fröhliches Sperrfeuer zelbrierten die Südeuropäer – Roh,Schnörkellos und im Gegensatz zum heimischen Staatshaushalt erfrischend vital. Durchlöchert vom gnadenlosen Todesblei Beschuss entliess man die Crowd weit nach Mitternacht zum geselligen Abwursten am Grill auf die Clubeigene Sonnenterasse.

Die Grillkohle war irgendwann verglüht – klar.Klar ist aber auch das sich der gemeine Fleischfreund von so etwas nicht beirren lässt und einfach bis in den Morgen weiter feiert. Der Abend war einfach gelungen, gemütlich und entspannt - was jetzt zwar auch auf einen Abend mit Rosamunde Pilcher Filmen zutrifft, aber in unserem Fall einfach nur passt, denn die Crew des Carnage Kutters hat bewiesen das sie einen ehemals klapprigen Kahn in ein Schlachtschiff verwandeln kann. Weiter so!

Bleibt noch auf den nächsten Termin am 25.12.hinzuweisen der kein eigentlicher Club Carnage ist, sondern ein Mix Mosh Abend aus allen erdenklichen Metal Stilrichtungen.