Wacken Open Air Freitag

Wacken Open Air Samstag

Wacken Open Air Samstag

Wacken Open Air Samstag

Mittwoch, 03. August 2011, 03:00 Uhr morgens... Auf ging es zum 22. Wacken Open Air. Noch nicht ganz ausgeschlafen, jedoch voller Vorfreude. Und siehe, die Wahl der Startzeit war gut: Kaum Stau auf der Autobahn, eine noch recht überschaubare Schlange am Presse Check- In und ein noch nicht allzu voller Zeltplatz, auf dessen Öffnung wir jedoch noch ein klein wenig warten mussten. Das Zelt war dann auch recht schnell aufgebaut, sodass gegen 10:00 Uhr endlich das erste kühle Blonde seinen Weg in unsere Kehlen finden durfte. Da allerdings Mittwochs noch nicht viel Programm stattfindet, sei nur erwähnt, dass es noch diverse Blonde werden sollten, bevor der Tag zu Ende ging – vielleicht keine allzu gute Idee, wenn man zu wenig Schlaf und nichts richtiges im Magen hat... aber hey, wir waren in WACKEN...


Hatten wir am Mittwoch noch Glück mit dem Wetter, so wurden wir dann am Donnerstag von leichtem Regen geweckt, der sich jedoch glücklicherweise bis zum Mittag wieder verzogen hatte. So konnte man den Tag erst mal für eine anständige Orientierungsrunde auf dem Gelände nutzen. Zwar ist der Aufbau im Grunde immer ähnlich, doch gibt es jedes Jahr etwas neues zu entdecken. Außerdem ist es immer wieder aufs Neue beeindruckend zu sehen, wie riesig das ganze Gelände eigentlich ist. Der Biergarten ist zwar voll, jedoch trotzdem noch gemütlich und wenn man schon mal da ist, kann man sich auch gleich Edelweiss anschauen. Vorher hatten wir noch nie von der Truppe gehört und erfuhren aus diesem Grund auch erst dann, was wir zu hören bekommen sollten: ACDC Sound mit deutschen Texten! Und die Truppe war richtig klasse. Die Texte gingen eigentlich nur ums Saufen, um Frauen oder um Beides. So wurde aus „Sin City“ ganz schnell „Gin City“, aus „TNT“ wurde „THC“ und auch die „Rotwein Rosi“ durfte nicht fehlen. Mancher ACDC Fan könnte vielleicht von Gotteslästerung sprechen, für den Rest jedoch (und auch für uns ) war es einfach ein Riesenspaß und nebenbei auch musikalisch hervorragend umgesetzt. Bei „Bier, Brezeln, Rock‘n Roll“ sollte dann eigentlich ein 30L Fässchen Bier an das durstige Publikum verteilt werden. Nur ging die Zapferei, für die zwei Freiwillige aus dem Publikum ausgewählt wurden, so langsam voran, dass noch nicht einmal die Hälfte ausgeschenkt wurde. Also gab man noch das Versprechen mit dem Rest aus dem Fass über die Zeltplätze zu ziehen.

Anschließend war dann noch einmal kurz Ausruhen angesagt, denn wir wollten dann zu Bülent Ceylan wieder fit sein. Leider waren die Anstrengung vom Vortag noch nicht ganz verdaut, so dass wir leider nur die letzten 10 Minuten den lustigen Türken mit Mannheimer Akzent mitbekamen, bevor dann Frei.Wild auf das Publikum losgelassen wurden. 10 Jahre Bühnenjubiläum für die Deutschrocker aus Südtirol, was mit einem klasse Auftritt auf der Black Metal Stage gefeiert werden durfte, der sowohl Band als auch Publikum bestimmt noch lange im Gedächtnis bleiben wird. Songs wie „Arschtritt“, „Allein nach Vorne“ oder „Halt deine Schnauze“ heizten ordentlich ein, bis die Party – leider viel zu schnell – zu Ende ging. Für Traurigkeit war allerdings keine Zeit, denn nebenan auf der True Metal Stage sollten nun Helloween spielen. 1984 gegründet, sind sie mittlerweile Urgesteine des deutschen Power Metal, die mit „Eagle Fly Free“, „I‘m Alive“ und weiteren Hits aus ihrem Repertoire den Fans einheizten. Das Wetter spielte immer noch mit und die Stimmung hätte kaum besser sein können. Die Krone wurde dem Abend dann allerdings von Blind Guardian aufgesetzt, deren Auftritt man getrost als absolut göttlich bezeichnen durfte. „Nightfall“ und „The Bard‘s Song“ waren nur zwei der Titel, welche von Tausenden von Stimmen vor der Bühne mitgesungen wurden. Die Combo um Sänger und Bassist Hansi Kürsch war absolut in Topform und lies keine Wünsche offen. Zum Abschluss des Abends durfte dann Ozzy Osbourne mit seinen 62 Lenzen die Bühne betreten. Eigentlich hatten wir von ihm nicht allzu viel erwartet, denn sein Lebenswandel hat ihn ja recht deutlich gezeichnet, doch wurden wir von seinem Einsatz überrascht. Wenn auch körperlich bei weitem nicht mehr ganz auf der Höhe bot der Prince of Darkness eine insgesamt sehr anständige Show. „Bark at the Moon“, „Iron Man“ oder „Crazy Train“ sind Lieder die man kennt und Ozzy hatte sichtlich Spass daran, diese darzubieten und nebenbei seine Zuschauer mit Eimern voll Schaum oder Wasser abzukühlen. Gefallen hat es wohl vor allem den eingefleischten Fans. Der Rest der Zuschauer durfte immerhin von den anwesenden Bühnenmusikern recht angetan sein, die ihrem Chef auch schon mal durch mehr oder weniger improvisierte aber gute Soli, die ein oder andere kleine Pause verschafften. Doch immerhin: Ozzy ist noch immer am Leben und auf der Bühne immer noch fähig die Fans zu unterhalten. So endete der Donnerstag in Wacken dann im Biergarten, bei einem kalten Getränk, bevor wir uns wieder ins Zelt begaben, um Kraft für den nächsten Tag zu tanken.

Auch am Freitag wurden wir dann vom Regen geweckt, der sich jedoch auch an diesem Tag rechtzeitig verabschiedete. Das war auch gut so, denn wir wollten um 14:30 Uhr von Van Canto beglückt werden. „Rakkatakka Motherfucker“ heisst es dann wieder, wie so mancher inzwischen weiss. A Capella Heavy Metal vom aller feinsten. Und es war wieder einmal ein Fest. Neben Coversongs wie „Rebellion“ (Grave Digger ) und „Primo Victoria“ (Sabaton ) gab es natürlich auch wieder eigene Stück wie „How to sing a Metal Song“. Stimmgewaltig und in absoluter Topform, überzeugte die Truppe auch mit Sicherheit die Leute im Publikum, die skeptisch waren oder Van Canto tatsächlich noch nicht kannten. Nach Van Canto gab es für uns erst einmal eine größere Pause, die wir nutzten um noch ein leckeres Knoblauchbrot zu verspeisen und noch etwas gegen den Durst zu unternehmen – es war doch wieder recht warm geworden.

Judas Priest sollten uns dann später das Abendprogramm versüßen und wir wurden alles andere als enttäuscht. Die Licht- und Pyroeffekte, die stimmliche und persönliche Präsens von Sänger Rob Halford, sowie das Schmettern von älteren und nicht ganz so alten Hits wie „Braking the Law“, „Turbo Lover“ oder „Painkiller“ brachten das Publikum zum toben. Bei der dargebotenen Performance und Stimmgewalt fragt sich mancher Fan, warum denn dies die letzte Tour der Schwermetaller aus Birmingham sein soll, denn offensichtlich waren sie ja mehr als fit. Egal, wir waren und sind noch immer dankbar für diesen großartigen Auftritt. Normalerweise hätten Cradle of Filth im Anschluss die Bühne stürmen sollen, nur leider hatte sich Frontman Dani Filth bei einem Auftritt beim Selestat Festival in Frankreich verletzt, sodass man die Show in Wacken leider absagen musste. Als Ersatz konnten die Veranstalter jedoch Triptykon gewinnen, eine noch recht neue Truppe um Thomas Gabriel Fischer (bekannt durch Celtic Frost ), deren Stil sich irgendwo zwischen Black- und Death Metal einordnen lässt. Für einige Zuschauer bestimmt interessant, traf Triptykon leider nicht unseren Musikgeschmack, sodass wir beschlossen noch ein wenig Zeit im Biergarten zu verbringen. Im Anschluss gaben sich dann zuerst Airbourne und danach Apocalyptica die Ehre, von denen ich jedoch leider recht wenig mitbekam. So kanns gehen, wenn man mit Schweden, Engländern und Deutschen am Tisch sitzt und sich vollkommen verquatscht...

Unser Samstag begann wieder einmal auf der Party Stage, denn Knorkator waren angesagt. Die Berliner wurden ihrem Ruf als vollkommen verrückte mehr als gerecht, denn neben den bizarren Bühnenoutfits und den scheinbar sinnfreien Texten gab es wieder Sprünge ins Publikum, eine Aufforderung zum „Huckepack- Pogo“ und dergleichen. Teile der Fans waren scheinbar gleichermaßen zu Scherzen aufgelegt, denn neben einer Gruppe Teletubbies traf man auch noch auf eine kleine Hummel und den Duff- Man (den meisten bekannt durch die Simpsons ). „Alter Mann“, „Böse“ und „Wir werden alle Sterben“ sorgten neben Angriffen auf die Lachmuskeln jedenfalls für absoluten Partyalarm. Mein persönliches Highlight begab sich dann um 20:00 Uhr auf die True Metal Stage. Avantasia, die von Tobias Sammet (Edguy ), als Solo- Projekt gegründete Symphonic Metal Truppe sollte nun ihr absolut letztes Konzert geben, für welches man hochkarätige Gastmusiker angeworben hatte. Neben Jorn Lande, Bob Catley und Kai Hansen durfte man sogar Michael Kiske auf der Bühne bewundern. Bei Songs wie „Dying for an Angel“ oder „Lost in Space“ kam man nicht umhin vor allem die Stimmgewalt der anwesenden Sänger zu bewundern. Bombastisch, episch, genialer Sound. Schade, dass diese Projekt nun beendet ist. Ein absolutes Muss bei einem Besuch in Wacken stellt die Show von Motörhead dar, die mittlerweile dort zum Inventar gehören. Laut, dreckig, purer Rock‘n Roll – so könnte man versuchen die Truppe um Ian „Lemmy“ Kilmister zu beschreiben. Nach Unmengen Whiskey mit Cola ist zwar der Gang des Sängers und Bassisten der Band ein wenig steif, doch spielt er seinen Bass, wie es kaum ein anderer tut und die Stimme ist eh unverkennbar. Wie immer ein riesiges Ereignis. Den Auftritt der Children of Bodom verfolgten wir dann über die Leinwand im Pressezelt. Der Grund dafür war das nun doch leider mehr als schlechte Wetter. Wolkenbruchartiger Regen brach über Norddeutschland herein und verwandelte die Äcker beinahe in Moore. Für den Auftritt von Subway to Sally jedoch machten wir uns dann doch auf den Weg Richtung Bühne – ungeachtet des Wetters – und wurden mit einer grandiosen Performance dafür belohnt. Neben Krachern wie „Veitstanz“ oder „Kleid aus Rosen“ bekamen wir die Premiere des Songs „Das Schwarze Meer“ aus dem bald erscheinenden Album „Schwarz in Schwarz“ zu hören. Tolle Live- Performance, klasse Pyroelemente und eine Bombenstimmung sorgten für einen mehr als würdigen musikalischen Abschluss für das Wacken Open Air 2011.

Sonntag Früh regnete es leider noch immer in Strömen. Die Nacht war alles andere als erholsam, denn durcheinander rufende Zeltnachbarn, ständig startende Motoren und der prasselnde Regen an der Zeltplane ließen einen nicht zur Ruhe kommen. Eine kurze Regenpause nutzten wir dann um alles zusammen zu packen und uns auf die Rückreise zu begeben.

Wieder einmal mussten wir uns von Wacken verabschieden. Aber wir alle wissen ja – Nach Wacken ist vor Wacken. Und 2012 sind wir auf jeden Fall wieder dabei, wenn sich unter anderem die Scorpions, Amon Amarth und Hammerfall die Ehre geben wollen.

Zu guter letzt möchte ich an die Organisatoren, die unzähligen Security Mitarbeiter und Sanitäter einen riesigen Dank aussprechen. Dank Euch können wir Jahr für Jahr ausgelassen, ungestört und friedlich dieses Fest feiern. Ohne Euch wäre das alles nicht möglich.

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