Von Montabaur in Rheinland-Pfalz ist eigentlich nur bekannt, dass es dort einen ICE Bahnhof gibt, warum eine 12.500 Einwohner Stadt ein solches Privileg besitzt ist mir bis heute schleierhaft. Dass es wirklich gute Gründe gibt mal dort hin zu fahren hatte ich eigentlich nicht erwartet, doch als ich vom Mach1-Festival auf dem Segelflugplatz in Montabaur erfuhr war klar, dass es ein Pflichttermin in meinem Terminkalender sein würde.

 


Bilder des Festivals findet ihr hier bei uns.

 

Also gesagt getan und am Donnerstag den 23.06.2011 machten wir uns auf den Weg und von der Autobahnausfahrt war das Festivalgelände auch sehr schnell gefunden. Das es anstatt der erwarteten „Mach1“ Schilder nur „M1“ Schilder gab verwunderte uns, doch die Erklärung folgte schnell, denn ein Club aus Nürnberg klagte gegen die Veranstalter wegen Verletzung seiner Namensrechte. Das man sich etwas sichern kann, was physikalisch nichts anderes ist als die Schallgeschwindigkeit, ist schon eine Frechheit, aber sei’s drum. Wenn der Nürnberger Club ernsthaft befürchten muss, dass die gesamte Kundschaft aus Versehen nicht in den Club kommt sondern hier in Montabaur landet sagt das auch schon einiges aus.
Auf jedem Pass, jedem Banner und auch sonst überall musste das „ach“ durchgestrichen oder überklebt werden, albern aber wahr. Das Festival wird ab 2012 einen anderen Namen tragen und so wird euch hier die Möglichkeit gegeben Freikarten zu gewinnen, wenn ihr einen guten Namensvorschlag habt.

Das Festival fand zweitägig statt, wobei am Vortag schon DISCORE eine Art Warm-Up-Party spielten. Das Festivalgelände hatte drei Bühnen und war vom Campingplatz durch den riesigen Parkplatz getrennt, sodass man schon von „zur Bühne pilgern“ sprechen konnte. Aber ein richtiger Fan musste diese Reise eh nur zweimal am Tag auf sich nehmen, sodass das zu verschmerzen war. Die Preise für Speis und Trank waren für ein Festival auch in Ordnung, sodass es kaum Gründe gab während der Konzerte den Campingplatz aufzusuchen (Regen ist kein Grund, Weichei!).





THE GRANDTRY
The Grandtry aus Montabaur eröffneten das Mach1-Festival in ihrer Heimat mit Emopunk-Klängen, nachdem ihre Fans, die zwar nur die erste Reihe füllten, einige Zeit auf sie warten mussten. Das Wetter war, festivaltypisch, zwar nicht besonders gut, aber das schien die Besucher, die bereits dort waren nicht zu stören und obwohl das Gelände noch nicht von Massen erfüllt war, wurde schnell deutlich, dass das Publikum, wie auch die Band ihren Spaß hatten.
Man hätte es den Jungs wirklich gegönnt, wenn sie mehr Publikum gehabt hätten, denn sie waren ein wirklich würdiger Opener.


7 EYED OWL
Nachdem THE GRANDTRY das Mach1-Festival mit harten Gitarrenriffs und ohrwurmverdächtigen Melodien eröffnet hatten, begannen 7 EYED OWL mit ihrem Auftritt als zweite Band des Tages. Was einem als erstes auffiel, war die Tatsache, dass sie, verglichen mit dem restlichen Line-Up, erstmal musikalisch aus dem Rahmen fielen. Stilistisch kann man ihre Musik als eine Art Blues-Rock beschreiben, der bei den Festivalbesuchern offensichtlich nicht besonders gut ankam, denn es konnte sich niemand dazu aufraffen, nach den Songs zu klatschen. Dies könnte daran gelegen haben, dass die Band, ebenso wie das Publikum, sehr gelangweilt aussah. Die meisten Anwesenden schienen eh auf ADEPT zu warten.


ADEPT
Beim Auftritt von ADEPT begannen die Menschen, die inzwischen in weit größerer Anzahl vertreten waren, von Anfang an zu kochen. Da Gelände war direkt ordentlich gefüllt und die Stimmung im Publikum war durchweg gut. Bei den Songs haben die Fans fleißig mitgegröhlt und man merkte, dass nicht nur die Leute im Pit ihren Spaß hatten, sondern auch die Band selbst.
ADEPT ließen es sich nicht nehmen, zwischen den Songs mit ihren Fans zu reden und verteilten außerdem Wodka und Bier an ebenjenes. Beim Anspielen von "This could be home" startete zugleich ein Circle Pit. Insgesamt gab es sehr viel Bewegung auf und vor der Bühne, unter Anderem zu Songs wie "Ivory Tower".


BLACK OUT ARGUMENT
Bei der Band BLACK OUT ARGUMENT gab es von Anfang an viel Bewegung auf der Bühne, was aber leider, am Anfang, im Publikum nicht der Fall war. Dies änderte sich jedoch, denn durch die Motivationsarbeit des Sängers klatschten die Leute mit und gingen später zu einer Wall of Death über, als der Gastsänger Casper auf der Bühne erschien. Musikalisch wussten BLACK OUT ARGUMENT mit einer Mischung aus cleanen und Shout-Vocals zu überzeugen und gegen Ende ihrer Show konnte sich das Publikum nicht mehr halten und die Bewegungsfreude war ihnen einfach nur noch anzusehen. Alles in Allem eine Band, die live Spaß macht und für Abwechslung sorgt (unter Anderem auch durch Casper, ihren Gastsänger, der eher in den Gefielden des Hip Hops unterwegs ist, aber gut ins Konzept passte).


AFTER THE BURIAL
Bei der nachfolgenden Band AFTER THE BURIAL ging es bunt zu, denn was einem sofort ins Äuge fiel, waren die neongrünen und -orangen Gitarren. Neben dem Synchron-Headbanging zwischen Band und Publikum sorgte auf ein Wasserball für einige Bewegung während der Show.
Der Sänger wusste das Publikum zu animieren und das Festivalgelände bestand nachher aus einem Meer von "Pommesgabeln". Am Ende des Auftritts hat es sich niemand nehmen lassen, zusammen mit AFTER THE BURIAL zu bouncen. Das Rad haben sie zwar nicht neu erfunden, dennoch sind sie eine sehens- und hörenswerte Band, die Spaß macht.


BLEED FROM WITHIN
Nach kurzer Wartezeit ertönte ein gescreamtes "Germany!" und BLEED FROM WITHIN aus Schottland begannen ihre Show mit schönem Deathcore. Die Gitarrenriffs der Schotten gingen direkt ins Ohr, was auch dem headbangenden Publikum so zu gehen schien. Die coole Schreistimme des Sängers und die musikalische Untermalung der restlichen Band zwangen die Festivalbesucher förmlich zur Bewegung. Es war eine richtig sehenswerte Show, zumal der Sänger oftmals auf einer Kiste lag und auch das Gerüst hochgeklettert ist.
Während eines Circle-Pits gab es dann noch eine Propeller-Aktion vom Gitarristen und Bassisten und gegen Ende des Auftritts war die gesamte Menge am mitklatschen.
Wer die Möglichkeit hat, sollte sich BLEED FROM WITHIN unbedingt einmal live geben.


TERROR
Bei Terror hüpften die Festivalbesucher von Anfang an fleißig an mit und die Stimmung war sehr ausgelassen, wobei manche diese Musik wohl eher als Krach abtun würden. Die Songs waren eher monoton, was die Fans wohl nicht besonders störte. Aber Geschmäcker sind ja verschieden.


DEEZ NUTS
Mit einer genialen Mischung aus Hip Hop und Metal gab es festivalmäßige Geburtstagglückwünsche, denn der Sänger von DEEZ NUTS hatte an diesem Tag Geburtstag, was ihn jedoch nicht davon abhielt, zusammen mit seiner Band, eine super Show abzuliefern. Die Band hatte Spaß, die Fans hatten Spaß und ein Ständchen für den Sänger gab's noch dazu. Was will man denn mehr?
Selbst wer nicht auf Rap steht kam hier auf seine Kosten, denn die Musik ist sehr abwechslungsreich und alles Andere als langweilig.
Das sah man gut an dem bewegungsfreudigen Publikum. So macht Live definitiv Spaß!


SUICIDE SILENCE
Mit SUICIDE SILENCE trat eine weitere freudig erwartete Band auf, welche die Menge zum kochen brachte. Die "Pommesgabeln" waren von Anfang an am Start und die Leute auf und vor der Bühne hatten durchweg ihren Spaß.
Der Sänger, der übrigens über eine dämonengleiche Kreischstimme verfügt, forderte die Festivalbesucher dazu auf, ihre Mittelfinger zu erheben. Dieser Aufforderung kamen natürlich alle nach und anschließend gab's noch einen fetten Circle Pit, in dem wohl alle, die noch überschüssige Energie hatten, eben jene loswerden konnten.
Die Band spielte selbstverständlich einige Songs vom neuen Album, bei denen die Fans eifrig mitklatschten.
Unter Anderem war "Bludgeoned to Death" im Set enthalten und durch Sprüche wie "If you smoke weed, smoke the fuck now!" heizte der Sänger die Menge weiter an.

Setlist SUICIDE SILENCE
Intro
Wake Up
Unanswered
Yolo
Smoke
Lifted
Bludgeoned
Fuck Everything
Disengage
NTTB
No Pity


EMIL BULLS
Langsam hielt die Dunkelheit beim Mach1-Festival Einzug und die EMIL BULLS betraten an diesem Abend die Bühne.
Auch wenn die Menge sich an diesem ersten Tag schon sehr verausgabt hatte, tat das der Stimmung absolut keinen Abbruch und die Besucher schienen nach wie vor noch sehr energiegeladen zu sein - es gab ja auch noch zwei mehr als geniale Bands abzufeiern (und einen aufblasbaren Wal, den wir zu späterer Stunde auf dem Camp Ground wiedergesehen haben).
Eröffnet wurde die Show mit dem Opener vom Phoenix-Album "Here Comes the Fire".
Von Anfang an begannen die Fans, bei dem handgemachten Alternative-Metal aus München, zu klatschen und nicht selten kam dann auch mal ein Crowdsurfer vorbei.
Lässig schwang Sänger Christoph von Freydorf sein Mikrofon zwischen dem typischen Wechsel aus harten Metalriffs und eher ruhigen Passagen der Songs.
Bei Songs wie "Nothing in this World" sang das Publikum dann ohne ihn - sinnvoll, sie hätten ihn vermutlich eh übertönt bei der Mitgröhlhymne schlechthin.
Herr von Freydorf hatte in seiner Trickkiste noch ein zweites Mikrofon, welches seine Stimme verzerrte, was die Show noch mal abwechslungsreich gestaltete. Zwischendurch griff er auch mal zur Gitarre und beim letzten Song gab's eine schöne Wall of Death.

Setlist EMIL BULLS
Here Comes The Fire
Most Evil Spell
Wolfsstunde / Ad Infinitum
Architects
Nothingness
Time
Leaving You
All In Tune
Nothing In This World
When God Was Sleeping
Worlds Apart


BLACK LABEL SOCIETY
Den Abschluss des ersten Festivaltages machten BLACK LABEL SOCIETY und gaben den Festivalbesuchern schönen Heavy Metal auf die Ohren. Ein sehr würdiger Headliner.
Zakk Wylde betrat als Indianerhäuptling verkleidet die Bühne, begleitet von seiner Band und man merkte dem Publikum die durchweg gute Stimmung förmlich an, als die Show mit "Crazy Horse" eröffnet wurde.
Der Fotograben war zu diesem Zeitpunkt total überfüllt, was wohl daran lag, dass sich dort nicht nur Fotografen rumtrieben, sondern auch andere Bandleute und Menschen mit Notizblöcken, die nach einiger Zeit von der Security hinausgebeten wurden.
Die Band wurde weiter abgefeiert und nach "Fire it Up" war noch lange nicht Schluss und mit lange meine ich lange, denn es folgte ein langes Gitarrensolo vom Herrn Wylde, das nicht zu enden schien.
Der Mann kann Gitarre spielen und er kann es auch lange (Das Wort verwende ich im Zusammenhang mit dieser Band viel zu oft, ich weiß). Nach einigen Minuten hatten die Leute auch keinen Nerv mehr dazu, mitzuklatschen und bei einem Solo mit einer Länge von gefühlten 20 Minuten muss man sich fragen, ob das Geld knapp wurde, die restliche Band für die gesamte Show zu bezahlen. Das war definitiv übertrieben lang.
Ansonsten war es eine super Show, die Spaß gemacht hat und man konnte sich auf den zweiten Tag freuen, nachdem die Band ihr Set mit "Stillborn" beendete.

Setlist BLACK LABEL SOCIETY
Crazy Horse
Funeral Bell
Bleed for Me
Demise of Sanity
Overlord
Parade of the Dead
Born to Lose
Fire it Up
Guitar Solo
Godspeed Hell Bound
The Blessed Hellride
Suicide Messiah
Concrete Jungle
Stillborn









Der Samstag startete deutlich regnerischer als erhofft, sodass auf dem Zeltplatz wenig Trubel war, denn die meisten zogen es vor gemütlich unter ihren Pavillons zu sitzen oder gar in ihren Schlafsäcken liegen zu bleiben. Der Zeltplatz – und wie sich später auch herausstellte der Platz vor den Bühnen – wurde immer matschiger und das Mach1-Festival verwandelte sich langsam in das Matsch1 Festival. Aber man wäre ja kein wahrer Festivalfan, wenn man sich von ein wenig Wasser und Matsch davon abhalten lassen würde zur Bühne zu pilgern (denn „mal rüber gehen“ war bei der Distanz nicht drin).


MYRA
Glücklicherweise sahen dies einige Fans so ähnlich wie ich, was sicherlich auch MYRA, die erste Band des Tages freute, die sich sichtlich Mühe gab das kleine Publikum bei Laune zu halten. Vor lauter Freude nahmen sie sich die fünf Jungs aus Leipzig gleich extra Zeit und ließen ihre Fans noch zehn Minuten länger als nötig sprichwörtlich im Regen stehen. Als zum vielversprechenden Intro die ersten Schreie aus dem Publikum ertönen ist klar, dass die Festivalbesucher endlich was auf die Ohren bekommen wollen und da lassen sich MYRA natürlich nicht zweimal bitten. Mit ihrer melodischen Mischung aus Thrash Metal und Metalcore lädt die Musik förmlich zum Headbangen ein, was trotz der frühen Stunde den ein oder anderen Anhänger findet. Auch Aufrufe seitens der Band zum Cirlce Pit oder zur Wall Of Death werden vom Publikum befolgt, wobei das Resultat verglichen mit dem was am heutigen Tage noch auf uns zu kommen wird, als klein zu bezeichnen ist. Trotz Verspätung durften MYRA zur Freude der Fans ihr komplettes Set durchspielen, sodass der gute Einstieg in den verregneten Festivaltag geglückt ist.


HORDAK
Direkt im Anschluss ging es nebenan auf der EMP Stage mit HORDAK weiter, die mit einem elektronisch anmutenden Intro versuchten die Besucher vor die Bühne zu holen, was ihnen aber nur teilweise gelang. Die Koblenzer spielen abwechslungsreichen Hardcore und Sänger Chuong Trinh wechselt geschickt zwischen harten Growls und cleanem Gesang. Weiterhin im Gedächtnis bleiben wird Chuongs Ausspruch „Macht mir den Motorradfahrer“, bei dem er das Publikum aufforderte sich breitbeinig mit den Armen nach vorne (an den „Lenker“) in Harley-Davidson-Fahrer Manier hinzustellen. Wie ihm diese Idee kam werden wir wohl nie erfahren.


NOT AVAILABLE
Deutlich softer kommen direkt im Anschluss die Pop-Punker von NOT AVAILABLE daher, die eine angenehme Abwechslung zum sonst eher growllastigen Festivalprogramm darstellen. Der Fünfer aus Eislingen bei Stuttgart erinnert ein wenig an eine Mischung aus Blink182 mit Metalelementen. Diese Mischung kommt bei dem Publikum sehr gut an und so wird vor der Bühne ordentlich gefeiert. Die gelungene Show findet mit „Gimme Hope Jo'anna“, einem Cover von EDDY Grant, seinen Abschluss.


NEVER FACE DEFEAT
Auf der EMP Stage folgt auf HORDAK mit NEVER FACE DEFEAT direkt eine weitere Band aus dem Raum Koblenz, die mit ihrem Thrash-Metal gegen den Regen anzuspielen versucht. Auch ihnen gelingt es Festivalbesucher vor der Bühne zu halten. So dürfte es diese Fans gefreut haben, dass Sänger Patrick in den Bühnengraben herab sprang um ihnen noch näher zu sein. Mit „Side By Side“ beendeten sie ihr halbstündiges Set.


WAR FROM A HARLOTS MOUTH
Wer WAR FROM A HARLOTS MOUTH schon mal auf der Bühne erlebt hat, kann sich gut vorstellen, wie energiegeladen auch die Show auf dem diesjährigen Mach1 Festival war. Während eines gesprochen Intros versammelte sich nach und nach die ganze Truppe und das Spiel der Abrissbirne namens WAR FROM A HARLOTS MOUTH nahm seinen Lauf. Sänger Nico kletterte auch über den Wellenbrecher um zu Crowdsurfen und das Moshpit noch weiter anzufeuern, was ihm selbstredend gelang. Außerdem zeigte er sich modebewusst und probierte gleich drei Sonnebrillen der Fans gleichzeitig an. Ob sich der Trend zur Drittsonnenbrille bei grauem Himmel für den Festivalsommer 2011 durchsetzen wird bleibt fraglich und soll hier auch nicht das Thema sein. Musikalisch gesehen zerlegte die Berliner Mathcore Truppe wie erwartet Bühne und Publikum und konnten wieder einmal unter Beweis stellen, dass sie eine großartige Liveband sind und wissen wie man selbst bei eher bescheidenem Wetter die Fans zum kochen bringt. Was Action auf der Bühne und Stimmung im Publikum im Publikum angeht brauchen sich WAR FROM A HARLOTS MOUTH von niemandem etwas vormachen zu lassen, denn von den Jungs können sich einige große Bands durchaus mal die ein oder andere Scheibe von abschneiden.


CAPTAIN PLANET
Was als nächstes auf der KIAPOWER.DE-Stage  beginnt hätte im Vergleich mit WAR FROM A HARLOTS kaum unterschiedlicher sein können. Obwohl die Musik von CAPTAIN PLANET durchaus Spaß macht haben die sympathischen Jungs aus Hamburg es sichtlich schwer an Boden zu gewinnen. Die meisten Festivalbesucher müssen sich nach der letzten Show erstmal ausruhen oder warten schon sehnsüchtig auf die im Anschluss spielenden CALLEJON. Das ist schade aber im Vergleich zu dem restlichen Line-Up sind sie nun mal relativ soft. Dieser Tatsache waren sich die Jungs natürlich bewusst, so konnte der Sänger mit einigen Sprüchen, wie „Wir sind gerne der Soundtrack zum Kaffee trinken“ oder „Wir spielen etwas für’s Herz“ zumindest ein Grinsen in die Gesicher der anwesenden zaubern. Um ein wenig zum Rest zu passen hatte der Gitarrist sein – wie er sagt – einziges Hardcoreshirt angezogen. Leider findet der Auftritt sehr wenig Aufmerksamkeit, obwohl auf einem weniger (beliebiges Subgenre einsetzen)-core orientierten Festival sicherlich deutlich mehr drin gewesen wäre.

Setlist Captain Planet:
Hans Dampf
So Much Water
Ohne Worte
Parkhaus
Tot In Der Heide
Rambo
Nationalpark
Spreu Vom Weizen
Vom Fass ...
Blattsport
120 Sachen
Baumhaus
Das Wort


CALLEJON
CALLEJON war neben den Headlinern sicher eine der am meisten erwarteten Bands und das zeichnete sich schon ab, als deutlich mehr Menschen auf die Rheinländer warteten, als bei CAPTAIN PLANET vor der Bühne standen. Nach dem Intro zündeten sie mit „Dieses Lied macht betroffen“ direkt einen der größten Knaller von ihrer aktuellen Scheibe „Videodrom“ und das Publikum ging direkt wie erwartet mit. Um die Securitys am Bühnengraben nicht arbeitslos werden zu lassen zündeten sie im Anschluss mit „Lass mich gehen“ direkt eine weitere Granate. Das Publikum zeigte sich zudem äußerst textsicher und bewegungsfreudig, was in einigen Mosh- und Circlepits seinen Höhepunkt fand. Sänger Basti zog wie immer mit seiner außergewöhnlichen Gestik und Mimik die Blicke auf sich. Abgesehen von einer kleinen technischen Panne am Bass lief der Auftritt reibungslos ab, sodass die Fans bei Songs wie „Kinder der Nacht“, „Mein Stein“ oder „Sommer, Liebe, Kokain“ zeigen können was in ihnen steckt. Schnell wurde klar, dass die aktuellste Veröffentlichung die Setlist dominierte, doch die Jungs von CALLEJON machten mit dieser Entscheidung alles richtig und so durfte natürlich „Videodrom“ und das entsprechende Intro nicht fehlen. Als vorletzten Song musste wie auch auf der Tour der DIE ÄRZTE Klassiker „Schrei nach Liebe“ herhalten, der mir zugegebenermaßen im Original besser gefällt. Trotzdem war der Auftritt von CALLEJON sicherlich eines der vielen Highlights des Mach1 Festivals 2011.


HIS STATUE FALLS
Der Support von CALLEJONS „Diese Tour macht betroffen“-Frühjahrstour hatte passenderweise direkt im Anschluss den Slot auf der kleineren Nebenbühne belegt, sodass sicher einige Fans ohne Pause weiter feiern konnten. Dies hatte auch Sänger Ale erkannt, doch die Ausrede, dass alle Müde von CALLEJON seien ließ er nicht gelten. Die Mischung der Saarländer mit eingängigem cleanen Gesang, Growls und Technopassagen kam beim Publikum gut an, sodass sich die Werbung für’s kommende Album sicherlich gelohnt hat. Während die Menge wie wild crowdsurfte machte sich Alex vom Wellenbrecher aus einen genaueren Eindruck über das Treiben in den Moshpits und war so den Fans in der ersten Reihe zum Greifen nah. Nebenbei wurde für eine DVD gefilmt, sodass es bald vielleicht einige bewegte Bilder des energiegeladenen Auftritts in Montabaur zu kaufen geben wird. Aus diesem Grund gaben sich sowohl Band, als auch Publikum, redlich Mühe einen möglichst guten Eindruck zu machen, was ihnen auch gelang.


SOILWORK
Im Anschluss eroberten die schwedischern Melodic-Death-Metaller von SOILWORK die Bühne und die Pommesgabeln im Publikum signalisierten von Anfang an, dass die Mannen um Sänger Björn „Speed“ Strid, das Publikum auf ihrer Seite hatten. Mit Titeln wie „Nerve“ ist hier einfach Partystimmung garantiert, wobei durchaus noch Luft nach oben gewesen wäre. Trotzdem war der Band, insbesondere Gitarrist Peter Wichers, anzusehen, dass sie Spaß an der Sache hatten und dem Publikum gerne einheizen. Leider konnten wir den SOILWORK Auftritt nicht bis zum Ende verfolgen, denn die Jungs von ESKIMO CALLBOY zogen unsere Aufmerksamkeit auf sich



ESKIMO CALLBOY
Schon vor dem Auftritt war vor der kleinsten Bühne, dem Monster Energy Zelt, wahnsinnig viel los und als das SCOOTER Intro ertönte wurde die Menschentraube vor der kleinen Bühne noch deutlich größer. Mit „Hey Mrs. Dramaqueen„ legen die Jungs dann richtig los und die Partystimmung explodiert. Diese Energie konnte über den ganzen Auftritt nicht nur gehalten, sondern glatt getoppt werden. Als gegen Ende des Auftritts das KATY PERRY Cover „Califurnia Gurls“ ertönt stürmen Fand die Bühne, welche im Anschluss von Band und Fans beinahe zerlegt wird. Die Show war äußerst beeindruckend und energiegeladen und hätte sicherlich auf eine der größeren Bühnen gehört. Denn für die Mosh Pits und Wall Of Deaths, die die Callboys zauberten war der Platz einfach viel zu begrenzt.


U.S. BOMBS
Ganz im Gegensatz zu den gleichzeitig spielenden ESKIMO CALLBOY lief der Auftritt der kalifornischen Rocker von U.S. BOMBS ab. Der Auftritt fand mit einem (im Vergleich zu den anderen Bands auf dieser Bühne) lächerlich kleinem Publikum statt, da insbesondere die Jüngeren gerade  damit beschäftigt waren das Monster Energy Zelt zu zerlegen. Die Band konnte einem schon Leid tun, denn die Show war keineswegs schlecht und das anwesende Publikum hatte mit Sicherheit auch seinen Spaß. Ein wenig ironisch kam der Songtitel „I don’t need you“ in dieser Situation rüber, doch auch die Band hätte sich sicherlich über etwas mehr Publikum gefreut.


SEPULTURA
Weiter ging es mit den alten Hasen von SEPULTURA, die komplett in Nebel gehüllt die Bühne betraten. Die Brasilianer wissen bekanntlich wie man das Publikum für sich gewinnt und so verwundert es nicht, dass die Stimmung vom Anfang bis zum Ende sehr ausgelassen war, wobei natürlich „Roots Bloody Roots“ mit Abstand am meisten abgefeiert wurde, da dies wohl auch der einzige Song ist, den wirklich jeder auf dem Gelände kannte. Die Stimmung hätte man sicherlich noch weiter steigern können, wenn man mehr mit dem Publikum interagiert hätte und nicht nur sein eigenes Ding auf der Bühne durchgezogen hätte. Trotzdem war es ein sehr gelungener Auftritt auf dem Mach1 Festival.


P.O. BOX
Währenddessen warten vor dem Monster Energy Zelt einige Fans auf die stark verspäteten Ska-Punker von P.O.Box, die die Meinung vertraten, dass der Vokuhila „the best thing from Germany in the last 20 years“ sei, wobei sich über Geschmack freilich streiten lässt. Musikalisch gab es da dann deutlich weniger zu meckern, denn die Pogo- und Tanzstimmung des Publikums ließ gar keine Kritik aufkommen, denn wenn jedermann Spaß hat ist das Zeil in jedem Fall erfüllt.


THE BLACK DAHLIA MURDER
Als vorletzte Band des Abends betreten THE BLACK DAHLIA MURDER aus Detroit, Michigan die Bühne. Wild gestikulierend und oben ohne keift Sänger Trevor Strnad in sein Mikrofon um die eh schon wilde Menge noch weiter anzufeuern, die Circle Pits kreisen und wohl kaum jemand im Publikum ist in der Lage still stehen zu bleiben, sodass gegen Ende des Auftritts die „Zugabe“-Rufe wenig erstaunen, jedoch aufgrund des Zeitplans natürlich, wie auf Festivals üblich, kein Gehör finden können.


HEAVEN SHALL BURN
Als Abschluss des bis dahin großartigen Festivals konnte niemand geringeres als die Thüringer von HEAVEN SHALL BURN gewonnen werden. Schon vor dem Gig war die gespannte Erwartungshaltung der Fans deutlich zu spüren und als die ersten Klänge vom „The Weapon They Fear“ durch die Boxen dröhnten gab es auf dem Segelflugplatz in Montabaur kein Halten mehr. Die gute Mischung von alten Klassikern und Stücken des neusten Albums, wurde vom Publikum sehr gut aufgenommen und in pure Energie in die Moshpits umgesetzt. Ein Circle-Pit um den Soundturm? So etwas mag es bei anderen Bands geben, aber nicht bei HEAVEN SHALL BURN. Wenn da zwei Türme stehen werden beide genommen, halbe Sachen werden hier nicht gemacht. Wenn die Abrissbirne HSB einmal zuschlägt, dann auch richtig. Obwohl das Publikum schon vollends durchdreht stachelt Frontmann Marcus Bischoff die tobende Menge immer weiter an, wobei er wie kein anderer darauf achtete, das niemand zu Schaden kam, denn der Boden hatte sich im Laufe des Tages in ein einziges rutschiges Schlammbad verwandelt. Auf der Bühne funktionierte die „nicht verletzen“ Devise nicht so ganz, denn Bassist Eric Bischoff zog sich beim Headbangen eine Platzwunde zu, sodass er für einige Songs aussetzen musste. Und wo wir gerade bei Ausfällen sind: Das ganze Konzert über war Drummer Matthias Voigt nicht dabei, welcher allerdings überzeugend vertreten wurde.
Das Publikum störte sich nicht daran und feierte weiter mit Wall Of Deaths, Circle-Pits, Moshpits, Headbangen, Crowdsurfen, Mitgröllen und was ihnen so einfiel, sodass den Securitys keinerlei Verschnaufpause gegönnt wurde. Den Abschluss eines wirklich grandiosen Auftritts machte das EDGE OF SANITY Cover „Black Tears“, wobei CO2 Kanonen tausende Papierschnipsel ins Publikum schossen (viel Spaß beim Aufräumen ;) ).

Setlist HEAVEN SHALL BURN
Intro
The Weapon They Fear
Behind A Wall Of Silence
The Omen
Combat
I Was I Am I Shall Be
Forlorn Skies
Voice Of The Voiceless
The Only Truth
The Lie You Bleed For
Profane Believers
Awoken
Endzeit
Counterweight
The Disease
Return To Sanity
Trespassing
Whatever It May Take
Black Tears (Edge Of Sanity Cover)






Abschließend betrachtet war das Mach1-Festival 2011 ein klasse Festival, was sich in keinerlei Hinsicht hinter den großen und etablierten Festivals in Deutschland verstecken muss. Mit 39€ (+ 8€ Camping) ein unschlagbar fairer Preis für ein unfassbar geiles Line-Up. Wettermäßig war es nicht optimal, aber das liegt leider nicht in der Macht der Bands und des Veranstalters, die alle ihre Hausaufgaben gemacht hatten. Das einzige wirkliche Manko ist der relativ lange Weg zwischen Festivalgelände und Campingplatz, aber Bewegung ist ja auch gar nicht so ungesund. Wir werden auf jeden Fall versuchen 2012 wieder dabei zu sein, egal wie es dann heißen wird.

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