Vor ihrem Gig im Kölner Underground hatte ich die Möglichkeit einen kleinen Plausch mit Sänger Spencer Sotelo von Periphery zu halten.

Markus (MetalViecher.de): Hallo und Willkommen in Deutschland. Erste Frage: Wie geht es dir?

Spencer Sotelo (Periphery): Hi, mir geht’s gut und dir?

Markus: Alles bestens. Könntest du dich und deine Band unseren Lesern vorstellen?

Spencer: Ich bin Spencer von Periphery und wir touren gerade ziemlich häufig in Europa.

Markus: Wie seid ihr auf den Bandnamen Periphery gekommen?

Spencer: Ich persönlich war noch nicht in der Band, als sie den Namen gefunden hatten, also kann ich dir keine exakte Antwort geben. Was ich dir sagen kann ist, dass die Jungs keinen Namen haben wollten, der nach einer typischen Metalband klingt. Es sollte etwas originelles sein.

Markus: Magst du uns einen kleinen Überblick über die Bandgeschichte geben?

Spencer: Misha (Misha Mansoor, Gitarre, Anm. d. Red.) startete die Band als eine Art Studioprojekt. Er nahm Ideen auf, die er zu Hause hatte, von da fing es dann an, dass er neue Bandmitglieder gewann und das ganze hat sich zu einer vollständigen Band mit Touren und all dem entwickelt.

Markus: Warum braucht ihr drei Gitarristen, dass ist im Vergleich zum Durchschnitt recht viel?

Spencer: Wir wollen die Parts, die auf dem Album sind auch live spielen können, jedoch brauchen wir immer noch Backingtracks. Wenn du dir andere Metalbands ansiehst, dann fehlen dort häufig Teile, die auf dem Album drauf sind. Mit drei Gitarristen versuchen wir alle Teile abzudecken.

Markus: Bitte beschreibe euren Sound ein wenig, auf was muss ich mich einstellen, wenn ich eure CD kaufe oder eine eurer Shows besuche?

Spencer: Hart, progressiv, ambient, zerschmetternd, um es mal ohne Umschweife auf den Punkt zu bringen.

Markus: Und welche Bands können am ehesten als Vergleich herhalten?

Spencer: Ich denke das sind auch die Bands, die uns beeinflussen: Meshuggah, Carnival, Textures und einige andere, die mir so ad hoc nicht einfallen.

Markus: Letztes Jahr, 2010, habt ihr euer erstes, selbst betiteltes Album veröffentlicht, was kannst du uns zum Entstehungsprozess erzählen?

Spencer: Viele Songs sind aus einem durchgehenden Entwicklungsprozess in den letzten fünf Jahren entstanden. Es ist also ein Querschnitt über das Schaffen Misha und ein paar anderen Mitgliedern aus den letzten fünf Jahren. Ich wurde erst circa einen Monat vor Release dazu geholt, sodass ich nur drei Wochen für das Lernen, Umschreiben und Aufnehmen der Songs hatte. Das war ziemlich stressig für mich und auch für die anderen, denn nach dem Sängerwechsel hatten sie entschlossen auch alle Instrumente noch einmal einzuspielen. Das Ganze war zu der Zeit also äußerst chaotisch.

Markus: Aber es hat ja geklappt.

Spencer: Ja das hat es, wir konnten die CD veröffentlichen und wir sind sehr stolz drauf.

Markus: Habt ihr einen Songwriter oder gibt jeder seine Ideen dazu?

Spencer: Bei diesem Album war es überwiegend Misha, allerdings hat auch Jake (Jake Bowen, Gitarre, Anm. d. Red.) bei ein paar Songs mitgewirkt. „Racecar“ zum Beispiel war eine Zusammenarbeit. In der Zukunft werden wir uns aber alle am Songwriting beteiligen.

Markus: Wie waren die Reaktionen von Presse und Fans auf euer Erstlingswerk?

Spencer: Die Reaktionen waren natürlich gemixt, aber im Großen und Ganzen waren die Reaktionen sehr positiv. Ich versuche viel davon zu Lesen und den Überblick zu behalten. Ich denke es wurde ganz gut angenommen.

Markus: Wie wichtig ist euch eine gute Review?

Spencer: Ich denke es ist sehr wichtig, denn das Lesen auch Leute, die absolut nichts von uns wissen und wenn sie positives Lesen hören sie vielleicht mal rein, wenn wir ungefähr in die Genres gehören die sie mögen. Daher lese ich online auch viele Reviews.

Markus: Kannst du uns zu jedem Song auf dem Album ein wenig Hintergrundinformationen geben, also um was es geht oder sonstige Besonderheiten?

Spencer: Ich kann dir nicht viel über das Aufnehmen der Instrumente erzählen. Früher habe ich Leuten auch gerne erzählt, von was ein Song handelt, aber das mache ich nun nicht mehr. Häufig kam es vor, dass die Reaktionen erstaunt waren, da sie das Lied ganz anders interpretiert haben. Ich möchte die Sichtweise anderer auf einen Song nicht verändern, da ich auch nicht möchte, dass meine Sichtweisen und Interpretationen umgestoßen werden. Die Hörer sollen sich selber ein Urteil bilden und herausfinden, was der Song speziell für sie bedeutet.

Markus: Was ist dein persönlicher Favorit auf dem Album?

Spencer: „Yetpacks Was Yes“, definitiv. Er hat einen sehr emotionalen Unterton, den viele anderen Songs auf dem Album nicht haben.

Markus: Welcher Song kommt am besten an, wenn ihr ihn auf der Bühne performt?

Spencer: Sicherlich „The Walk“, es ist der härteste Song.

Markus: Bisher habt ihr zwei Musikvideos, eines davon zu deinem Lieblingslied und eines zu „Icarus Lives“, was kannst du uns zum Dreh und zum Hintergrund erzählen?

Spencer: Das erste haben wir mit Killswitch Productions gedreht und das ging ziemlich schnell. Es war kurz vor Tourbeginn, als wir auf dem Weg nach Kanada waren. Wir sind gegen Acht Uhr morgens angekommen und haben bis vier oder fünf am Nachmittag gedreht. Es hat sehr viel Spaß gemacht und die Jungs waren wirklich cool, sie haben einen sehr guten Job gemacht. Die Idee war auch von ihnen. Anfangs fand ich sie noch merkwürdig, aber ich finde das Resultat wirklich klasse. Beim „Yetpacks Was Yes“ Video lief es ganz ähnlich, obwohl es diesmal mitten in einer Tour war. Ich habe ihnen erzählt über was ich den Song geschrieben habe und sie haben einen tollen Job gemacht meine Idee zum Leben zu bringen. Wir sind sehr glücklich mit den Resultaten.

Markus: Was habt ihr für die Zukunft geplant?

Spencer: Das nächste Musikvideo wird vermutlich zu einem Song des neuen Albums sein, welches Ende diesen, Anfang nächsten Jahres veröffentlicht wird.

Markus: Sind die Songs schon geschrieben?

Spencer: Einige von ihnen sind geschrieben, aber es gibt noch viel zu tun. Wir nehmen uns diesen Sommer ein bisschen frei, um sicherzustellen, dass wir genug Zeit für das Album haben.

Markus: Ich habe in einem anderen Interview gelesen, dass ihr für das erste Album mehr als 100 Songs zur Auswahl hattet, stimmt das, und warum hattet ihr derart viel Auswahl?

Spencer: Wie gesagt, Misha hat in den letzten fünf Jahren Songs geschrieben und einige mochte er und einige nicht. Auch hat er Ideen aus einzelnen Songs zu einem ganz neuen gemischt. Für das neue Album möchten wir aber wieder viel schreiben und nicht viel aus seinem Fundus an Songs wählen.

Markus: Gibt es irgendein Traumziel, dass du für deine Band hast? Ein großes Festival, eine Tour mit einer bestimmten anderen Band durch ein besonderes Land?

Spencer: Ich möchte einfach nur Songs spielen.

Markus: Wie viel Zeit kostet eine Band wie Periphery?

Spencer: Mittlerweile haben wir keine Zeit mehr für andere Jobs. Wir geben zwar Musikunterricht, aber für mehr reicht die Zeit nicht. Wir touren sechs oder sieben Monate im Jahr und die Zeit zu Hause möchten wir natürlich mit Familie und Freunden verbringen.

Markus: Gibt es irgendwelche lustigen Tourmomente, die du mit euren Fans teilen möchtest?

Spencer: Ich weiß nicht, ob das lustig ist, aber wir waren alle wirklich krank während dieser Tour und Jake hat sich einen Finger gebrochen. Das Universum ist wirklich gegen uns, auf dieser Tour, aber wir versuchen positiv zu bleiben und darüber zu lachen. Ich denke wir haben die Situation aber ganz gut gemeistert, immerhin sind wir am Ende der Tour und leben alle noch.

Markus: Noch seid ihr ja auch mit der Tour noch nicht durch, noch könnt ihr alle sterben...

Spencer: (lacht)

Markus: Was ist deine Meinung zum Thema Musikdownloads? Ist das Internet eher eine gute oder eine schlechte Technologie für Bands?

Spencer: Ich denke, dass ist ein zweischneidiges Schwert. Die Downloads sind viel schlimmer für die Industrie, die Plattenfirmen, als für die Bands selber. Für die Bands ist es nur kostenlose Werbung, denn viel Geld verdienen die mit den Umsätzen aus dem CD-Verkauf sowieso nicht. Für uns ist es also nicht schrecklich, aber für die Plattenfirma ist es das.

Markus: Also für dich ist die Situation so in Ordnung?

Spencer: Ja, kann man so sagen.

Markus: Wie bist du dazu gekommen Musiker zu werden?

Spencer. Ich spiele Gitarre, seit ich zwölf bin. Ich erinnere mich daran, dass mein Vater viel Gitarre gespielt hat und er mich eines Tages fragte, ob ich lernen wolle, wie das geht. Und wir gingen zum Musikladen und kauften mir meine erste eigene Gitarre. Das Singen habe ich immer direkt nebenher gemacht. Während ich Gitarre gespielt habe, habe ich versucht die Lieder mitzusingen.

Markus: Was hältst du von Guitar Hero, Rockband und dergleichen?

Spencer: Ich finde es fantastisch. Viele sagen es wäre schlecht, denn warum sollte jemand der am Fernseher Rockstar sein kann ein wirkliches Instrument lernen? Aber ich denke, die Leute kommen der Musik so näher und interessieren sich mehr für Musik und Instrumente.

Markus: Vielen Dank für das Interview, hast du noch einige letzte Wort für die Leser dieses Interviews?

Spencer: Keep on rocking! 2011 wird ein großartiges Jahr für Periphery.