Am 24.11.2010 hatte ich vor dem Konzert mit DevilDriver in der Essigfabrik Köln die Gelegenheit mit Steve Holt, dem Gitarristen der 36 Crazyfists, zu plaudern.

Markus (MetalViecher.de): Hi, ich bin Markus von MetalViecher. Willkommen in Deutschland, wie geht’s?

Steve Holt (36 Crazyfists): Hi, wir sind grade mitten in der Tour von daher geht es mir gut.

Markus: Wie läuft die Tour?

Steve: Super, wir waren mit DevilDriver schon öfters auf Tour und kennen die Jungs sehr gut. Es ist zwar kalt und nass überall aber davon abgesehen ist es prima.

Markus: Stellst du dich und deine Band einmal kurz vor?

Steve: Natürlich, ich bin Steve, der Gitarrist der 36 Crazyfists.

Markus: Am Montag hat einer von euch Jungs bei Facebook gepostet, dass sein Lieblingsland Deutschland ist. Ich weiß nicht, ob du das warst, aber habt ihr ein besonderes Verhältnis zu Deutschland?

Steve: Ja, absolut, es war immer ein gutes Land für uns. Wir haben hier schon viel getourt und mögen dieses Land wirklich. Ich glaube wir waren 2002 das erste Mal hier und es wird von Mal zu Mal besser. Deutschland gehört sicherlich zu unseren Favoriten, neben England und Australien.

Markus: Hier habt vor kurzem euer neues Album „Collisions And Castaways“ veröffentlicht, was kannst du unseren Lesern darüber erzählen?

Steve: Ja, es kam raus im… hmm, ja, ich weiß nicht genau wann es rauskam... Thomas und ich haben dafür viel zusammen gesessen und es ist die logische Weiterentwicklung dessen was wir bisher veröffentlicht haben. Es ist mein Lieblingsalbum von uns, aber das sage ich bei jeder neuen Platte, man hofft ja immer sich von Album zu Album zu verbessern (lacht). Es ist ein gradliniges Rockalbum mit viel Metaleinflüssen. Es hat von allem etwas. Wir haben sieben Monate gebraucht, um das Material dafür zu schreiben und die Songs aufzunehmen. Ich habe das Album diesmal selber produziert. Ich mag es.

Markus: Wo siehst du die Unterschiede und Weiterentwicklungen zu den Vorgängeralben?

Steve: Wir haben wie immer uns einfach hingesetzt und gesagt „wir schreiben jetzt 'ne Rock-CD“ mit mehr von diesem und weniger von jenem und letztendlich ist es wieder eine Metal-CD geworden und wir fanden das okay. Mit den anderen verglichen ist es ein wenig fokussierter und komprimierter. Es stellt eine konsequente Weiterentwicklung unserer Werke dar.

Markus: Wie fielen die Reaktionen der Presse und der Fans aus?

Steve: Die waren überwiegend großartig. Wir haben einen Haufen neuer Songs in unserem Set und das ist cool. Natürlich gab es auch schlechte Kritiken, aber das ist nun mal so und damit können wir leben.

Markus: Wer schreibt bei euch die Songs?

Steve: Normalerweise sind Thomas und ich die Songwriter. Wir schreiben viele Riffs und picken uns am Ende die raus, die wir am meisten mögen, und entwickeln die dann weiter. Manchmal schreiben wir einen Song an einem Tag und manchmal brauchen wir Wochen. Manchmal kommt Thomas auch mit Ideen für's Schlagzeug und wir überlegen uns dann die passende Gitarrenspur. Wenn das grobe Gerüst dann steht präsentieren wir das dann den anderen und gucken was wir daraus machen.

Markus: Schreibt ihr beide auch die Songtexte?

Steve: Nein, nein, das macht unser Sänger schon selber. Manchmal kommt er auch mit Lyrics oder Songtiteln und wenn wir dann wissen in welche Richtung es gehen soll, schreiben wir das passende Lied dazu. Er ist öfters dabei, wenn wir neue Songs erarbeiten, und er schreibt dann auch alle Texte.

Markus: Hast du ein Lieblingslied auf der neuen Platte?

Steve: Ich mag „Mercy and Grace“ sehr, es ist Lied drei auf der CD. Es ist cool. Mal sehen, welche ich noch sehr mag... hmmm... ne ich glaub' wirklich das ist das Beste.

Markus: Welche Lieder kommen bei den Fans live am besten an?

Steve: Generell die härteren Sachen. Wir eröffnen das Set mit „In The Midnights“, es ist auch der Opener auf dem Album. Wir haben „Whitewater“ auf der Setlist, das ist ein ziemlich harter Song.

Markus: Ihr habt bei Roadrunner Records drei Alben veröffentlicht und dann zu Ferret Music gewechselt. Ich habe gelesen, dass ihr einige Probleme mit Roadrunner hattet. Nun seid ihr nach einem Album doch wieder zu Roadrunner zurückgekehrt, kannst du uns da mehr zu erzählen?

Steve: Wir waren bei Roadrunner überall, außer in Amerika. Wir waren da für die ersten drei Alben und wir wollten wirklich da sein. In den Staaten hatten wir nur sehr wenig Erfolg. Roadrunner USA wurde recht Mainstream, nachdem Nickelback so enormen Erfolg hatten. Nun versuchen sie überwiegend Mainstreambands, oder bereits etablierte Bands, wie Black Label Society, zu signen. Ferret hat uns angeboten zu denen zu wechseln und wir waren der Meinung, dass die das bessere Label für uns sind. Die versuchen ein global agierendes Label zu werden und so mussten komplett zu denen wechseln. Das lief dann gut und wir wurden bekannter und nun sind wir wieder bei Roadrunner und alles lief prima für uns.

Markus: Wenn du zurückblickst, was war der beste oder beeindruckendste Augenblick, den du mit der Band hattest?

Steve: Ich denke es ist weniger ein einzelner Augenblick. Ich bin sehr stolz darauf, dass wir nun seit siebzehn Jahren existieren und Musik machen. Es gibt nicht so viele Bands, die das mit diesem Erfolg machen und das ist natürlich sehr cool. Als einzelner Moment wohl eines der großen Festivals, die wir gespielt haben. Es ist großartig das Download in England oder auch das Graspop zu spielen. Es gibt viele dieser Festivals, aber das sind so die Highlights, auf der gleichen Bühne zu spielen wie Iron Maiden und dergleichen.

Markus: Was sind eure Pläne für die Zukunft nach der Tour?

Steve: Wir werden zum Beispiel das Soundwave Festival in Australien spielen. Das ist das was so als nächstes auf dem Plan steht und wir freuen uns drauf.

Markus: Habt ihr irgendwelche großen Ziele, die ihr in eurer Karriere noch gerne erreichen würdet?

Steve: Da gibt es bestimmt was, aber wir haben schon so viel erreicht, dass wir auch so schon sehr glücklich sind. Wir wollen gerne einfach weiter machen und Shows spielen und CDs aufnehmen.

Markus: Wie viel Zeit kostet euch die Band mittlerweile mit den ganzen Touren und so? Wie vereinbart man das mit Familie, Freunden und vielleicht einem normalen Job?

Steve: Es klappt gut, wobei es für mich ein wenig einfacher ist, da ich keine Frau und Kinder habe. Brock ist verheiratet und hat nun ein Baby, ein kleines Mädchen, und da ist die Tour für ihn jetzt ein wenig härter, da er wichtige Momente im Heranwachsen des Kindes verpasst. Thomas ist auch verheiratet, aber trotzdem klappt das eigentlich bisher recht gut. Wir versuchen ein gutes Gleichgewicht zu finden. Früher hatten wir nichts anderes zu tun, als uns die Ärsche wund zu touren. Jetzt sind wir vielleicht zwei Monate weg und dann wieder einen Monat daheim. Sechs Monate Tour wie früher kommen nun nicht mehr vor.

Markus: Erzähl uns doch ein paar lustige Tourimpressionen.

Steve: Ohhh ... Mann, ich weiß nicht, ich such grad was wirklich gutes. Ich hab nichts, das ist unglaublich, mir fällt nichts ein (lacht)... Das letzte lustige was passiert ist, war wohl, dass Mick, der alte Bassist sich in die Hose geschissen hatte. Direkt beim ersten Song, sodass er den ganzen Gig mit voll geschissener Hose weiter spielen musste. Das war echt klasse.

Markus: Wie denkst du über Musikpiraterie?

Steve: Das ist heutzutage echt hart. Eine gute Analogie ist, dass wenn du etwas malst das Bild auch nicht einfach verschenkst, sondern es verkaufen möchtest. Es ist halt nun so, wie es ist und da lässt sich auch kaum etwas gegen machen. Wenn Leute etwas kostenlos bekommen können, dann werden sie es sich auch kostenlos nehmen, so ist es nun mal.

Markus: Wie bist du dazu gekommen Musiker zu werden?

Steve: Meine Eltern haben mir mal eine Gitarre geschenkt und das war ganz cool. Ich denke jeder sagt das, aber Metallica haben mich ein wenig mehr angetrieben, denn ich wollte das immer nachspielen können.

Markus: Welche anderen Bands neben Metallica haben dich deiner Ansicht nach beeinflusst?

Steve: Überwiegend Rockbands, wie zum Beispiel Faith No More. Natürlich auch Slayer, aber wirklich mehr Rock.

Markus: Was hälst du von den ganzen Musikspielen, wie Guitar Hero; Ist das mehr ein Kinderspielzeug oder auch für dich als Gitarrist eine coole Sache?

Steve: Es ist ein wenig merkwürdig aber lustig. Da gibt’s ja wirklich Freaks, die das so was von drauf haben. Es ist mehr eine spaßige Nebensache. Vielleicht hält es ein paar Musikinteressierte davon ab wirklich Gitarre zu spielen, da sie nur das spielen, keine Ahnung (lacht).

Markus: Was läuft bei dir momentan im Tourbus an Musik?

Steve: Humble Pie, Black Sabbath und ein wenig Countrymusik, wie White Buffallo. Das ist ein Gitarrist und Sänger und man fühlt sich, wenn man das hört, wie im Western. Ich höre wenig Metal, denn ich höre ja jeden Abend Metalshows und ein wenig Abwechslung ist ja ganz nett.

Markus: Du machst ja viele Interviews, gibt es eine Frage, die du eigentlich mal ganz gerne beantworten würdest, die dir aber nie jemand stellt?

Steve: Du hast echt ein paar echt gute Fragen, lass mich kurz überlegen. Ich würde gern mal gefragt werden, wie es meinem Dackel geht. Ich habe einen Dackel namens Boba Fett, wie in Star Wars, total nerdig. Er kommt auf Touren in den Staaten manchmal mit, aber ich habe ihn nicht mit nach Europa genommen.

Markus: Wie geht es ihm den?

Steve: Ihm geht’s gut, er ist der Hammer. Momentan ist er bei meiner Mum. Sie hat eine Menge anderer Hunde, also hat er momentan sicherlich viel Spaß.

Markus: Vielen Dank für das Interview. Wenn du unseren Lesern noch etwas mitteilen möchtest, dann kannst du das jetzt tun.

Steve: Ich danke dir. Trinkt ein paar Bier und keep rocking!