Kurz vor ihrem Auftritt im Kölner Underground hatte ich die Gelegenheit mich mit Wednesday 13, dem Sänger der Murderdolls, über das neue Album und die Hintergründe der langen Pause zu unterhalten.

Markus (MetalViecher.de): Ersteinmal möchte ich dich herzlich in Deutschland willkommen heißen und ich würde dich bitten dich und deine Band den Lesern vorzustellen, für die ihr noch kein Begriff seid.

Wednesday 13 (Murderdolls): Ich bin Wednesday 13 von den Murderdolls. Und ich versuche der Leadsinger zu sein.

Markus: Du versuchst es?

Wednesday 13: Ich versuche es und gebe mein bestes.

Markus: Ihr habt vor wenigen Wochen euer zweites Album „Women And Children Last“ veröffentlicht und es stellt sich natürlich die Frage, was ihr zwischen eurem Debutalbum im Jahre 2002 und heute gemacht habt. Jahre lang hat man von den Murderdolls nichts mehr gehört.

Wednesday 13: Es war nicht so, dass wir uns diese lange Pause so ausgedacht haben oder das es Absicht war. Wir hatten halt noch andere Projekte, wie zum Beispiel Joey mit Slipknot. Wir haben immer darüber geredet wieder etwas als Murderdolls zu machen, aber die Zeitfenster, in denen wir beide keine Verpflichtungen, hatten waren nie groß genug. Als wir uns dann dieses Jahr wieder zusammengesetzt haben waren wir froh uns so lange Zeit genommen zu haben. Wir hatten in der Zeit viel reflektiert und waren uns ganz sicher was unsere Ziele und Ansprüche für die Band sind. Früher hatten wir einfach Spaß und haben drauf los musiziert und heute hatten wir einen Plan.

Markus: Ihr wolltet also sicherstellen, dass ihr 100% geben könnt?

Wednesday 13: Ja. Wir wollten keine halben Sachen machen und versuchen alles in ein Zeitfenster von sechs Monaten zu quetschen. Jetzt haben wir Zeit genug um ein Jahr oder auch anderthalb zu touren.

Markus: Was ist der tiefere Sinn hinter dem Albumnamen?

Wednesday 13: Es ist eine Parodie des Van Halen Album „Women And Children First“. Im Sinne des schlechten Geschmacks dachten wir, dies sei ein angemessener Albumtitel. Möglicherweise fühlen sich Leute dadurch angegriffen, vielleicht aber auch nicht. Wir versuchen gerne Leute zu reizen, oder sie zum lachen zu bringen - meistens beides.

Markus: Und hat es geklappt?

Wednesday 13: Ich habe bisher nur gutes gehört und niemand hat sich beschwert, aber es ist ja auch noch recht neu.

Markus: Was kann man den von der musikalischen Seite des Albums erwarten?

Wednesday 13: Es gab definitiv eine Weiterentwicklung. Es zeigt, wie Joey und ich uns in den letzten Jahren entwickelt haben. Es sind immer noch die Murderdolls aber es ist, wie wir es sagen, eine Wiedergeburt der Band. Ich denke die alten Fans werden es mögen, aber der größte Teil ist schon etwas Neues. Wir benutzen nie das Wort Erwachsen aber es ist fokussierter. Beim ersten Mal haben wir einfach drauf los gespielt und nun hatten wir einen Plan, wie wir die Dinge angehen wollten.

Markus: Also besser organisiert?

Wednesday 13: Ja, definitiv. Es ist das erste Album, was nur neue Songs hat und nicht alte Lieder von meinen oder seinen früheren Bands benutzt. Wir haben zum ersten Mal zusammen gesessen und neue Songs geschrieben. Für uns ist es quasi das erste richtige Murderdolls Album. Das erste ist gut so wie es ist, aber das jetzige ist für uns das wirkliche erste.

Markus: Wie waren die Reaktionen der Presse und natürlich der Fans? Bist du zufrieden?

Wednesday 13: Ich habe bisher nichts Schlechtes gehört, die Reviews waren weltweit durchweg positiv. Auch die Verkäufe der ersten Woche waren großartig für eine Band die bisher keine Hits hatte, keine Radioband ist und Musik macht, wie wir es tun. Acht Jahre später können wir immer noch Platten verkaufen und Leute zu Shows ziehen. Das die Fanbasis uns treu geblieben ist, ist wahnsinnig schön zu sehen. Wir sind keine Band wie Nickelback, die sich für die erste Woche, was weiß ich, 100.000 verkaufte Kopien vornimmt. Niemand sagt etwas Schlechtes über das Album. Ein paar sagen, dass es nicht mehr dasselbe, nicht mehr so spaßig ist. Es ist jetzt vielleicht etwas ernster, aber wir sind halt auch ein wenig erwachsener geworden. Wir sind nun mal nicht mehr 25. Wir haben immer noch Spaß und wir rocken immer noch die Live-Shows.

Markus: Was ist dein Lieblingssong auf der neuen CD?

Wednesday 13: Ich mag alle Lieder. Das war vielleicht das Schwerste, die Songs auszusuchen, die auf das Album sollen. Wir haben viel Material letztendlich nicht verwendet. Wir hatten acht Jahre Zeit Ideen zu sammeln. Wir hatten über 50 Songs und konnten die natürlich nicht alle aufnehmen.

Markus: Sind die für immer weg geschmissen oder bekommen wir die irgendwann einmal zu hören, vielleicht auf dem nächsten Album?

Wednesday 13: Wahrscheinlich nicht. Das nächste Album wird ziemlich verrückt. Wir werden viel Spaß haben, also noch mehr als sonst. Nach dem Hören wird man denken „woooh“.

Markus: Und diesmal wird es keine acht Jahre dauern?

Wednesday 13: Nein, es braucht sieben (lacht). Nein, eine so große Pause wird es diesmal nicht geben. Auf keinen Fall.

Markus: Welche Songs kommen bei den Fans live am besten an?

Wednesday 13: Erstmal noch zurück zu der Frage nach dem Lieblingssong. Nachdem ich gesehen habe wie die Fans reagieren habe ich nun doch Favoriten. „Nowhere“ ist live einfach klasse, das wirst du sehen, wenn du nachher bei der Show dabei bist. Jeder kennt es und doch kennt es keiner. „Summertime Suicide“, „My Dark Place Alone“ und „Chapel Of Blood“ sind noch so meine Lieblinge. Aber eigentlich mag ich alle.

Markus: Wo wir gerade bei „My Dark Place Alone“ sind: Dazu gibt es ja auch einen Videoclip, was kannst du uns dazu erzählen?

Wednesday 13: Eigentlich haben wir uns nur mit schwarzem Öl besudelt. Ich wollte kein Konzept, das Label aber schon. Nun haben wir nur eine aggressive Performance mit einer sehr kleinen Story drum herum. Wir wollten nicht wieder das typische rot/schwarz, Dreadlocks, keine Augenbrauen, bla bla Ding von früher durchziehen. Die Leute hätten das erwartet, das wäre zu einfach gewesen. Man wird von uns nie zweimal die gleiche Show sehen. Routine empfinde ich als langweilig. Heute ist es eine kleine Show und wir werden etwas Verrücktes machen, was wir bisher nicht gemacht haben. Ich war vorhin kurz draußen und da sind Fans, die haben auch die Show vor fünf Tagen gesehen und die sollen nachher „wooow heute haben sie dies und das gemacht“ sagen können. Wir haben heute ja auch keine Vorband dabei und werden bestimmt eine Stunde und 45 Minuten und 25 Songs oder so spielen. 50% neues und 50% altes und hier und da mal ein Coversong. Es wird eine lange und anstrengende Show, aber unsere Fans verdienen es nach acht Jahren Pause.

Markus: Was ist dein Ziel für die Murderdolls?

Wednesday 13: Ich möchte mehr und mehr Shows spielen, bis uns jeder kennt. Die Band soll jedem ein Begriff sein, egal ob er sie mag oder nicht. Ob „yeah Murderdolls“ oder „oh no Murderdolls“, das ist egal, aber sie sollen von uns gehört haben.

Markus: Du hast in deiner Karriere viele Alben raus gebracht. Mit deinem Soloprojekt „Wednesday 13“, mit „Frankenstein Drag Queens From Planet 13“, das musste ich jetzt ablesen, aber ein cooler Name nebenbei bemerkt …

Wednesday 13: (lacht) … vor allem ein langer …

Markus: ja.... und natürlich mit den Murderdolls. Was ist dein größter Karrieretraum, abgesehen davon dass jeder die Murderdolls kennt?

Wednesday 13: In einer Band zu sein, die für die gleichen Sachen steht, ist schon toll. Ich habe schon in vielen Bands gespielt und als ich dann von Joey angerufen wurde war das der Wahnsinn. Er hatte mich einfach so angerufen, wir waren vorher nicht befreundet oder so. Er hatte nur von meiner Band gehört und sagte „Hej, ich mach da so ein Projekt und du wärst perfekt dafür“ und ich dachte nur „wow“, der klingt wie ich. In einer Band zu sein, mit netten Leuten, die für die gleichen Sachen stehen ist schon der Sinn hinter allem. Ohne Musik hätte ich nichts. Wenn ich nicht auf der Bühne bin, höre ich Musik. Mein Leben ist in meinem iPod, ich habe über 10.000 Songs. Musik ist mein Leben.

Markus: Auf Tour erlebt man ja viele interessante Dinge, was war dein Highlight bisher?

Wednesday 13: Da gibt es so viel, da kann ich nicht nur ein Highlight nennen. Aber ich kann ja mal eine Sache von der aktuellen Tour erzählen. Wir waren auf Tour mit Guns N’ Roses und haben mit denen letzte Nacht in Paris gespielt. Es war so laut in dieser „15.000 Personen“-Arena und heute spielen wir hier im Underground, was nicht größer ist als hier dieser Backstageraum. Vor einer Woche haben wir dann Axl getroffen und das war echt cool, da ich ihn noch nie getroffen habe. Er war sehr nett zu uns und hat uns in seinen Raum zum Essen und Trinken eingeladen. Das ist für einen Fan der Band wie mich natürlich toll. Ich habe seine Kassetten in meiner Schulzeit gehört und nun habe ich da mit ihm gesessen. Wenn man zu Leuten aufsieht und die dann zu einem kommen und sagen, dass man seine Sache gut macht, dann ist das natürlich wahnsinnig beeindruckend.

Markus: Was war das letzte, was du auf deinem iPod gehört hast?

Wednesday 13: „Killing Joke“. Weißt du, ich bin hier so was wie der DJ in der Umkleide und ich spiele von Slayer bis Countrymusik alles.

Markus: Was hältst du von Musikpiraterie, verdammst du es generell?

Wednesday 13: Es tut weh, aber ist die Zukunft und man kann es nicht stoppen. Ich bin noch der Oldschooltyp, der am Erscheinungstag im Laden steht, die CD mit nach Hause nimmt und dann beim Hören jede Zeile Songtext aus dem Booklet mit liest. Es ist wie das Lesen eines Buches. Und dann guckt man auf das Artwork und visualisiert das alles noch viel mehr. Runterladen gibt einem nicht dasselbe. Aber den Kids genügt das, vielleicht bekommen sie das gleiche Gefühl, wenn sie auf unserer Webseite die Bilder angucken. Ich habe keine wirkliche Meinung dazu, es ist halt wie es ist. Es ist der Stand von 2010.

Markus: Du machst ja viele Interviews und bekommst viele Fragen gestellt, gibt es ein paar Fragen, auf die du immer wartest, aber die dir niemand stellt?

Wednesday 13: Nein (lacht). Jeder hat mich alles gefragt. Ich bearbeite die Presseanfragen seit zwölf oder dreizehn Wochen. Auch bevor die Tour gestartet ist habe ich mich acht Stunden am Tag darum gekümmert.

Markus: Das war es von meiner Seite, ich bedanke mich für das Interview und überlasse dir das letzte Wort:

Wednesday 13: Ich bedanke mich bei allen unseren Fans.