Vor dem Konzert in Köln hatte ich die Möglichkeit mit dem irischen Bastard ein bisschen über das neue Album "A Fistful Of Dirt" zu plaudern. Aber lest selbst:

Markus (MetalViecher.de): Hallo ich bin Markus, erst einmal vielen Dank für das Interview. Was möchtest du unseren Lesern über euer neues Album erzählen?

The Irish Bastard (Himself): Ja, also bei dem neuen Album haben wir uns ein bisschen mehr Mühe bei der Produktion gegeben. Gran E. Smith, also unser Banjospieler hat eine andere Persönlichkeit gefunden, als Mischer, die auch deutlich besser war (lacht). Er hat sehr viel Zeit investiert und sehr viel zusammen gemischt und deshalb sind wir mit dem Sound ganz zufrieden. Und Songwritermäßig ist es auf jeden Fall eine Entwicklung nach vorne, weil wir jetzt ein bisschen filigraner gearbeitet haben und den Instrumenten ein bisschen mehr Raum gegeben haben, dass sie ein bisschen mehr wirken können. Und mit dem Paket mit allem, dem Sound und vom Songwrting  sind wir sehr zufrieden.

Markus: Ich wollte ein bisschen auf die Rezensionen zu sprechen kommen, bei uns seid ihr ja recht gut weggekommen, wie habt ihr so bei den anderen abgeschnitten? Ihr habt da ja mehr den Überblick.

TIB (h): Wir sind erstaunlich gut weggekommen, also bisher hat noch keiner gesagt „dass ist Brennholz, auf keinen Fall kaufen, total überflüssig“. Also hat keiner gesagt, ganz im Gegenteil: RockHard neun von zehn Punkten. Volltreffer. Und ich habe jetzt ein paar Mal das Wort Volltreffer gelesen und das macht mich natürlich enorm glücklich und sehr stolz.

Markus: Ja, ist ja auch eine enorme Leistung.

TIB (h): Ja, das ist toll, wie sind ja auch eine Band mit einer relativ kurzen Geschichte und das wir in dieser Zeit diese Akzeptanz gewinnen konnten ist auf jeden Fall sehr, sehr geil. Das die Leute gut finden was wir machen und das respektieren ist natürlich toll.

Markus: Dein persönlicher Favorit auf dem Album, und warum?

TIB (h): Ich glaube es sind immer so zwei. Von diesen Aggrosongs finde ich „The Blood“ erstmal riesig und von den ruhigeren Sachen finde ich „Ghosttrain“ ganz, ganz schön, richtig gut.

Markus: Wer schreibt den bei euch die Songs, gibt es einen der das Macht und der Rest prüft dann ob das Müll ist oder schreibt ihr die zusammen?

TIB (h): Also eigentlich schreibe ich, dann hol ich eine Gitarre nehme das auf und schick das den Leuten per E-Mail oder aber, bevor ich ins Studio gehe, zu Hause in der Küche, weil es da am besten hallt und weil es da am meisten Essen gibt. Aber hauptsächlich weil es da schön hallt. Und dann spiele ich solange bis ich sie soweit habe, dass sie mir gefallen. Nach vielen Küchensessions ist es dann soweit, dass ich ins Studio gehe, dann nehme ich sie auf und dann werden sie an die Jungs und Mädels verschickt. Dann kann sich jeder mal Gedanken machen und erst dann treffen wir uns. Vorteil ist natürlich, dass wir alle wissen um was es geht und wir nicht jammen müssen im Proberaum, was wir natürlich können und bei der ersten Platte auch so gemacht haben, da wir da nicht den Weg gehabt haben mit den Studioaufnahmen vorher. Und so ist das nun ein Prozess an den wir uns dann gewöhnt haben und das macht es irgendwie einfacher und schmerzfreier, -loser. Das ist so ganz angenehm. So kann man gut arbeiten.

Markus: Ihr habt ja schon ein paar Konzerte mit der neuen Platte im Gepäck gegeben, welcher Song kommt bei den Fans am besten an?

TIB (h): „The Blood“ kommt riesig an und auch die langsamen Nummern kommen super an, wie „Ghosttrain“ aber auch dieses etwas „hau ruck“-igere, wo man es erst verstanden haben muss, bevor man dazu tanzen kann. „Skin And Bones“ hat viele Tempiwechsel und du musst sehr flexibel tanzen können. Der Trick ist halt, dass du so flexibel tanzen kannst, dass du aus dem einen Tanzschritt, ohne zu wissen dass der nächste kommt, so überleiten kannst, dass du nicht aussiehst wie ein Idiot.

Markus: Das ist die Kunst.

TIB (h): Ja das ist die Kunst. Das Verlangen wir den Leuten auch ab. Das haben auch nicht alle geschafft. Meistens sieht man bei dem Übergang von dem langsamen in dem schnellen Teil ein bisschen aus wie ein Horst.

Markus: Muss man üben.

TIB (h): Wir beobachten das auch, wir haben schon überlegt ob wir Regieanweisungen geben sollen, aber wir denken dass die Leute da auch ein bisschen selber drauf kommen sollten. Aber bisher großartig, die Leute die lieben das Zeug und alles ist gut.

Markus: Welches Publikum hat denn bis jetzt die besten Haltungsnoten gekriegt?

TIB (h): Also bei „Skin und Bones“ haben wirklich alle Schwierigkeiten, da müssen wir dran arbeiten. Wir haben in Japan gespielt im März und haben da das Material zum ersten Mal ausprobiert und die Japaner können das.

Markus: Dann müssen wir uns heute aber richtig anstrengen.

TIB (h): (lacht)

Markus: Wie seid ihr auf die Idee Synonyme zu verwenden, es wir ja kaum jemand Gran E. Smith heißen?

TIB (h): Wie denn dann? (lacht) Ich habe ihn nie anders kennen gelernt. Ich weiß gar nicht genau, die Idee kam glaube ich, weil wir unsere persönlichen Identitäten schützen wollten, was aber inzwischen auch hinfällig ist. Leute die uns genauer kennen und genauer beobachten wissen auch wie wir richtig heißen.

Markus: Aber da muss man sich schon ein bisschen Mühe geben.

TIB (h): Aber warum auch nicht? Wer wissen will wer wir wirklich sind kann sich ja ein bisschen Mühe machen, aber ich möchte jeden davon abhalten, wir sind furchtbar langweilige Menschen. Am Ende dieses Regenbogens gibt es keinen Topf Gold, sondern nur einen Topf Langeweile.

Markus: Irish Punk ist momentan ja ziemlich im Trend, wie erklärt ihr euch das und wie erklärt ihr euch, dass viele Bands dieses Genres kaum Irlandbezug haben? Ihr habt zwar einen echten Iren, aber wirklich viel ist das nicht.

TIB (h): Ich glaube wenn du Dave King (Flogging Molly, Anm. d. Red.) oder Al Barr (Dropkick Murphys, Anm. d. Red.) sagst, dass die Szene erst jetzt richtig funktioniert, würden die dir das Gegenteil bescheinigen. Ich glaube einfach es bekommt mehr Aufmerksamkeit in der Presse und es wird mehr verfolgt. Aber ich glaube die Leute die es schon immer geil fanden, die gab es schon. Die Szene wird halt immer größer weil nun die Öffentlichkeit dafür da ist. Bands wie Dropkick Murphys oder Flogging Molly bringen viel Aufmerksamkeit in das Metier rein. Aber es gibt genügend Bands die schon seit 20 Jahren dabei sind nur sind nun neue Zugpferde dazu gekommen die die Aufmerksamkeit der Medien auf sich ziehen.

Markus: Und nun zu diesem Punkt mit dem Irlandbezug?

TIB (h): Ich glaube man muss die Waage finden zwischen authentisch und nicht authentisch sein, denn wenn du in hier bist und eine Blaskapellem aufmachst will das vermutlich keiner hören. Das Ding bei Irland ist halt, dass jeder so eine eigene Idee davon hat was Irland ist. Irland ist halt Schafe, Guiness, grüne Wiese und so weiter. Das Bild ist natürlich nicht mehr ganz richtig, aber das Lebensgefühl ist halt so das sich viele damit identifizieren und das ist gut. Und zum Beispiel die Dropkick Murphys haben halt diese Historie „meine Uroma war...“ was ja auch gewissermaßen legitim ist. Aber ich glaube die Ferne macht da auch die Liebe, je ferner du bist, desto mehr schlägt dein Herz dafür.

Markus: Du hattest ja vorhin selber schon angesprochen, dass ihr ja eine junge Band seid, aber trotzdem schon viel Erfolg hattet. Wenige Monate nach Gründung wart ihr mit den Levellers auf Tour und ihr habt schon in Japan und China gespielt. Ich finde das ist eine ziemliche Leistung ihr habt da ziemlich den Turbo gezündet. Kannst du die ganze Sache eigentlich noch glauben oder denkst du nur „wow, kann gar nicht sein“?

TIB (h): Ist schon ungewöhnlich und Gran E. Smith meinte „ich glaube erst, dass wir in China sind, wenn ich mir in Shanghai im PizzaHut ne Pizza hole“ was wir dann als Ritual auch gemacht haben. Ich glaube aber nicht das wir den Turbo gezündet haben, ich glaube wir haben einfach das gemacht was wir machen wollten und alles andere ist dem halt gefolgt. Und wir reiten einfach die Welle und wir geben nicht mehr Gas als sonst, wir machen einfach das was wir für richtig halten und genießen dass. Was wir alles erleben ist komplett großartig und macht sehr viel Spaß. Aber zwicken muss man sich schon regelmäßig. Einmal zum wach bleiben (lacht), nüchtern werden und einfach weils so eine großartige Reise ist. Es macht uns Spaß das miteinander zu genießen.

Markus: Du hattest gerade schon die Asientouren angesprochen, magst du da nochmal was zu erzählen?

TIB (h): Also es ist total irre. In Japan ist eine sehr, sehr große Irish-Folk-Szene, was wir nicht so auf dem Schirm hatten. Wir haben in so einem Laden vor 600 Leuten gespielt und wurden dabei von einer Whiskeysorte gesponsort. Und es war riesig, wir waren auch vorher in einigen Läden mit japanischen Irish-Folk-Bands unterwegs und es ist wirklich irre, dass sich diese Szene so etabliert hat. In China ist das anders, da ist die Musik noch nicht so gefestigt, da gibt es noch keine Genres, das ist alles in der Findungsphase. Wir haben mit einer Oi-Punk-Band gespielt und vor denen lief eine DVD von Genesis. Im Gegensatz dazu ist das in Japan halt sehr gefestigt. Wir haben ein gutes Label da, was uns unterstützt. Und komplett irre, wir sind hin geflogen, nach Japan und haben wegen Schnee in Peking unseren Anschlussflug verpasst und hatten nichts besseres zu tun, da wir ja nicht weiter kamen, als uns eine Pulle Wodka zu holen und die reinzuschrauben. Ich mein wir kennen ja Peking und waren schon oft da (lacht). Wir haben alle Anweisungen des Personals unsere Tickets zu holen ignoriert, sind ins Hotel gefahren und haben uns nebenan für viel Geld in einem Irish Pub voll laufen lassen. Am nächsten Tag sind wir zum Flughafen gefahren, als sei nichts gewesen, aber wir waren in Peking. Also ein bisschen abgebrüht muss man dabei schon sein.

Markus: Welche Länder plant ihr so als nächstes?

TIB (h): Es ist so dies und das in der Diskussion. Russland und Ungarn sind gerade im Gespräch. Wir wurden nach Indonesien eingeladen, wo wir gesagt haben "an dem Tag is schlecht", weil das für zwei Tage ein wenig viel war. Aber es gibt schon halt so Sachen, wo wir die Möglichkeit haben in verschiedene Länder zu fahren und wir spielen ja sehr viel im Ausland, wir haben bisher ja in zehn Ländern gespielt. Für diese kurze Zeit ist das natürlich irre und macht uns wahnsinnig viel Spaß. Aber USA von mir aus, gerne, wäre schön, so New York, Boston, wäre super, aber da ist noch nichts geplant. Mal gucken.

Markus: Ihr covert sehr gerne, insbesondere genrefremde Stücke, wie kommt das?

TIB (h): Ich glaube die Coverversionen spiegeln ein bisschen diesen Ernsthaftigkeitsgrad wieder. So ernst wie wir uns selbst nehmen kommen auch diese Cover zustande. Das ist ein bisschen unsere Spielwiese auf der wir uns auslassen. Wir haben einfach ... keine Ahnung ... Bock sowas zu machen. Wir haben diese Idee geboren und sie ist nicht tot zu kriegen.

Markus: Ihr macht das halt zu eurem Running Gag.

TIB (h): Jaja, genau das ist unser Running Gag und wir haben da großen Spaß dran. "Temple Of Love" finde ich gut und auch Ricky Martin ist ein Spaß, Dead Or Alive selbstverständlich (lacht). Wir reizen halt so die Idee aus, einer sagt "lass mal Dead Or Alive machen?!" in der Erwartungshaltung, das jemand sagt "ne jetzt ists aber gut" aber dann sagen alle "voll geil, lass das machen" (lacht). Ich schließe Heino nicht aus aber auch nicht ein (lacht).

Markus: Dann bin ich mal gespannt aufs nächste Album, denn jetzt erwarte ich Heino... Wie denkst du über Musikdownloads? Sollen eher alle in den Knast oder ist ab und an downloaden okay, falls man im Endeffekt kauft was man mag?

TIB (h): Ich glaube das ist eine schwierige Frage, denn ohne MySpace zum Beispiel wären wir nicht so bekannt aber andererseits ist es sehr sehr schwer geworden mit Musik Geld zu verdienen. Irgendwo dazwischen ist die Wahrheit, denn übers Internet kann man schnell bekannt werden, doch der Preis den du zahlst ist das irgendeiner bei RapidShare oder keine Ahnung wo deinen Scheiß runterläd. Auf der anderen Seite kann er das ja gut machen, wenn das für ihn okay ist, wenn er dann aber Bock hat die Band durch Tickets oder Bands zu supporten ist das natürlich gut. Die Wahrheit ist irgendwo dazwischen. Die Bekanntheit die du kriegst ist enorm groß, den Preis den du zahlst ist das du dadurch kein Geld verdienst.

Markus: Wie bist du persönlich zur Musik gekommen?

TIB (h): Ich bin zur Musik gekommen durch ein circa 75cm langes Holzbrett. Das war so in den Anfängen vom Musikfernsehen und ich habe mit dem Holzbrett vorm Fernseher rumgemosht. Irgendwann kam ich in die Pubertät, so 13 oder 14 und fand es albern mit einem Holzbrett vor dem Fernseher rumzuhampeln und musste mir daher eine Gitarre kaufen. Ich muss sagen, ich hatte drei Mal Unterricht und danach ging mir das Geld aus und daher bin ich ein Working Class Hero.

Markus: Was war dein bestes Konzert bisher?

TIB (h): Mein bestes Konzert, immer wieder, ... In Extremo hat gespielt auf der Hauptbühne auf dem Open Flair und wir auf der zweitgrößten Bühne nach In Extremo vor 6000 Leuten. Selten so viel Pipi überall gehabt, aber es war ein ganz großer Abend.

Markus: Was für Musik hörst du privat momentan?

TIB (h): Alles von The Pogues, natürlich, bis Ignite, Rise Against und Social Distortion. Ich höre natürlich auch gern Mohndal Marl (Versuch meinen Amon Amarth Pulli zu lesen, Anm. d. Red.) (lacht) Ich hoffe ich habe das richtig ausgesprochen.

Markus: Naja fast, die heißen Amon Amarth.

TIB (h): Ja, tolle Band.

Markus: Was wünscht du dir für deine Band für die Zukunft?

TIB (h): Das wichtigste ist halt, dass du gesund und klar bist und das wir uns weiterhin gut verstehen. Alles andere findet sich, aber das sind die wichtigsten Sachen. Gesund und klar um es machen zu können und gut verstehen um es machen zu wollen.

Markus: Das wäre es dann von meiner Seite, ich lasse dir das letzte Wort, falls du noch etwas sagen oder Weisheiten zum Besten geben willst.

Der ganze Raum lacht.

TIB (h): Jap, okay jetzt folgt der längere Teil. Wenn du deine Faust aus einem Eimer Wasser ziehst hinterlässt du kein Loch. Ne, also das wars dann auch. Mehr habe ich der Nachwelt nicht mitzuteilen und ich denke das ist auch okay.

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