Nach ein paar organisatorischen Problemen konnte ich am 08.04.2010 Bernhard Horn von Callejon mit meinen Fragen zu ihrem neuen Album "Videodrom" löchern, aber lest selbst.

Markus (MetalViecher.de): Hallo Bernhard, ich bin Markus von MetalViecher.de

Bernhard (Callejon): Hallo Markus!

Markus: Was möchtest du unseren Lesern und euren Fans über euer neues Album „Videodrom“ erzählen, welches kürzlich erschienen ist?

Bernhard: Hmm, was will ich darüber erzählen? Wahrscheinlich ziemlich viel...

Markus: Ja, dann mach das.

Bernhard: Ja Videodrom ist unser drittes Album, aber quasi erst das zweite, was einer breiteren Öffentlichkeit bekannt wurde. Im Gegensatz zu dem Vorgänger ZAHQ („Zombieactionhauptquartier“, Anm. d. Red.) glaube ich, dass wir von den Songs schon ein ganzes Stück direkter geworden sind. Wir haben das Album in einer viel kürzeren Zeit geschrieben. Wir haben quasi von September, nein von August an, bis zu den Recording-Aufnahmen im November, also in guten drei Monaten, das Teil geschrieben, was das Ganze halt ziemlich verdichtet hat. Wir haben uns sehr intensiv und in kurzer Zeit mit der Materie auseinander gesetzt, was dem Album glaube ich ziemlich gut getan hat. Wir haben das auch zum ersten Mal mehr oder weniger in Eigenregie gemacht. Wir haben also mit unserem Tontechniker, der auch unseren Livesound macht, mit dem Andi, das Album zusammen im Energy-Soundstudio in Viersen aufgenommen Also für Schlagzeug und Gitarren, den Rest haben wir alles im Homestudio eingespielt, also Vocals und Bass und alles. Wir haben also immer bei uns im Studio, im Proberaum gestanden. Ja, was gibt es noch zu erzählen? Ja „Videodrom“, der Titel kommt natürlich, offensichtlich als Parallele zum Film „Videodrome“ von `83 von David Cronenberg. In dem Film geht es darum, dass gerade die VHS-Kassette auf den Markt gekommen ist und sich die Leute Fantasien zusammen gesponnen haben, was diese neue Technik mit den Leuten macht. „Videodrome“, der Film, ist quasi so `ne Reaktion darauf, dass eine Technologie entwickelt wird, die den Leuten die Möglichkeit gibt eine Realität wahrzunehmen, die hinter dem Sichtbaren liegt. Das ist halt eine Thematik, die auf das Album passt, da wir metaphorisch gesprochen auf dem Album viele Sachen verarbeitet haben, die uns in letzter Zeit passiert sind, von denen wir gemerkt haben, dass sie in Wirklichkeit anders sind und wir nun auch mal die andere Seite der Medaille gesehen haben. Das ist uns relativ spät erst aufgefallen, dass sich das durch das ganze Album zieht. Der Song „Videodrom“ ist erst ziemlich spät in der Songwrtitingphase entstanden.

Markus: Ich habe einige Rezensionen und Meinungen zu dem Album gelesen, aber ihr habt ja natürlich mehr den Überblick. Wie kommt das Album bei Presse und Fans im Allgemeinen an? Waren es überwiegend positive Reaktionen?

Bernhard: Ja, auf jeden Fall. Wir haben schon gemerkt, dass das Album sehr gut aufgenommen wurde, auch besser als ZAHQ, was glaube ich unter anderem auch daran liegt, dass die Leute erst jetzt richtig merken, was so die Idee hinter der Band ist und wo wir eigentlich hinwollen. Ich glaube auch, dass das Album in der natürlichen Entwicklung viel weiter ist, als das was vorher war. Es gibt natürlich immer ein paar Leute, denen gefällt dieses oder jenes nicht, oder sie finden bestimmte neue Elemente nicht cool, aber das ist halt immer so. Man kann es nun mal nie allen recht machen und das wollen wir natürlich auch gar nicht. Wir sind eine Band, die ziemlich oft auf Kontroversen stößt, obwohl wir das nicht intendieren, okay das ist halt so. Aber ich glaube auch, dass das mit dem Album ein wenig zurückgefahren wurde, weil die Leute halt irgendwann merken wie wir sind. Entweder man findet es gut oder man lässt es, aber es gibt nicht diese krassen Zoff um diese Band, den es früher teilweise in irgendwelchen Onlineboards gab.

Markus: Was ist dein persönliches Lieblingslied des Albums und warum?

Bernhard: Och, das ist eine gute Frage. Ich finde „Gottes Tod“ am besten, also den letzten Track. Unser Kumpel Timo, der dahinten sitzt hat, uns dabei geholfen und die ganzen Akkustik-Fingerstyle-Sachen eingespielt. Es ist halt vom Stimmungsaufbau und von der ganzen Bandbreite gut und gefällt mir und ich glaube uns allen damit am besten. Ist echt `ne richtig coole Nummer geworden.

Markus: Ihr habt ja schon ein paar Konzerte gespielt, was kommt bei den Fans am besten an?

Bernhard: Krass ist „Videodrom“, also der Titeltrack, der kommt unheimlich gut an und natürlich die Songs zu denen wir Videos gedreht haben: „Kinder der Nacht“ und „Sommer, Liebe, Kokain“. Das sind so die Hits glaube ich. „Sexmachine“ wird auch sehr cool aufgenommen, den spielen wir meistens als Zugabe. Das sind so die Nummern, wo die Leute richtig ausrasten.

Markus: Die kennen halt auch die Meisten.

Bernhard: Jaja, genau.

Markus: Ihr habt jetzt mit heute Abend zwei Gigs in Köln hintereinander in der gleichen Halle, ihr hättet ja auch einen, zum Beispiel in der Live Music Hall, machen können.

Bernhard: Zum letzten Release, also 2008, sollten wir ja gegenüber im Underground spielen, aber dann hat jemand vergessen den Vorverkauf zu stoppen und wir sind quasi in die live Music Hall umgezogen. Das war natürlich ein mega fettes Konzert, das kann man nicht anders sagen, aber für uns ist es cooler in einem kleineren Club zu spielen, weil du halt viel näher an den Leuten dran bist. Du kannst ihre Reaktionen besser sehen und du kannst ihnen auch was zum Anfassen geben und das Ganze ist halt von der Situation her eine fettere Atmosphäre als in so ner großen Halle. Also haben wir uns für zweimal in einem kleinen Club entschieden, weil es auch das ist, was wir lieber mögen.

Markus: Also ist Fannähe für euch wichtig?

Bernhard: Auf jeden Fall!

Markus: Und dann Köln, weil dann der Heimatbezug noch da ist?

Bernhard: Auf jeden Fall! Ich mein Bochum ist gar nicht so weit weg, da haben wir letztens in der Matirx gespielt und das war mega fett, aber Köln ist schon so `ne Homebase für uns, hier haben wir auch lange richtig geprobt. Hier hatten wir auch schon viele coole Konzerte.

Markus: Momentan spielt ihr ja mit einem Gastschlagzeuger, da Bodo die Band verlassen hat.

Bernhard: Richtig.

Markus: Gibt es da mittlerweile Neuigkeiten, was einen neuen, festen Drummer betrifft?

Bernhard: Das wir über kurz oder lang einen festen Drummer haben werden ist außer Frage. Wir sind grad halt auf Tour mit „Kotze“ und das passt halt mega gut: Vom Spielerischen ist das mega cool und vom Menschlichen passt das extrem gut, auch wenn der arme Junge momentan mit einer Krankheit zu kämpfen hat. Es ist vielleicht ein bisschen früh jetzt in einem Interview direkt zu sagen, dass er’s macht, aber sagen wir mal so, es würde uns nicht wundern.

Markus: Wie habt ihr euch, deiner Meinung nach, musikalisch verändert, von der Anfangsphase bis jetzt?

Bernhard: Ich glaube, dass wir einen bestimmten Grundsound haben, der sich nicht so krass verändert, was natürlich auch einfach damit zusammenhängt, dass Basti und ich, die einzigen verbleibenden Gründungsmitglieder, unsere eigenen Präferenzen haben aber prinzipiell waren wir nie so scheuklappenmäßig unterwegs und haben nie gesagt „so und so muss das klingen“. Wir haben halt immer versucht die Musik zu machen, die wir halt cool finden un die wir hören würden. Das waren so die Maxime, die wir uns für’s Songrwiting auch immer auferlegt haben. Ich glaube, dass bei jedem Album einige Facetten mehr oder weniger stark betont sind, ZAHQ war ja produktionsmäßig und auch von den Songs, abgesehen von den soften Nummern, ein sehr, sehr metallastiges Album. Die Produktion war relativ trocken, relativ steril. Ja wir haben halt gemerkt, dass die Songs die wir jetzt haben schon ein anderes Soundgewand brauchen und haben halt versucht einen bisschen erdigeren, natürlicheren Sound mit rein zu nehmen. Klar, es sind auch neue Elemente mit dazu gekommen, es sind ja auch ein paar elektronische Samples dabei, über die unser Drummer immer flucht, da er anstatt nur Schlagzeug zu spielen sich auch um den Technikkram kümmern muss. Es ist halt schwierig zu sagen, es ist natürlicher Metal dabei, aber auch Hardcoreeinflüsse und auch ein paar andere Sachen mit dabei. Wir machen uns gar nicht so viele Gedanken darüber, wir wissen, dass wir ein paar andere Facetten mit da drin haben.

Markus: Du hast gerade von Präferenzen geredet, welche Bands haben euch am meisten beeinflusst und mit welchen würdest du euch am ehesten vergleichen, wenn du deinen Stil beschreiben müsstest.

Bernhard. Das ist echt eine schwierige Sache. Ich muss ehrlich sagen, dass ich momentan gar nicht so viel Metal höre. Ich bin gerade im Studio gewesen, jetzt auf Tour und wenn du die ganze Zeit nur Terror um dich rum hast, dann freust du dich halt, wenn du mal ne TOM WAITS oder DEPECHE MODE Platte oder so was einlegen kannst. An Metalalben fand ich die letzte AUGUST BURNS RED Platte fett und ich habe erst gestern ein Snippet von der neuen AS I LAY DYING Platte gehört, was ich echt cool fand. Aber jetzt was Einflüsse angeht ist das relativ schwierig zu sagen, man wird als Musiker natürlich von allem beeinflusst was man so hört. Es gibt jetzt nicht eine Band, von der wir sagen, die hat uns extrem krass beeinflusst. Ich zum Beispiel habe zum Beispiel DARKEST HOUR immer extrem abgefeiert, die sind natürlich AT THE GATES beeinflusst und letztendlich ist das die Referenz für fast alle Metal- und Metalcore-Platten. Da muss sich der einzelne Hörer dann letztendlich mit auseinandersetzen und gucken, was er da raus zieht.

Markus: Und zu den Bands mit denen du euch vergleichen würdest?

Bernhard: Das ist schwierig... Totti, mit welchen Bands würdest du uns am ehesten vergleichen?

Totti: AT THE GATES

Bernhard: *lacht* Neee, ich weiß nicht. Das ist eine Frage, bei der ich mich sehr unwohl fühlen würde, wenn ich jetzt eine Band nenne, denn es müsste immer ein großes „aber“ dahinter kommen. Für mich als Menschen sind IRON MAIDEN natürlich zum Beispiel ein riesen Einfluss, was allein das reinkommen in diese Metalmucke angeht. Aber was die Sounds angeht weiß ich nichts, ich glaube dass überlasse ich auch den Leuten, die da mehr Ahnung von haben. Ich glaube als Mucker hat man natürlich auch wenig Abstand zu dem was man macht. Ich würde mich da jetzt nicht unbedingt zu einer eindeutigen Antwort hinreißen lassen, wenn das für dich okay ist.

Markus: Ich kann damit leben.

Bernhard: *lacht* Super.

Markus: Callejon steht für deutsche Texte, warum deutsch?

Bernhard: Ich weiß nicht, dass ist relativ zufällig entstanden, der Basti schreibt ja unsere ganzen Texte und er hat gemerkt, dass es schwierig ist als nicht perfekter Native-Speaker coole englische Texte mit Tiefgang zu schreiben ohne platt und aufgesetzt zu wirken. Er meinte dann, dass es ziemlich kacke für ihn sei, weil er immer mit seinem Dictionary da saß und nach Wörtern suchen musste. Wir haben dann mal seine deutschen Ideen ausprobiert und fanden es mega cool und haben uns dann gesagt, dass wir das ausweiten und öfters machen sollten. Letztendlich sind nun alle unsere Texte auf Deutsch und ich glaube mittlerweile ist das auch ein Markenzeichen für unsere Band und wenn wir jetzt mit englischen Texten um die Ecke kommen würden wäre das für uns extrem seltsam und die Leute die würden auch denken „was ist das denn jetzt?“.

Markus: Man hat es angefangen und zieht das jetzt durch

Bernhard: Jaja genau. Wir haben das angefangen und werden dass jetzt auch nicht mehr ändern.

Markus: Zu den Texten, die ein oder anderen, wie zum Beispiel „Dieses Lied macht betroffen“ sind sehr ernst und andere hingegen, wie „Sexmachine“ oder auf dem letzten Album „Porn From Spain“ mit Nico von K.I.Z. sind eher ironisch. Welche Texte vom neuen Album haben die meiste Aussagekraft?

Bernhard: Grundsätzlich zu den Texten des Albums ist zu sagen, dass sie düsterer, ernsterer, direkter und - naja - verzweifelter geworden sind. Diese augenzwinkernde, ironische Spaßkomponente ist zum Beispiel bei „Sexmachine“ noch drin aber ansonsten an den Rand gerückt. „Dieses Lied macht betroffen“ und „Sommer, Liebe, Kokain“ gehen ja beide in eine etwas ähnliche Richtung. Sie sind beide medienkritisch, gesellschaftskritisch angehaucht aber beide von einem persönlichen Standpunkt aus geschrieben. Ich mag die von „Videodrom“ und von „Gott ist tot“ mit am liebsten, da es sehr persönliche Dinge sind. Gerade „Gott ist tot“ handelt vom absoluten seelischen Nullpunkt, der geistigen Apokalypse. Es ist der Punkt, auch wenn es jetzt sehr pathetisch klingt, an dem du verstehst, warum Leute anfangen Drogen zu nehmen, weil sie auf ihr Leben nicht mehr klar kommen, was bei uns zum Glück nicht der Fall ist. Es ist in dem Sinne nur eine Momentaufnahme, aber es geht halt um existenzielle Einsamkeit und sich extrem verloren fühlen. Der Song geht sehr an die Nieren und wir versuchen den ganzen persönlichen Input, den wir reinbringen auch in den Text fließen zu lassen. Es ist quasi eine seelische Bestandsaufnahme.

Markus: Ihr werdet mittlerweile ja immer bekannter, wie viel Zeit nimmt denn die Band in eurem leben so ein?

Bernhard: Mehr Zeit als alles andere. Sowohl Beziehungen, Freunde Familie und Job beziehungsweise Studium stehen hinten an und die Band kommt wirklich als aller erstes und nimmt wirklich am meisten Arbeit und Zeit für sich in Anspruch. Das ist ein relativ hartes Brot. Für uns als Band ist es in letzter Zeit extrem gut gelaufen, aber wir haben auch gemerkt, dass gerade das letzte Album extrem an unseren Kräften gezehrt hat. Man war halt acht, zehn Stunden im Studio und kommt nach Hause und sieht die zweite Mahnung vom Telefon, dem Vermieter oder den Stadtwerken und denkst „scheiße wie soll ich mein Leben auf die Reihe kriegen?“, weil es nicht funktioniert Vollzeit zu arbeiten und in der Band zu sein. Zum Beispiel „Lass mich gehen“ ist auch ein Song auf dem Album, der genau diese Thematik behandelt. Vordergründig geht es vielleicht um ein Beziehungsding, aber eigentlich geht es um eine Beziehung von uns als Menschen zur Band und wir uns fragen ob diese Band diesen ganzen Scheiß noch wert ist. Sich also so den Arsch aufzureißen und alles quasi an diesen einen Traum zu hängen und das zu versuchen. So was ist halt eine extrem riskante Sache, auch wenn es sehr oft so rüberkommt als würden wir ein fettes Leben damit fahren, das ist halt nicht so. Alles was die Band bisher abgeworfen hat haben wir wieder in sie zurück gesteckt. Das ist halt ne Sache bei der wir uns teilweise gefragt haben wie macht man das in Zukunft, aber letztendlich wollen und können wir es auch gar nicht anders. Ich glaub das ist so ne Sache, die jedem Mucker anhaftet, dass er das was er macht auch wirklich mit Herzblut macht und auch nicht anders kann als das weiter zu machen. Das hat uns letztendlich sehr zusammengeschweißt. Und gerade auf der Tour merkt man auch was man von den Fans zurück bekommt und das macht uns auch extrem glücklich. Es ist eigentlich eine wahnwitzige Idee als Musiker heute, in der Zeit von Downloadportalen, es auf einem halbwegs professionellen Level zu schaffen und damit ein bisschen was zu reißen. Es ist ein bisschen wie bei Herr der Ringe, die Gemeinschaft des Rings und die müssen eine Mission erfüllen, die von vornherein ein absolutes Himmelfahrtskommando ist und sie glauben trotzdem dran und versuchen es. Vielleicht kommen wir mal an den Punkt, an dem wir nichts mehr geben können, aber solange bis wir nicht komplett am Ende sind werden wir dieses Bandding weiter machen. Der Support der Fans auf Tour ist quasi ein Treibstoff für uns.

Markus: Du hast gerade die Downloads angesprochen, wie seht ihr das? Seid ihr mehr so die „alle in den Knast!“-Fraktion, oder findet ihr es okay, wenn man mal was downloadet, solange man es auch kauft, wenn es einem gefällt?

Bernhard: Ich sag mal so, es ist natürlich schwierig, man kann das Downloaden nicht verhindern. Wir haben auch relativ junge Fans und die quasi, ich weiß nicht wie du bist?

Markus: Fast 21.

Bernhard: 21, ich bin 26, dass heißt du hast auch die gute CD Zeit noch irgendwie mitbekommen.

Markus: Ein paar hundert Stück im Schrank...

Bernhard: Sehr gut. Aber wir haben halt viele Fans, die sind gerade Mal fünfzehn, sechzehn und die kennen das gar nicht anders. Für die ist das ganz normal sich CDs runter zu laden. Wenn wir eine CD mögen wollen wir halt erstens die Band unterstützen und zweitens ist das für uns eine Wertigkeitssache. Wir wollen die Musik besitzen, wir wollen einen physikalischen Tonträger. Wenn man nur nen PC hat mit einer riesen MP3-Bibliothek, dann ist das nicht das gleiche wie ein voller CD-Schrank. Wir versuchen den Leuten zu viel wie möglich bei diesem CD-Format mitzugeben, ein cooles Artwork und fettes Booklet, ein Hörspiel, was wir zusätzlich produziert und so was. Es wird natürlich immer die Leute geben die die CD runterladen und die sich gar nicht bewusst sind, was sie nicht nur Callejon, sondern der ganzen Musiklandschaft antun. Letztendlich wird es keine CD Veröffentlichungen nicht mehr geben, denn ein Label muss nun mal Platten verkaufen und wenn es keinen Umsatz macht, kann es auch keine neuen Bands mehr signen. Die Verträge werden immer beschissener für junge Bands, weil sich das Label das Geld dann woanders holen muss. Das ist eine riesen Spirale und keiner weiß so richtig wo es hin geht. Ich weiß nicht, dass wird sich zeigen, aber ich kann den Leuten nur ans Herz legen nicht nur unsere CDs zu kaufen. Aber unsere CDs natürlich als aller erstes, aber kauft halt wirklich die CDs die euch gefallen. Ich verurteile niemanden, der etwas runterläd um in die Platte reinzuhören um dann das zu kaufen, was ihm gefällt. Das ist vollkommen okay, aber die die noch nie in ihrem Leben eine CD gekauft haben, die sollten sich mal überlegen, ob das wirklich so cool ist.

Markus: Ihr steuert da ja ein bisschen gegen, ihr habt ja die ganze CD auf MySpace veröffentlicht.

Bernhard: Ja, klar, dass war eine Woche vor Veröffentlichung und wir wussten sowieso, dass sobald die CD verkauft wird sie im Netz landet und dass kann man nicht verhindern. Die MySpace Qualität ist furchtbar, wenn sich Leute sich das da dann runterladen, dann kann ich nur hoffen, dass sie sich das woanders noch mal richtig runterladen oder es am besten kaufen. Wir haben uns dann gedacht, wenn wir dann schon auf Tour fahren, bevor die CD raus kommt, dann sollen die Leute einen Eindruck davon haben, was wir denn dann spielen werden. Damit wir nicht auf der Bühne stehen und die Leute hören die Lieder zum ersten Mal. Natürlich gibt es alte Songs, die wir spielen müssen, aber wir legen einen relativ großen Fokus auf das neue Material. Wir haben circa zwei Drittel neue Songs im Set und da macht es keinen Sinn, wenn die noch niemand schon mal gehört hat.

Markus: Was kann man von euch in nächster Zeit erwarten, also nach der Tour?

Bernhard: Ich muss ganz ehrlich sagen, dass unsere Planung mit dem letzten Date dieser Tour endet, zumindest was uns Mucker angeht, dass Management hat da vielleicht schon ganz andere Pläne. Direkt nach der Tour, also am Wochenende danach, haben wir direkt noch ein paar Dates und wir werden auf jeden Fall auch auf Festivals spielen. Momentan steht im Raum im Herbst noch mal auf Tour ins europäische Ausland zu fahren, wir gucken grade nach Spanien, Portugal und Frankreich. Im Prinzip das was Musiker immer machen: Auf Tour fahren, neue Songs schreiben und vielleicht noch ein neues Musikvideo zur aktuellen Platte.

Markus: Wie bist du zur Musik gekommen?

Bernhard: Callejon ist meine erste Band, ich hatte nie eine andere Band und habe vorher eigentlich kein Instrument gespielt, was erklärt, warum ich noch so schlecht bin.

Markus: Es reicht ja anscheinend.

Bernhard: Ja es reicht. Es reicht dafür, dass die Leute draußen damit zufrieden sind, ob man das selber auf der Bühne auch ist, ist was anderes. Wir versuchen natürlich immer weiter daran zu arbeiten. Prinzipiell war es so, dass Basti und ich einfach Lust hatten eine Band zu machen. Witzigerweise war Basti derjenige, der zu erst eine Gitarre hatte und ich hab gesagt „Alter, ich kann auf keinen Fall singen, dass mach ich nicht“ und er meinte, „okay dann sing ich halt“ und ich habe seine Gitarre genommen und einen zehn Watt Verstärker und er mit einem FisherPrice Mikro haben wir ohne was zu können rumgedudelt und gesagt wir sind eine Band, was natürlich zu zweit extrem super toll ist. Aber wir fanden uns extrem cool. Aber dann habe ich ein Jahr Gitarrenunterricht genommen und dann hatten wir irgendwann ein Line-Up und haben ein Schritt für den anderen eine Demo aufgenommen und einen kleinen Deal bei einem Indie Label bekommen. Es hat sich alles aus dieser Schnapsidee entwickelt.

Markus: Was wünscht du dir für Callejon für die Zukunft?

Bernhard: Ich fänd mega cool eine Tour in Australien oder Asien zu fahren. Freunde von uns, LONGING FOR TOMORROW, aus Aachen, waren gerade für einen knappen Monat in Brasilien auf Tour und die Leute sind extrem ausgerastet, weil sie auf europäische Bands stehen und die nicht furchtbar oft dahin kommen. Das wäre auf jeden Fall eine Sache auf die ich viel Lust hätte. Ein paar Mieten von der Band zu bezahlen ist auch ein Traum, aber da arbeiten wir im Moment ganz gut drauf zu, dass sieht also schon mal ganz gut aus.

Markus: Das wär’s dann von mir. Falls du noch etwas loswerden willst, lass ich dir das letzte Wort.

Bernhard: Danke erst Mal ganz herzlich für das Interview, noch mal sorry das du hier so lange rum stehen musstest, ohne das jemand von der Band da war. Wenn ihr Lust habt auf die Tour oder auf die Festivals zu kommen schaut mal vorbei, ansonsten riskiert mal ein Ohr für die neue Platte, ich glaube sie ist nicht ganz so scheiße geworden. Macht ansonsten wo ihr Bock drauf habt, nur werdet keine Nazis!