Im Rahmen des Motörhead-Konzertes in Köln letztes Jahr hatten wir die Möglichkeit mit Chris von Black Stone Cherry ein paar Worte zu wechseln. Jörg Litges von www.hooked-on-music.de hat im Rahmen eines Joint-Venture zwischen HOM und MetalViecher das Interview geführt.

J:  Heute ist das erste Konzert der Tour, seid ihr schon aufgeregt?

C:  Nein, nicht wirklich.. dieses Mal haben wir im Vorfeld schon genug gespielt und sind gut vorbereitet.

J:  "Motörhead", die deutsche Rockgruppe "Der W" und "Blackstone Cherry", ein seltsames Lineup findest Du nicht?

C:  Hm, ich habe vorher nie von der deutschen Band gehört. Aber ich kenne und mag viele Songs von Motörhead. Ich weiß nicht, ob wir in das Gesamtkonzept reinpassen, aber ich hoffe, dass die Leute es mögen werden. Welche Art von Musik macht "Der W" ?

J:  Stephan Weidner macht eher rockorientierte Musik, also geht es schon in Eure Richtung. Der Sänger ist als ehemaliger Frontmann der  "Böhsen Onkelz" ziemlich berüchtigt. Die sind hier ziemlich bekannt und haben eine ziemlich große Fangemeinschaft.  "Der W." ist sein Solo-Projekt.

C: Böhse Onkelz.. ok!

J: Inwiefern haben euch Bands wie Lynyrd Skynyrd, Led Zeppelin, ZZ Top oder Charly Daniels  beeinflusst?

C: Oh, diese Bands haben uns in der Tat sehr stark beeinflusst. Das ist die Art der Musik mit der wir aufgewachsen sind. Wie Du weißt, kommen wir aus dem Süden, wir haben also Southern Musik gehört. Dazu gehören auch die Bands die Du genannt hast, aber auch die Allman Brothers. Das hatte alles einen ziemlich großen Einfluss auf uns. Als wir angefangen haben, uns wirklich für Musik zu interessieren, war ich 10 Jahre alt, das war 1995.

J:  Ihr spielt ja eher den härteren Southern Rock. Fühlt Ihr Euch in der Gesellschaft von anderen härteren Bands wie The Cheaters oder den Beitthemeans wohl?

C: Weißt Du (lacht).. ich hab mir nie was von denen angehört.  Wir haben uns auch nicht als Southern Rock bezeichnet oder uns in irgendeine andere Kategorie gesteckt. Das überlassen wir den Leuten die unsere Musik hören und unsere Alben kaufen.  Wir waren immer schon Black Stone Cherry und machen die Art von Musik mit der wir uns gut fühlen. Und wenn wir etwas härter sind als Lynryrd Skynyrd, dann ist das halt so. Es gibt sicher auch Bands in der Richtung die noch härter sind als wir.

J: Und ist da noch Raum nach oben und unten für Euch? Also, dass Ihr noch härtere Songs oder vielleicht auch was Leichteres macht?

C: Ja, den Raum gibt es immer. Auf der neuen Scheibe zum Beispiel werden  wir wesentlich härter drauf sein als auf unserem ersten Album.  Aber wir versuchen, da schon so die Waage zu halten. Es wird immer Songs geben die etwas impulsiver sind.

J: Ihr habt da ein paar schöne Balladen.. "Things my father said" zum Beispiel. Hast Du die geschrieben?

C:  Die haben wir zusammen geschrieben.

J: Ist die Ballade autobiografisch?

C:  Nein.. aber einige unserer Freunde zuhause in Amerika haben Ihre Väter verloren, als sie noch sehr jung waren.  Die Ballade wurde also eher von Ihnen inspiriert.

J:  Du hast es ja gerade schon erwähnt… Ihr arbeitet an einem dritten Album?

C: Naja… es ist geplant, aber wir haben noch nicht angefangen.  Wir kommen am 13.12. nach Hause, dann kommt noch Weihnachten und das neue Jahr.. Dann werden wir mit dem Schreiben beginnen und ins Studio gehen.

J: Fühlt ihr euch in eurer Kreativität eingeschränkt oder unter Druck gesetzt? Ich seit schließlich ein Act, der davon lebt Platten aufzunehmen.  Ist es schwerer als vorher, als ihr noch keinen  Plattenvertrag hattet?

C: Nicht wirklich, ich meine, wir werden eh bis zum Ende die Songs schreiben die uns gefallen. Von daher gibt es da keine großen Probleme.  Natürlich gibt es schon mal Druck vom Label, aber  das belastet uns jetzt nicht so sehr.  Wenn einen sowas zu sehr beschäftigt und man sich davon auffressen lässt, schreibt man nicht mehr die Songs, die man schreiben sollte.

J: Aber die Labels  versuchen nicht euch z.B. in die Country-Schiene zu drücken?

C: Es ist schon so, dass die Labels einem sagen, was sie meinen wie man klingen sollte. Man muss dann schon mal für seine eigenen Werte einstehen und Nein sagen.

J:  Du hast uns ja vorhin schon gesagt mit welcher Musik du aufgewachsen bist. Lernst du immer noch von den Bands vom alten Schlag?

C: Natürlich! Da ist ein niemals enden wollender Strom von guter  Musik, die einen immer wieder inspiriert. Das Traurige daran ist eigentlich, dass man dafür schon bis zu 30 Jahre in die musikalische  Vergangenheit zurück gehen muss.  In den 80ern und 90ern gab es meiner Meinung nach vielleicht eine Hand voll guter Bands. In den 60ern und 70ern sieht das schon anders aus. Die beste Musik kommt aus der Zeit.  Es ist schade, dass immer mehr Bands unserer Generation die alte Musik gar nicht mehr kennen.

J: Was war eure Intention als Ihr die Band gegründet habt? Wolltet Ihr eine berühmte Band werden?

C:  Wir wollten einfach nur Musik machen. Ich meine, das berühmt werden war ein netter Bonus.

J:  Hast Du dir das Rockstar Leben so vorgestellt wie es jetzt ist?

C: Es ist schon hart.. man muss dafür gemacht sein. Wir haben zuhause 2 Benefizkonzerte für Kinder gespielt, die wir jedes Jahr spielen. Das war freitags und samstags. Sonntags mussten wir schon wieder im Flugzeug sein und waren natürlich total gerädert. Dieser Lifestyle ist vielleicht nicht der tollste.. aber definitiv auch nicht der schlechteste.  Wir sind keine super-berühmte Band.  Wir sind eher so "mittelberühmt". Wir können noch überall hingehen, wo wir hingehen wollen. Es ist aber teilweise schwer, weil wir so oft von zuhause Weg sind. Wir hatten in 2 Jahren vielleicht 25 Tage Urlaub. Das ist schon heftig.

J: Vielen Dank für das Interview, Chris!