Kurz vor ihrer Kölner Show am 18. November 2009 in der Live Music Hall auf der Tour mit Shinedown hatte ich die Möglichkeit mich mit Adam Zadel, dem Gitarristen von SOiL, über deren im Oktober 2009 erschienenes Album „Picture Perfect“ zu unterhalten.

Markus (MetalViecher.de): Hallo, willkommen in Deutschland!

Adam (SOiL): Danke!

Markus: Was möchtest du unseren Lesern und euren Fans über euer neues Album „Picture Perfect“ erzählen?

Adam: Ah, hmm, es ist weicht sicherlich von unseren älteren Alben ab. Wir haben uns beim Schreiben viel Zeit genommen. Es gab sicherlich viele Veränderungen, welche sich schon bemerkbar machten, bevor das Album geschrieben wurde. Offensichtlich wurde „True Self“ sehr schnell geschrieben, nachdem unser erster Sänger Ryan die Band verließ. Deshalb hatten wir wenig Zeit uns mit unserem neuen Sänger AJ zu entwickeln, bevor „True Self“ erschien. Er musste sich direkt richtig einarbeiten, da wir kurz darauf schon auf Tour waren. Nach dieser Tour wollten wir uns erst einmal neu sortieren und haben alles etwas langsamer angehen lassen. Es sollte etwas geplanter, naja eigentlich nicht geplanter, sondern eher natürlicher vonstatten gehen. Wir haben uns dann beim Schreiben viel Zeit genommen und ich denke dieser ganze Prozess hat uns sehr zusammengeschweißt. Bei „Picture Perfect“ mussten wir keinem strengen Zeitplan folgen, wir mussten nicht schnell etwas veröffentlichen um wieder auf Tour gehen zu können. Wir wollten sicherstellen, dass wir ganz hinter der neuen Veröffentlichung stehen und unser ganzes Herzblut darin steckt. Also haben wir über zwei Jahre an dem neuen Material gearbeitet. Während dieser Zeit haben wir viele verschiedene Stile und Wege ausprobiert. Es hat uns ziemlich viel Spaß gemacht, dass wir uns einfach zurücklehnen konnten, ohne die ganze Zeit den Stress zu haben ein neues Album, mit dem man touren könnte, veröffentlichen zu müssen. Wir haben also eine ganze Menge Lieder geschrieben, die stilistisch teilweise sehr auseinander gingen. Im Endeffekt haben wir uns für die stärksten entschieden, bei denen wir uns sicher waren diese aufnehmen zu wollen, weil sie die Band und den Weg den wir einschlagen wollen repräsentieren. Ich denke dies fasst gut zusammen, von wo wir bei diesem Album kommen und unseren musikalischen Standpunkt, sowie unsere Entwicklung in der letzten Zeit.

Markus: Okay, wenn man euch zu euren musikalischen Vorbildern befragt antwortet ihr meist mit Klassikern, wie zum Beispiel Mötley Crüe oder Alice In Chains, aber wenn ich dich zu den Einflüssen befrage, welche zu dem „Picture Perfect“ geführt haben wie es ist, würdest du dann mit den selben Bands antworten, oder gab es andere, neue Einflüsse?

Adam: Ehrlich gesagt gab es keine besonderen Einflüsse und das war wirklich eine coole Sache bei diesem Album. Es war  nicht einfach in einer kurzen Zeit, wie zum Beispiel drei Monaten, geschrieben in der wir das neue In Flames Album hörten und dann alle Songs super heavy wurden. Es wurde in einer relativ großen Zeitspanne geschrieben, da ist zum Beispiel dieser Song „Too Far Away“, zu dem ich die Musik schon vor ungefähr fünf oder sechs Jahren geschrieben habe. Es hat sich einfach so ergeben, dass wir uns dazu entschlossen genau diesen Song für die neue Veröffentlichung auszuwählen. Es gibt also wirklich keine speziellen Einflüsse. In den letzten zwei Jahren trafen wir uns drei bis vier Tage pro Woche um zu proben. Wir mussten zu uns selbst neu definieren und haben die ganze Geschichte nicht wie einen Job gesehen, wo wir nach jedem Treffen etwas geschafft haben mussten. Wir hatten immer kaltes Bier und unterhielten uns. An manchen Tagen haben wir unsere Instrumente nicht einmal angefasst, aber es gab auch die Tage an denen wir nach einigen Bier einen ganzen Song fertig geschrieben hatten. Es hat uns viel Spaß gemacht das neue Album auf diese Art und Weise anzugehen.
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Markus: Das ist cool, hast du irgendwelche Lieblingslieder auf dem neuen Album?

Adam: Hmm ... mein Favorit ... Also zum Beispiel „Anymore“ ist ein richtig cooles Lied, es ist ziemlich anders, verglichen mit dem was wir bisher gemacht haben, es ist etwas … naja wie Grunge. Auch finde ich „Too Far Away“ wirklich herausragend, da ich denke, dass der Songtext mit seiner tiefgründigen Story die meisten Hörer anspricht und dass sich viele mehr oder weniger damit identifizieren können. Das ist für mich sehr wichtig. Im Großen und Ganzen kann ich von keinem Lied sagen, dass ich es nicht mag. Ich vermute, dass ist eine sehr unbefriedigende Antwort.

Markus: Schon okay. Welches neue Lied kommt live bei den Fans am besten an?

Adam: Bisher haben wir einige der neuen Songs gespielt und bisher ist alles gut angekommen. Wir sind in der Situation, dass das Album gerade vor drei oder vier Wochen erschienen ist, deshalb probieren wir momentan noch sehr viel aus. Das neue Material ist ja auch sehr unterschiedlich, also da gibt es zum Beispiel die Ballade „Surrounded“. Es ist das erste Mal, dass wir ein so langsames Lied spielen. Es ist sehr ungewohnt und man denkt sich nur „oh mein Gott ist das ungewohnt“, aber es hat bisher wunderbar funktioniert. Und auf der anderen Seite haben wir zum Beispiel „Like It Is“ einen typischen SOiL-Song mit einem richtig guten Refrain. Wir haben auch „Picture Perfect“ schon gespielt und alles läuft wirklich richtig gut, es macht wirklich Spaß.

Markus: Das erste was ich beim Hören von „Picture Perfect“ merkte war die Tatsache dass es ein breites Spektrum zwischen ruhigen und harten Liedern, wie zum Beispiel „Tear It Down“ gibt. War das von vornherein so beabsichtigt oder ist es einfach so passiert?

Adam: „Tear It Down“ haben wir in der anderen Nacht gespielt, es ist ein guter Song. Die Lieder reflektieren einfach was wir mögen. Wir wollten kein ruhiges oder hartes Album schreiben, es sollte einfach darstellen was wir selber hören und das ist nun mal bunt gemischt. Man kann sagen es repräsentiert die Gesamtheit dessen was wir mögen und die generellen Einflüsse bei diesem Album.

Markus: Plant ihr ein Musikvideo zu einem Stück der neuen Platte?

Adam: Es wird sicherlich eins geben. Wir wissen noch nicht genau zu welchem Lied, aber wir sammeln momentan jede Nacht Aufnahmen von dieser Tour. Wir werden also hoffentlich bald eine Art Zusammenschnitt unter ein Lied packen. Das wird cool.

Markus: Im November 2007 habt ihr euch von Shaun Glass getrennt, aus welchem Grund habt ihr ihn nicht durch einen neuen Gitarristen ersetzt?

Adam: Ehrlich gesagt war es einfach nicht notwendig, das Schreiben der Songs ist uns viel einfacher gefallen, da wir nicht mehr so stark an unseren bisherigen Pfad gebunden waren und beim Schreiben der Lieder eben dieser Mix entstand. Ich konnte einfach schreiben und spielen was ich wollte und wir müssen nicht mehr zwei Gitarren und den Bass in Einklang bringen. Nun ist es viel einfacher, der Bass macht sein Ding, die Gitarre macht ihr Ding und auch das Schlagzeug tut dies. Es gab uns beim Schreiben eine größere Freiheit. Also ich liebe es und finde es fantastisch, wir sind alle glücklich, so wie es momentan ist.

Markus: Das neue Album sollte eigentlich bei „Driven Music Group“ erscheinen, aber letztendlich erschien es bei „AFM“ bzw. „Bieler Bros.“. Warum habt ihr euch von „Driven Music Group“ getrennt bevor ihr auch nur eine einzige Veröffentlichung dort hattet?

Adam: Das neue Album hat viel Zeit in Anspruch genommen und als es auf das Ende zuging haben sie sozusagen ihr Label umstrukturiert. Naja es war mehr so, dass unsere Ideale nicht ganz zusammenpassten, sodass wir uns freundschaftlich trennten. Jeder hat zurückgegeben was er vom anderen erhalten hatte, es war ein sehr sauberes und nettes Ende.

Markus: Jedes eurer Alben muss sich an eurem ersten großen Album „Scars“ messen. Würdet ihr es lieber sehen, wenn man eine neue Scheibe von euch immer als eigenständig betrachten würde, ohne sie mit „Scars“ zu vergleichen?

Adam: Wir wissen das und damit müssen wir halt umgehen. Natürlich wäre es schön wenn jedes Album für sich gesehen wird, aber jeder Mensch vergleicht. Es ist natürlich auch so, dass die Fans die man sich mit einem bestimmten Album gemacht hat besonders stark vergleichen. Wir wissen das und das ist auch in Ordnung so, wir spielen die alten Songs ja nach wie vor. Wir ermutigen nur alle Fans sich auch mal die neue CD anzuhören. Das Feedback was wir bisher erhalten haben war sehr gemischt, aber viele sagen, dass wir uns entwickelt haben. Natürlich nimmt man nicht zwangsläufig alle Fans mit, wenn man sich entwickelt, aber es gibt natürlich immer Platz für neue Fans. Wir heißen jeden herzlich willkommen.

Markus: Was sind eure Pläne für die Zukunft? Ich denke da zum Beispiel an eine DVD oder ein Livealbum.

Adam: Also das Album ist so neu, dass wir uns momentan einfach auf die bevorstehenden Auftritte konzentrieren, die wir natürlich so gut es geht absolvieren wollen. Wir sammeln momentan viel Material und möglicherweise wird es in einem halben Jahr oder so eine DVD, wer weiß.

Markus: Ich bin ja gespannt wie ihr live so seid, im Internet heißt es ihr seid eine gute Liveband.

Adam: *lacht* Ich glaube das liegt im Auge des Betrachters.

Markus: Naja, in anderthalb Stunden weiß ich mehr. Wann hast du entschieden Musiker zu werden?

Adam: Ich mochte es schon als Kind, ich weiß noch, dass ich meine Mutter immer mit meinem Gitarrenwunsch genervt habe. Sie ließ mich Gitarrenunterricht nehmen, als ich acht oder neun war und ich habe es gehasst. Es gab immer nur diese beschissenen Lieder, die ich niemals kannte und dann habe ich es aufgegeben. Als ich dann um die 13 war habe ich mir mal die CD-Sammlung meines Bruders angesehen und ich erinnere mich daran, dass ich das Cover des Ozzy Osbourne Tribute Album wahnsinnig cool fand. Es war das coolste was ich je gesehen hatte und sofort wollte ich wieder eine Gitarre haben. Kurze Zeit später hing ich mit ein paar Freunden bei einem Kumpel ab. Er hatte eine minderwertige E-Gitarre und ich fragte ihn: „Hej, du hast’ ne Gittare, willst du dafür haben? Ich geb’ dir Geld dafür! Was willst du haben?“ Ich habe sie letztendlich für 50 Dollar gekauft und zu Hause direkt mit dem Üben begonnen. Eines der ersten Riffs, die ich lernte war „Crazy Train“ und für einen Anfänger ist das ein wirklich schwieriges Riff. Es ist eine coole Geschichte, ich mag sie.

Markus: Was war bisher dein bester Auftritt?

Adam: Ohh, dass ist eine schwierige Frage, wir haben richtig viele gute Shows gespielt und die größte muss ja nicht zwangsläufig die beste sein. Wir hatten viel Spaß, es ist wirklich schwer zu beantworten. Eine echt coole Sache war eine Tour mit Ozzy Osbourne, kurz nach dem Durchbruch mit „Scars“. Es war eine der ersten Shows der Tour, es gab nur Ozzy Osbourne, Rob Zombie, Mudvayne und SOiL. Es war also keins dieser aufgeblasenen Festivals mit 100 Bands, das war echt hardcore. Am zweiten Tag dieser Tour gingen wir raus für eine Autogrammstunde und als ich die Tür öffnete stand dort Ozzy, der uns einfach nur „hi“ sagen wollte, so wie er es bei so Bands immer macht. Ich war total perplex und stotterte nur vor mich hin „I... Ich ... ich weiß nicht w... w... as ich sagen soll. Er ist da ... direkt da...“. Im Endeffekt waren alle sehr nett, aber es war unsere erste große Tour und es war echt der Wahnsinn. Vielleicht sollte ich das nennen, aber wie gesagt genau kann ich dir das nicht sagen, wir hatten so viele tolle Auftritte. Meistens antwortet man auf so eine Frage ja mit den richtig großen Shows, wie zum Beispiel Rock am Ring oder Rock im Park, das Download in England oder die anderen großen Shows drüben in den USA. An die denke ich natürlich auch, aber wie ich soeben gesagt habe ist einer meiner Haupteinflüsse Ozzy Osbourne und wenn das eine der ersten großen Touren ist, dann ist das etwas ganz besonderes.

Markus: Und der schlechteste Auftritt?

Adam: Oh, da gibt’s auch einige... *lacht*

Markus: Einer reicht.

Adam: das war vermutlich noch vor unserem Plattendeal, als wir in Springfield, einer Stadt in Illionois, dem Staat in dem wir leben, spielten als die ganze Technik versagte und das Schlagzeug buchstäblich in Einzelteile zerfiel und alles total krank war. Wir haben nur drei Songs gespielt, bevor wir von der Bühne gegangen sind, es war eine einzige Katastrophe. Das war vermutlich einer der schlechtesten Auftritte, aber das ist nun wirklich lange, lange her. Aber es gab noch andere schlechte, wenn man in einem Club kommt und nur zwei Personen vor der Bühne stehen. Im Großen und Ganzen sind wir da ganz gut durchgekommen und solang wir tun was wir lieben ist ja alles gut.

Markus: Was denkst du über Musikdownloads? Vertrittst du mehr die Meinung, dass alle in den Knast gehören, oder bist du der Ansicht, dass etwas downloaden in Ordnung ist, solange man auch kauft was einem letztendlich gefällt?

Adam: Das ist eine gute Frage. Hauptsächlich mache ich die Musikindustrie dafür verantwortlich, denn die hätten es besser wissen müssen. Sie hätten es schon lange vorher erkennen und in Internetmarketing investieren müssen. Das haben sie leider verpasst. Sie hatten das Geld um es in Forschung und Marktanalyse zu stecken, aber sie haben es nicht getan. Jeder im Geschäft unter ihnen hat es kommen sehen, aber sie selber waren einfach zu blind. Vom heutigen Standpunkt ist eine Beurteilung schwierig, es ist die menschliche Natur etwas zu nehmen, was man kostenlos bekommen kann. Wir müssen nun halt akzeptieren wie es ist und ich kann nur sagen, dass es wichtig ist, dass wenn man eine Band mag, und das gilt natürlich nicht nur für meine, diese das auch wissen lässt und sie finanziell unterstützt. Denn Geld regiert die Welt und das gilt auch für Bands. Und selbst wenn du eine CD vor einem halben Jahr runtergeladen hast und dir denkst „Hej die sind verdammt gut“, dann tu der Band einen Gefallen und unterstützte sie dabei weitere Alben aufzunehmen, indem du dir das Album doch noch kaufst. Und das ist das was für mich zählt, ich möchte nicht auf Menschen herabsehen die downloaden, aber wenn man etwas mag was andere tun muss man es ihnen auch zeigen und sie unterstützen. Sei es durch Merchandisingartikel oder Eintrittskarten für Konzerte.

Markus: Passend zu Weihnachten: Was wünscht du dir für SOiL für die Zukunft?

Adam: Ich weiß nicht, wohl, dass wir einfach so weitermachen wie bisher und bekannter werden. Wir planen momentan eine Tour um wieder nach Europa zu kommen. Ich hoffe das klappt für den frühen Frühling. Hoffentlich sehen wir dich wieder.

Markus: Das würde mich auch freuen. Möchtet ihr diesmal eine Headlinertour machen?

Adam: Das wissen wir noch nicht, es könnte eine Headlinertour werden, aber wir arbeiten generell an einer Tour und ob wir Headliner werden oder noch nicht wird sich herausstellen.

Markus: Das wär’s von meiner Seite. Danke für das Interview! Ich wünsche euch eine gute Show und alles Gute für die Zukunft.

Adam: Danke, großartig. Bis bald.

Markus: Bis bald.

 

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Setlist SOiL vom 18.11.2009 in der Live Music Hall in Köln:

Breaking It Down
Lesser Man
Picture Perfect
True Self
Surrounded
Like It Is
Halo

 

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Interne Links:
Fotos: Live Music Hall, Köln am 18.11.2009
CD-Review: Picture Perfect (2009)

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