Pär Sundström spielt Bass bei Sabaton, wünscht sich eine Klimaanlage im Tourbus und mag Energydrinks.

Insa: Das neue Album ist also draußen. Was hat euch dazu inspiriert alte chinesische Kriegsinstruktionen mit Liedern über z.B. den 2. Weltkrieg zu schreiben?

Pär: Weil das Album auf dem Buch basiert, das 600 b.c. geschrieben wurde. Das Buch ist ein Handbuch für die Kriegsführung. Es wird seit Jahren immer wieder gedruckt und war schon immer relevant. Darum passte es perfekt in den Sabatonkontext das Buch als roten Faden für das Album zu benutzen.

Insa: Krieg passt immer, ne?

Pär: Ja. Krieg passt immer bei uns und das Buch war wirklich perfekt um drüber zu schreiben. Es ist cool.

Insa: Wusstest du, dass auch japanische Manager oft dieses Buch lesen müssen für ihren Job?

Pär: Ja, weiß ich. Und es wird auch in einigen amerikanischen Colleges und Militärschulen gelesen. Es ist ein wichtiges Buch.

Insa: Die meisten eurer Lieder handeln von Krieg. Habt ihr alle in Schweden Wehrdienst geleistet? Der ist in Schweden doch Pflicht, oder?

Pär: Nur zwei von uns. Die anderen von uns wurden ausgemustert. Also, ich hab zum Beispiel nen kaputten Rücken, der eine war allergisch auf was und der andere hatte schlechte Augen… Nunja. Darum hab ich’s nicht gemacht. Nur zwei von uns haben Wehrdienst geleistet.

Insa: Musstet ihr irgendwas anderes statt dessen machen? Zivi oder so?

Pär: Nee, wir haben statt dessen Heavy Metal gespielt!

Insa: Eine gute Alternative!

Ich habe den Eindruck, dass ihr den 2. Weltkrieg, Deutsche und Nazis für eure Songs mögt. Aber in einem Song des neuen Albums heißt es, dass die deutsche Armee fast tot ist. Heißt das, das war’s mit den Nazis?

Pär: Nein, nunja. Was die Zukunft bringt, ist schwer zu sagen. Es ist etwas über das wir auch auch vorherigen Alben gesungen haben. Der erste und zweite Weltkrieg sind zwei sehr wichtige historische Events des Jahrhunderts. Es gibt viele interessante Geschichten, viele Fakten und sehr viel zu lesen. Es ist sehr interessant sich darüber zu informieren und zu lesen. Darum haben wir uns entschlossen das Album darauf zu fokussieren.

Insa: Das heißt also, bei euch geht’s geschichtlich weiter…

Pär: Es muss nicht, aber… wir wissen noch nicht wie Sabaton sich entwickeln wird. Aber wir singen über Krieg – und dafür sind wir bekannt. Ich glaube, dass wir das auch weiterhin machen werden. Oder aber, wir machen etwas komplett anderes. Allerdings glaube ich nicht, dass man irgendwann ein Sabaton Fantasy Album finden wird. Es gibt andere Bands, die so was besser machen können als wir. Das ist nicht so ganz unser Interessengebiet.

Insa: Ihr mögt also lieber das Reale!

Pär: Genau.

Insa: Habt ihr einen Geschichtsexperten in der Band? Hat wer von euch Geschichte studiert? Nur um sicher zu gehen, dass ihr nicht irgendwann ein Lied über den deutsch-brasilianischen Krieg schreibt…?

Pär: Es gibt viele Informationen zu den meisten Ereignissen. Das Internet ist eine gute Quelle…

Insa: Aber doch sehr voreingenommene Informationen…

Pär: Ja, ich meine, man muss alles in einem Buch nachprüfen. Es gibt immer zwei Seiten einer Geschichte. Eine von jeder Seite. Und je nachdem welche man liest, so findet man auch alternative Beschreibungen. Darum muss man immer genau nachlesen. Vielleicht sind nicht alle Dinge die wir besingen korrekt, aber wir tun unser Bestes!

Insa: Aber keiner von euch hat es studiert?

Pär: Ich habe viel Geschichte studiert, aber in Schweden lehrt man eine andere Art der Geschichte. Aber ich finde es interessant und lese ziemlich viel.

Insa: Eure Musik ist so fröhlich verglichen mit den Themen, die ihr behandelt. Das Publikum springt drauf an. Aber wie seid ihr auf die Idee gekommen, nun ja „Lasst uns ein fröhliches Lied singen… mit toten Leuten und so“?

Pär: Die Idee hatten wir, als wir „Primo Victoria“ hatten, das Lied… Aber noch keinen Text! Wir wussten halt nicht worüber wir singen sollte. Wir dachten uns, es müsse etwas kraftvolles sein, etwas von dem die Leute wissen! Wenn man über Krieg singt, hat so ziemlich jeder Mensch auf de Planeten Gedanken dazu. Gut, schlecht oder schlechter. Aber jeder hat Gedanken dazu. Und wir dachten, wenn wir darüber singen, werden Menschen sich berührt fühlen. Über Motorräder zu schreiben, darüber Sex mit Mädels zu haben… das würde wenig Menschen bewegen. Wir dachten, so werden wir eher bemerkt. Manche Leute werden sauer darüber und manche mögen es.

Insa: Eure Texte sind aus vielen verschiedenen Perspektiven. Als Schwede berührte es dich der Krieg zwischen Russland und Finnland vielleicht nicht all zu sehr. Und doch singt ihr darüber.

Pär: Viele Schweden haben Finnland damals geholfen… Und als Nachbar Finnlands berührte uns das schon.

Insa: Schwedisch ist auch Finnlands zweite Sprache.

Pär: Ich weiß, dass es in Finnland viele Leute gibt, die schwedisch sprechen.

Insa: Und die finnische Nationalhymne wurde auf Schwedisch von einen Herrn namens Runeberg geschrieben.

Pär: Das wusste ich noch nicht!

Insa: Auf der anderen Seite habt ihr auch Lieder, die nicht von Krieg handeln. Wie Metal Machine oder Metal Crüe. Is das ein Tribut an eure Lieblingsbands oder einfach der Versuch möglichst viele Bandnamen in ein Lied zu stopfen?

Pär: Tribut – Vielleicht. Aber nicht alle Bands im Text sind unsere liebsten Bands. Manche passten halt nur grade rein. Ich mein, man kann ja nicht einfach nur alles aneinander reihen, es sollte ja auch Sinn machen. Unsere Lieblingsbands sind selbstverständlich mit drin, aber eigentlich sollte es nur ein Partylied sein. Denn letztendlich – auch wenn wir über all diese schlimmen Dinge singen, Tod und Trauer – sind wir eine Party Band! Das ist auf der Bühne ja offensichtlich und wir wollen darauf auch den Fokus halten: Dass wir Party machen. Wir sind keine todernsten Kriegsfanatiker. Wir sind eine Heavy Metal Party Band!

Insa: Ihr verbringt ja auch ziemlich den Rest des Jahres auf Tour. Gibt es eine Show auf die ihr euch besonders freut?

Pär: Es sollte diese (Release Show) hier sein, unsere größte Headliningshow bisher. Und es ist toll hier. Essen ist ein Zentrum für Metal- und Sabatonfans. Darum ist es hier perfekt. Ich freue mich sehr drauf. Und auf die schwedische Releaseshow in Falun auch. Dort werden wir eine DVD aufnehmen und ne ganze Menge anderer Sachen. Hätte mich vor zehn Jahren jemand gefragt, ob wir mal auf Wacken spielen würden, hätte ich mit „Ich glaube kaum.“ geantwortet. Und nun spielen wir auf Wacken. Und auch auf dem Graspop Metal Meeting.  Es gibt viele Dinge, auf die wir uns freuen können. Wir haben bald eine sehr besondere Show in Israel, wo wir auch einen besonderen Gast haben werden. Der Abend wird einzigartig. Einer unserer größten Idole der Vergangenheit wird unsere Lieder auf der Bühne singen. Das wird ein phantastischer Abend!

Insa: Weißt du wie viele Leute heute abend hier sein werden?

Pär: Ich weiß es nicht genau, aber der Vorverkauf war um die 700 Tickets.

Insa: Was für Shows mögt ihr lieber? Große Shows wie Wacken, oder lieber kleinere wie zum Beispiel das Dong Open Air?

Pär: Die Größe hier ist perfekt. Die Bühne ist groß genug für einen guten Auftritt und trotzdem nahe genug an der Menge. Mit einem Publikum von 20 000 Leuten ist es sehr schwer persönlich zu sein. Das ist ein Problem. Aber hier, für mich ist das perfekt. Die Leute sind hier und kennen unsere Lieder. Sie laufen nicht nur mal auf einem Festival an einer Band vorbei um zu gucken, sie sind für uns da. Diese Shows sind von der Größenordnung am besten. Genug Platz auf der Bühne und ein tolles Publikum. Alles super!

Insa: Also ist es am besten, wenn die Leute nur für euch kommen?

Pär. Es gibt immer zwei Perspektiven. Auf einer Seite könnten wir dauern Headliner Shows spielen. Aber wir würden als Band nicht wachsen. Wir würden immer in den gleichen Clubs spielen, uns nicht entwickeln. Aber auf Festivals können uns Leute sehen, die sonst nicht auf uns gestoßen wären und das ist die beste Promotion, die man kriegen kann. Für Sabaton sind so Festival überlebenswichtig.

Insa: Letzte Worte?

Pär: An die Leute, die das hier lesen. Ich möchte, dass ihr das Album genau anhört. Viele Leute behaupten, Sabaton würden traditionellen Powermetal spielen. Das ist nicht wahr. Traditioneller Powermetal hat meisten sehr hohe Vocals. Das ist bei uns nicht so. Darum kann man schlecht sagen “Oh, die spielen traditionellen Powermetal!“ Denn das ist missverständlich für das Album. Ich hoffe, dass jeder seine eigene Chance wahrnimmt und sich anhört, was für Musik wir wirklich spielen.

Insa: Tack så mycket! (Vielen Dank!)

Pär: Tack så mycket!