Während im Hauptzelt Dark Age ihre Riffs in die Menge prügelten, trafen sich Willy und ich mit einigen Mitgliedern von Van Canto für ein kleines Interview. (Ross und Sly waren irgendwo auf abwegen auf dem Festival Gelände.)

Willy: Auf dem Bochum Total hat man euch ja schon gesehen und ihr hattet auch noch einen weiteren Auftritt auf dem Rock Harz. Wie waren die Auftritte für euch im Vergleich zum Dong?

Stef: Bochum Total war unser erster Gig, wie das halt nun mal so ist, und das Rock Harz war musikalisch und vom Publikum her gut, aber es war nicht ganz so voll. Hier auf dem Dong war das Zelt voll und alle fanden es geil. Das war so mit unser bester Auftritt bisher.

Willy: Wie waren die Resonanzen die Ihr auf euer Projekt erhalten habt? Nur positiv oder waren da auch Leute bei, die nichts mit dem Projekt anfangen konnten?

Stef: Die gehen dann wahrscheinlich einfach, es kam also keiner zu uns und meinte "Ich fand euch aber Scheiße..."

Inga: Bei anderen Bands hat man das öfter mal, dass wer ankommt und sagt „ich fand einiges gut, aber ein besonderes Bandmitglied passt mir nicht so ganz. Bei Van Canto ist das irgendwie anders, entweder die Leute finden es geil und sagen das dann auch oder sie gehen einfach.

Stef: Der klassische Deathmetaller würde wahrscheinlich eh nicht zu uns ins Zelt kommen.

Willy: Wie seid ihr auf die Idee gekommen A Capella Metal zu machen? Wer war der Urheber der Idee, Metal ohne Instrumente zu machen?

Stef: Ich weiß es gar nicht mehr so genau, ich weiß nur noch dass der Wunsch da war, was Neues zu machen, etwas wo auch Melodie, Bombast und Kitsch einfließen können. Das geht bei True und Powermetal nunmal am besten und da es da schon einige Bands gibt, muss man schon etwas Besonderes machen um aus der Menge hervor zu stechen.

Willy: Und wie sind eure Pläne für die Zukunft? Plant ihr etwa schon ein zweites Album?

Stef: Ein zweites Album werden wir auf jeden Fall herausbringen, da wir gemerkt haben, dass das, was wir machen, sehr gut ankam. Wie das Ganze dann ablaufen wird, ist momentan allerdings noch in Verhandlung. Ich rechne allerdings damit, dass es nicht mehr allzu lange dauern wird, eventuell gibt es schon dieses Jahr ein zweites Album.

Marcus: Das klingt doch schonmal nicht schlecht. Live seid ihr ja momentan noch nicht ganz so stark vertreten, sind da noch weitere Konzerte in Planung?

Stef: Ja, auf jeden Fall! Als wir die Termine klar gemacht haben, waren wir ja noch total unbekannt, das hat sich ja nun geändert. Wir spielen jetzt erstmal die Gigs die schon bekannt gegeben wurden, unter anderem im Dezember mit Nightwish und dann werden wir weitersehen.

Marcus: Wie seid ihr eigentlich an die Gigs mit Nightwish gekommen? Das ist ja schon ne Nummer größer als es für Newcomer Bands üblich ist.

Stef: Die Agentur, die das Bochum Total veranstaltet, hat uns eben dort gesehen, und anscheinend haben wir denen gefallen, denn der Nightwish Termin wurde dann sofort fest gemacht.

Marcus: Wie wärmt Ihr euch eigentlich für die Livegigs auf? Habt Ihr da eine spezielle Technik?

Stef: Im Normalfall singen wir mindestens ein bis zwei Songs zusammen, nachdem jeder seine
eigenen Übungen gemacht hat. Dieses Mal haben wir uns genau genommen nicht lange genug
aufgewärmt. Das macht bei einem Gig nichts, aber wenn man mehrere in Folge spielen muss,
sollte man auf so was schon achten, da sonst nachher die Stimme weg ist.


Willy: Ihr habt also schon den Anspruch, das so professionell durchzuziehen, dass ihr auch eine komplette Tour durchhalten könntet?

Stef: Klar, dass wäre das Ziel, aber vielleicht rede ich da anders drüber, wenn der erste mit Vollgrippe im Bus liegt und alle anderen ansteckt ;)

Willy: Wie seid ihr auf die Idee gekommen Van Canto hauptsächlich über das Internet zu bewerben? Ich hatte so den Eindruck, dass ihr eindeutig auf Online-Medien setzt, z. B. YouTube. Ihr seid da eine der wenigen Bands die auch auf DRM verzichtet.

Stef: Eigentlich liegt das recht nahe, denn wir haben das Album und das Video selber produziert und finanziert.  Ausserdem haben wir mit dem Internet ein Medium gefunden, dass es uns ohne Mehrkosten möglich macht, sehr schnell eine große Menge Leute anzusprechen. Mundpropaganda funktioniert eben ganz gut. Das zeigt auch das Beispiel YouTube.

Marcus: Was euch da von anderen "neuen" Bands  unterscheidet, ist denke ich auch euer Video zu The Mission, welches ja ziemlich professionell produziert wurde. Sowas gibt es bei vielen kleineren Projekten nunmal nicht.

Stef: Ja, das war auch unser Plan, denn die Produktionskosten haben sich im Vergleich zu vor 10 Jahren drastisch reduziert, da blieb dann schon genug über, um ein gutes Video zu produzieren. Wichtig war uns da auch. dass die Leute merken, dass wir alles mit dem Mund machen und es keine Gitarren gibt.

Willy: Wie hat das eigentlich funktioniert, als die Idee geboren war? Wie seid Ihr auf das Kunstwort RakkaTakka gekommen?


Stef: Ausprobieren, da war viel Trial & Error mit im Spiel. Das RakkaTakka war das Endprodukt, es ging uns darum, etwas zu finden, das einen perkussiven Klang hat und leicht zu singen ist. Lalala hätte nicht so gut geklungen.

Ike: Ich muss da mal unterbrechen. Ich glaube das RakkaTakka musste beim Stefan lange reifen. Steffens jahrelanges Lieder und Instrumente nachsingen.. da musste RakkaTakka einfach entstehen.

Stef: RakkaTakka ist halt das letzte Wort, man kann es gut singen und gut schreiben.

Willy: Wie habt ihr eure "Instrumente" eigentlich gelernt? Learning by doing oder Gesangsunterricht?

Stef: Teils teils, 4 von uns sind ja bereits Leadsänger in eigenen Bands und Ingo kann zwar singen, hat aber keine entsprechende Vorgeschichte.

Marcus: Wie schaut das eigentlich mit euren Auftritten aus? Ich stell mir das recht anstrengend vor während des Auftritts.

Stef: Es ist überschaubar. Wenn wir 1 1/2 Stundenshows hätten müssten wie uns etwas anderes überlegen. Wir haben aber immer unseren eigenen Mischer mit dabei, der das Ganze professionell macht und auch für internationale Produktionen tätig ist. Momentan sind wir allerdings noch in einer Art Experimentierphase was den Sound angeht.

Marcus: Wie habt ihr eigentlich zueinander gefunden? Kanntet ihr euch vorher schon?

Stef: Teils, teils. Ike, Inga, unser Mischer und ich, wir kennen uns schon eine Ewigkeit. Strilli und Sly kennen sich von Ihrer Zeit bei Synasthasia. Ross hat mit Synasthasia zusammen einen Gig gespielt.

Marcus: Ich kenn ja den Strilli schon was länger, der ein wenig... sagen wir verwirrt ist... und Sly ist auch etwas anders..aber okay, um in einem Projekt wie Van Canto mit zumachen, muss man auch ein wenig verrückt sein. Wie hält Inga das eigentlich aus unter den ganzen Kerlen?

Inga: Ist etwas gefährlich mit so vielen Sängern, die sind halt alle kleine Diven. Aber ich steuere da mit einer großen Portion Östrogen gegen. Aber eigentlich sind alle lieb. Männer halt. Aber die Jungs haben bei mir im Gegenzug auch eine Menge auszuhalten.

Willy, Marcus: Vielen Dank für das Interview und noch viel Spass auf dem Dong!