Anlässlich des Krypteria Auftrittes auf „der Rockparty des Jahres“ am 30.09.2011 in Aachen standen uns vorab Ji-In Cho (Gesang, Klavier), Frank Sturmvoll (Bass) und S.C. „Kusch“ Kuschnerus (Schlagzeug) Rede und Antwort.

MetalViecher.de: Hallo, wie geht’s?

Ji-In Cho: Oh, das ist aber eine nette Frage.

Frank: Wir sind alle ziemlich angespannt, durch die Vorbereitungen für die Show am 30., weil die uns natürlich sehr am Herzen liegt, da es unsere erste Aachen Show seit über fünf Jahren ist. NetAachen hat das möglich gemacht, dass wir wieder zurück kommen können. Wir sind sehr aufgeregt und eingespannt. Wir haben eine große Bühne und eine tolle Licht- und Effektshow, da wir uns also viel erwarten.

MetalViecher.de: Wie kommt es, dass ihr erst jetzt wieder in Aachen spielt? Ihr existiert seit 2004 und wart fast sechs Jahre nicht mehr in eurer Heimatstadt, das ist circa zweidrittel eurer Bandexistenz.

Frank: Wir waren einfach sehr viel im Ausland unterwegs, wir waren zum Beispiel in Korea auf Platz Eins. Wir sind mit Deep Purple in Deutschland getourt und so weiter. Aachen hat uns dann nie wieder aufgenommen, warum auch immer. Es war schwierig auch mit der Stadt was hinzukriegen, also zum Beispiel wieder ein großes Konzert auf dem Markt zu spielen. Die Stadt hat wohl Angst, dass zu viele Leute kommen (alle lachen).

MetalViecher.de: Könntet ihr euch und eure Band kurz den Lesern vorstellen, die euch noch nicht kennen?

Ji-In: Also ich bin die Ji-In ich versuche immer wieder vorne auf der Bühne irgendwelche Laute von mir zu geben und ich spiele ab und zu mal Klavier.

Frank: Ich bin der Frank und spiele halt Bass in der Band und das war's.

Kusch: Ich bin der Kusch und spiele Schlagzeug. Wir sind alle von Anfang an, also Winter 2004/2005, dabei, also bisher keine Besetzungswechsel. Und naja was machen wir? Rock/Metal mit extra viel Bums und extra viel Melodie würde ich sagen. Das trifft es wahrscheinlich am ehesten, ob nun Gothic-, Power- oder Geschnitten-Brot-Metal weiß ich nicht, da sind wir nicht so die Fachleute.

MetalViecher.de: Könntet ihr die Geschichte der Band von den Anfängen als Musicalprojekt bis hierher kurz zusammenfassen?

Kusch: Da sind wir eigentlich schon mit dem direkten Link zu Aachen, denn Frank, Chris (Chris Siemons (Gitarre), Anm. d. Red.) und ich stammen ja aus Aachen und haben auch hier vor gefühlten 75 Jahren die erste Band gehabt. Wir hatten dann auch dieses für's Studio ausgelegte Musicalprojekt. Wir haben uns dann aber gedacht, dass wir auch wieder eine richtige Band haben wollten. Es fehlte uns jedoch das Bindeglied schlechthin, was das Ganze vorne, sowohl musikalisch, als auch vom Entertainmentstandpunkt, rüberbringen kann und dann nach Möglichkeit auch noch in dieses fest eingefahrene Gefüge von uns Dreien passt. Die Ji-In ist Gott sei Dank auch anpassungsfähig genug und hat sich auf uns eingelassen. Es ging dann los mit diesem Spendensong „Liberatio“ für die Tsunamiopfer. Das gipfelte dann auch in der Nummer Drei in Deutschland und einer goldenen Schallplatte. Ab dem Zeitpunkt hatten wir dann kaum Zeit zum durchatmen, seitdem haben wir vier Alben rausgebracht, auf dem Wacken, Summer Breeze und in Asien gespielt...

Frank: … Amerika, Mexiko, …

Kusch: Also wir sind ein bisschen rumgekommen seitdem.

Frank: … Europa.

MetalViecher.de: Wie kam es denn dazu, dass eine Band die kaum jemand kennt von RTL angesprochen wird um einen solchen Song beizusteuern?

Kusch: Also einer bei RTL kannte diesen Song und der hatte die Idee, da der Song so emotional ist und die Leute vielleicht berühren würde. So kam das eigentlich, also es war nicht so, dass der gesamte RTL-Rat aufgesprungen ist und einen Song von Krypteria haben wollte. Es hatte einfach jemand eine gute Idee und das hat dann glücklicherweise auch geklappt, denn es ist ja angenommen worden von den Leuten, da circa elf Millionen Euro an Spenden zusammen gekommen sind.

MetalViecher.de: Für euch war das ja eine Art Karriereturbo und es hat dann dafür gesorgt, dass ihr einem breiten Spektrum an Menschen gefallt. Also Auftritte vom Wacken oder Mera Luna über RTL Top Of The Pops bis zum ZDF Fernsehgarten kann wohl kaum eine Band vorweisen. Wie unterschiedlich reagieren die verschiedenen Locations auf eure Musik? Also es wird sicherlich einen signifikanten Unterschied zwischen den Wackenbesuchern und den Herrschaften im ZDF Fernsehgarten geben.

Ji-In Cho: Also ich muss echt sagen, dass ich das sehr aufregend finde. Anfangs hat es mich verunsichert, da man nie weiß auf welche Leute man trifft. Mittlerweile haben wir, auch durch diese ganzen verschiedenen Festivals, ein breites Spektrum an Fans: Metal, Gothic oder eben ein etwas älteres Publikum. Wir haben glücklicherweise die Erfahrung gemacht mit allen Leuten gut zu Recht zu kommen und uns demnach auch wohl zu führen. Ich denke, dass hat uns sicherlich bereichert.

Kusch: Also auf’m Wacken zu spielen, da träumt man natürlich schon von, wenn man anfängt. Vom Fernsehgarten vielleicht nicht unbedingt (allgemeines Gelächter). Als jüngstes Beispiel, vor einer Woche haben wir auf einem reinen Mittelalterfestival nahe der tschechischen Grenze gespielt und da haben wir uns schon gefragt, was wir da sollen. Aber wenn die uns wollen, dann machen wir das halt. Im Endeffekt war es eine der besten Festivalerfahrungen, die wir je hatten und erstaunlicherweise kommen die Leute, wie im Fernsehgarten, mit uns klar.

Frank: Es war ein leeres, riesiges Gelände und als wir gespielt haben war es rappelvoll. Nachdem wir fertig waren war es wieder leer. Das ist schon abgefahren, wenn man nachmittags spielt und plötzlich stehen da wahnsinnig viele Menschen in der Sonne.

Kusch: Das war natürlich auch dem Umstand geschuldet, dass wir die heftigste Kapelle vor Ort waren. Während Handtrommel und Laute ist es natürlich auch einfacher über den Markt zu gehen, aber als wir spielten gab es nirgendwo mehr die Möglichkeit sich zu unterhalten, sodass sie vor die Bühne gekommen sind.

MetalViecher.de: Noch einmal zurück zu den Aachener Wurzeln: Lebt ihr alle hier und nehmt ihr hier auf?

Frank: Wir haben ja das Glück, dass wir ein Studio in Aachen haben, indem du gerade sitzt, und ein Studio in Köln bei Chris unserem Gitarristen und Produzenten. Wir treffen uns hier immer regelmäßig und sind gemeinsam kreativ. Ich lebe in Aachen, Kuschi lebt in Aachen und Ji-In und Chris leben in Köln. Also streng genommen sind wir eine Köln-Aachener Band.

MetalViecher.de: Also im Durchschnitt Dürener?

Alle: Um Gottes Willen!

MetalViecher.de: Wie seid ihr auf den Namen Krypteria gekommen? Hat das für euch eine tiefere Bedeutung, oder klingt das nur cool?

Kusch: Es klingt also cool, das ist schon mal ein Fortschritt. Naja Kiss und Sex Pistols gibt es schon, das wäre schon cooler gewesen. Aber gute Frage. Das ist wieder ein Relikt aus dieser Mittelaltermusicalvergangenheit. Es passte einfach und wir haben es behalten. Das sieht auf dem Backdrop auch verdammt gut aus.

MetalViecher.de: Für das Konzert in Aachen am 30. September 2011 habt ihr den Aachener Schlachthof gewählt, in dem noch nie Rockkonzerte stattfanden. Warum?

Frank: Hier hat in den letzten Jahren ja eine große Umstrukturierung stattgefunden, da der Schlachthofbetrieb schon lange eingestellt ist.

Ji-In: Yeah! … Ich bin Vegetarierin.

Frank: Das Gelände gehörte der Fleischerinnung ist an die Stadt zurück gefallen, die das dann verkauft hat. Vieles wurde abgerissen, aber so die Kernhallen, die Lebensadern, des früheren Schlachthofes sind noch erhalten. Sie sind in einem abgefahrenen Zustand: Zwar runtergekommen aber mit einem gewissen Flair, dass man sonst kaum findet. Die funktionieren noch, die Substanz ist noch gut, aber sie sind halt nicht mehr frisch.

Ji-In: Das passt.

Frank: Ja, genau wie wir, wir sind ja auch schon lange dabei. Da ist zum Beispiel eine Halle 50m lang und 15m breit und das komplett überspannt, also ohne Säulen da drin. Das ist für Konzerte natürlich perfekt. Wir stellen da eine große Bühne mit elf mal sechs Metern rein.

Kusch: Um noch einmal zur Ausgangsfrage zurück zu kommen. In Aachen gibt es natürlich auch keine passenden Rockvenues. Da geht man eher nach Köln. Es gibt da nur das autonome Zentrum, den Musikbunker und den Eurogress, der dann viel zu groß und nicht für rockiges gedacht ist. Das Zwischending fehlt Aachen. Da wir das hier seit Jahren kennen, wollten wir das Mal machen. Vielleicht gibt es so Hoffnung für den Rock in Aachen.

Frank: Da ist die Unterstützung rockaffiner Leute in Aachen natürlich gefragt, damit man das ganze Thema beleben kann. Hier passiert ja relativ wenig.


MetalViecher.de: Wie viel Zeit kostet eine Band eurer Größe hinsichtlich Familie und Freunde?

Ji-In: Das ist phasenabhängig. Es gibt schon so Zeiten, wo man nur aufeinander hockt und das Gefühl hat keine Familie außer Krypteria zu haben. Es gibt auch ruhigere Zeiten, aber irgendwas ist immer. Da hocken wir dann nicht 24 Stunden auf einander, sondern nur zehn. Das wäre dann ja schon fast wie ein normaler Arbeitstag, also aushaltbar. Unterwegs ist das eh ein 24 Stunden Ding: zwei Stunden Show und 22 Stunden Spaß.


MetalViecher.de: Das neue Album „All Beauty Must Die“, was könnt ihr uns dazu erzählen?

Kusch: Es ist auf jeden Fall unser organischstes Album. Es ist auch das Album, mit dem wir am schnellsten fertig waren. Also es ist nicht so, dass wir das eben in einer Woche gemacht haben, aber schon schneller als normal. Wir haben sehr konzentriert daran gearbeitet. Es ist auch das bisher am höchsten gechartete Album, was auch sehr erfreulich ist, aber so was weiß man ja vorher nicht. Gerade wenn zwei Jahre ins Land gezogen sind fragt man sich, ob einen die Leute noch wollen, vor allem wenn sich am Stil ein wenig geändert hat, da wir ja mehr experimentiert haben: Wir haben eine 15 Minuten Nummer drauf und eine extrem schnelle und harte. Dann haben wir Doro (Doro Pesch (Gesang), Anm. d. Red.) drauf und den Eggy (Tobias Exxel (hier: Gitarre), Anm. d. Red.) von Edguy als Gäste. Schön natürlich, wenn das von den Fans angenommen wird.

MetalViecher.de: Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit den beiden Gastmusikern?

Ji-In: Doro kennen wir ja schon vom gemeinsamen touren und sie ist einfach eine super Person. Sie hat sich den Song im Studio mal angehört und fand ihn geil, da haben wir sie dann gefragt, ob sie Lust mitzusingen. Das war ganz unkompliziert und unerwartet.

Kusch: Beim Eggi war es so, dass wir uns auf einem Festival die Kabine mit Edguy geteilt haben.

Frank: Die Kante gegeben haben.

Kusch: Genau, dass war die Folge daraus. Immer wenn man sich danach über den Weg lief, dachte man, da könnte man was machen, aber wir sind ja beide viel unterwegs. Aber auf diesem Album hat es dann endlich geklappt. Das musste einfach mal passieren.

MetalViecher.de: Bei uns gab es von meinem Kollegen acht von zehn Punkten, wie waren so die allgemeinen Reaktionen von Fans und Presse?

Kusch: Wie üblich bei dieser Band ist es entweder so, dass die Leute uns ganz toll oder ganz furchtbar finden. Bei diesem Album war es so, dass wir ca. 90% begeisterte Reaktionen bekommen haben. Okay, acht Punkte ist jetzt nicht ein „ich spring’ von der Brücke vor Freude“, aber es ist trotzdem sehr gut. Das war wirklich super und da konnte man natürlich hoffen, dass das bei den Fans dann ähnlich gut ankommt. Beim RockHard allerdings scheinen dann wohl eher keine Krypteria Fanclub Mitglieder zu schreiben, aber das ist ja auch nicht schlimm. Da scheint uns einer zumindest leidenschaftlich zu hassen und das ist mir auch lieber, als wenn es ihn gar nicht interessiert. Der kann sich da wenigstens richtig reinsteigern.


MetalViecher.de: Was ist euer Lieblingssong auf der Platte und warum?

Ji-In: Das wechselt immer, das ist ehrlich gesagt stimmungsabhängig. Also jetzt momentan?

Frank: „The Eyecollector“

Ji-In: Ja das wäre was. Ich finde ihn gut, da auch alle Jungs mal singen und jeder mal eine Solostelle hat. Es sind auch verschiedene Emotionen drin.

Kusch: Den mögen wir alle gerne. Es ist mit zwölf Minuten unsere längste Nummer, die uns auch viel Zeit gekostet hat. Bei dem Album ist es auch so, dass alle Songs live Spaß machen. Manchmal gibt es welche, die live einfach nicht zünden, das ist bei denen die wir bisher live ausprobiert haben nicht der Fall. Ob das Publikum das genau so sieht ist dann vielleicht eine andere Frage.


MetalViecher.de: Das Album habt ihr bei „Liberatio Music“ heraus gebracht, was hat euch dazu geführt alles selber in die Hand zu nehmen?

Frank: Eigentlich spricht nichts gegen große Plattenfirmen, aber wir haben halt auch erlebt, dass wir uns dann was von der Zusammenarbeit versprochen haben was dann nicht so passiert ist. Wir haben halt unsere Erfahrungen gemacht und jetzt alles so machen zu können wie wir wollen ist schon toll. Bei jeder Veröffentlichung hat man Ideen, die man umsetzen will und mit etwas Pech sieht der Mensch von der Plattenfirma das ganz anders. Meist kommt es dann zu Diskussionen und man entscheidet nicht selber, was man tut. Jetzt können wir uns selber in den Arsch treten, wenn es nicht funktioniert.


MetalViecher.de: War es deutlich mehr Arbeit?

Ji-In: Ja, Hölle. Man sieht schon, dass die Plattenfirma doch auch was getan hat. Wir mussten sehr viel tun, auch Dinge von denen wir keine Ahnung hatten, aber letztendlich hat es gut geklappt.

Frank: So gibt es eine tiefere Motivation, aber auch eine tiefere Angst. Wenn man dann auf Platz zehn in die Charts einsteigt, dann sieht man wirklich, dass sich die investierte Zeit gelohnt hat.

Kusch: Nochmal zu der Frage von vorhin zu dem Zeitbedarf der Band: Man macht wenig Musik und erstaunlich viel drum rum. Es gibt enorm viel zu tun, was mit dem kreativen Prozess an sich nichts zu tun hat. Die Schere wird mit einem eigenen Label natürlich noch stärker. Umso schöner ist es wenn man dann wieder auf Tour darf, denn da steigt man in den Bus und bis man wieder aussteigt ist man wirklich nur Musiker.


MetalViecher.de: Wie ist bei euch die Arbeitseinteilung? Schreibt einer das Lied und einer den Text oder schmeißt ihr zusammen alle Gedanken auf den Tisch und guckt mal was brauchbar ist?

Kusch: Hier schreibt jeder.


MetalViecher.de: Auch beim Text? Ich mein’ ihr habt immer mal wieder lateinische Passagen drin und Latein finde ich zum Beispiel schon eher schwierig.

Ji-In: Wir auch.

Kusch: Das hat sich einfach ergeben, dass ist noch ein Relikt aus dieser Musicalgeschichte. Wir haben herausgefunden, dass das ganz gut passt und den Leuten gut gefällt. Das variiert von Album zu Album, bei „My Fatal Kiss“ (VÖ: 28. August 2009, Anm. d. Red.) hatten wir nicht so viel Latein drauf, beim letzten wieder etwas mehr. Das kommt immer durch die Musik. Wir wollen nicht im Vorraus schon besonders viel Latein einbauen, sondern hören uns die Songs an und überlegen wo es den Song bereichern würde.

Ji-In: Die Sprache hat natürlich auch etwas ganz besonderes, sie hebt sich schon sehr vom englischen oder so ab. Es verbreitet eine ganz andere Atmosphäre und macht viel aus. Es passt sehr oft zu unseren Songs.


MetalViecher.de: Aber ihr lasst das nicht übersetzen, sondern macht das schon selber?

Kusch: Ja, das machen wir selber. Die verbliebenen Kenntnisse vom Latein aus der Schule sind eher mäßig aber man hat dann ja auch Zeit.

Frank: Gemeinsam ist man stark.

Kusch: Es soll ja auch nur die Aussage des Songs unterstreichen und nicht Adam und Eva erklären, daher haut das so grade noch hin.


MetalViecher.de: Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit dem BVB? Das ist ja schon eher ungewöhnlich.

Kusch: Wir haben ja schon ein Faible für ungewöhnliche Kooperationen…

Ji-In: …und ein Faible für Fußball. Ich will mich nicht mehr beschweren, früher habe ich das getan, aber jetzt bin ich auch infiziert. Eigentlich war das ja Christophs Idee. Er sagte, dass man die ja einfach mal unterstützen könnte. Wir haben dann einfach mal einen Song zu denen geschickt, wie viele andere Bands auch, wie wir jetzt wissen. Wir haben es nicht erwartet, aber jetzt sind wir natürlich glücklich und stolz, dass unserer ausgewählt wurde. So kam das. Es war eigentlich schon ein Zufall, den wir nur aktiv herbeigeführt haben. Es war aber sicher auch eine Überraschung.


MetalViecher.de: Seid ihr auch wirklich alle Dortmund Fans?

Ji-In: Ich bin Klopp Fan muss ich gestehen und die Mannschaft habe ich nun auch kennen gelernt und die finde ich jetzt auch super. Die anderen waren schon sehr Dortmund verrückt. Mittlerweile weiß ich aber auch, dass die Jungs so toll spielen und eine sehr dynamische, junge Mannschaft sind.

Kusch: Naja mittlerweile eher nicht mehr so.

Frank: Du hättest uns mal auf dem Rasen sehen sollen.

Kusch: Also da ist schon eine enge Beziehung, der Familie mütterlicherseits da, denn die kommt aus der Ecke. Frank hat das schwarz-gelbe eher über die Alemannia, der Ärmste (Alemannia  Aachen ist aktuell auf dem letzten Platz in der zweiten Bundesliga, Anm. d. Red.).


MetalViecher.de: Ist das Internet eher ein Fluch oder ein Segen für Bands?

Frank: Alles was Fortschritt ist, ist irgendwie Fluch und Segen zugleich. Aber man kann ja nicht in der Vergangenheit stecken bleiben, man muss gucken wie man damit zurecht kommt.

Kusch: Also man spürt es natürlich schon an jeder Ecke. Die Landschaft hat sich da verändert und sicher nicht zum besseren. Man kann natürlich immer sagen, dass früher alles besser war, aber was das angeht ist das ja eher unstrittig. Andererseits die Kommunikationsmöglichkeiten mit den Fans auf der ganzen Welt hätte es ohne das Internet auch nicht gegeben. Das ist wiederum eine super Sache, die das Ganze enorm bereichert. Die Bindungen sind dadurch natürlich nicht so tief, wenn man Informationen mal eben so abrufen und vergessen kann. Früher hat man sich seine Vinylplatte geholt und erstmal zwei Wochen lang nichts anderes gehört und sich wirklich schlau gemacht über die Band. Wir für uns haben aber festgestellt, dass man die Uhr nun mal nicht zurück drehen kann was  Absatzwege und Umsatzzahlen angeht. Aber der Kontakt mit den Fans ist schon geil. Wenn man über Facebook mit jemandem im Vietnam kommuniziert und wenn man dann die Person auf einem Konzert in drei Monaten wirklich trifft ist das schon cool. Das haben die Bands früher nicht gehabt. Daher sollte man nicht drüber jammern, sondern auch die positiven Aspekte sehen.


MetalViecher.de: Wenn ihr selber Musik kauft, tut ihr das in Form eines legalen Downloads, einer CD oder Vinyl?

Ji-In: CDs.

Frank: Es macht einfach Spaß durch den CD-Laden zu rennen, vielleicht sogar mit einem Ziel, und dann mit etwas anderem raus zu kommen. Das kann einem im Internet vielleicht auch passieren, aber vielleicht will man was von Anthrax kaufen und kommt bei einer Waschmaschine aus (lacht).

Kusch: Also ein Booklet ist schon schön, mal was in den Händen halten. Die Umstellung vom Vinyl auf das kleinere Format war schon schlimm. Also ich seh’ nicht, dass sich das einfach rüberziehen bei uns durchsetzt.


MetalViecher.de: Auf Tour passieren immer interessante Sachen, könntet ihr mal ein Highlight nennen?

Frank: Mal abgesehen von gerissenen BHs ist Ji-In mal in Vietnam, bei unserem ersten Auftritt dort, in die Bühne eingekracht. Da waren so Plexiglasöffnungen für Licht nach oben. Das war eine große Bühne, wie in der Lanxess-Arena in etwa, und sie ist wie immer da rum gehüpft und plötzlich eingebrochen.

Ji-In: Mein komplettes Bein war im Boden und es sah sicher sehr merkwürdig aus. Ich habe alberner Weise versucht das zu vertuschen.

Frank: Ich fragte mich nur, ob sie nun lacht oder weint.

Ji-In: Ich konnte einfach nicht mehr, die Situation war zu grotesk. Ich saß dann da und sang weiter, in der Hoffnung dass es keiner merkt. Ich konnte nicht selber raus, da ich richtig fest steckte. Dann mussten die Securitys kommen und mich da raus holen.

Frank: Die Securitys waren dann Militärs, denn das ist ja ein kommunistisches Land. Die Halle war ausverkauft und es waren 50 Millionen Vietnamesen am Fernseher mit dabei.

Ji-In: Die haben da nicht so viele Programme, nur zur Erklärung.

Frank: Es waren 50m zur Barriere mit den ersten Sitzen. Dazwischen standen Polizisten und das Militär mit scharfen Waffen. An den Seiten waren ein paar hundert Fans, die näher durften. Nachdem die Polizisten Ji-In da raus geholfen hatten, sind die Leute aufgestanden und nach vorne gekommen, wie bei einem richtigen Konzert. Das hat richtig das Eis gebrochen.

Ji-In: Man muss halt wissen, dass die da, warum auch immer, deutlich zurückhaltender sind. Merkwürdigerweise fanden sie es so lustig, dass sie nach vorne stürmten und nicht mehr wie vorher sittsam da standen. Das war schon letztendlich ganz cool.

Kusch: Also mehr Unfälle, bitte.


MetalViecher.de: Was hat euch zur Musik gebracht?

Kusch: Bei mir zu Hause lief immer schon Musik und daher war ich schon immer interessiert. Die Schlagzeugentscheidung kam, nachdem ich Queen gesehen habe und da wollte ich auch machen, was der Roger Taylor da tat. ich habe dann ohne Ahnung los gelegt und bisher nicht aufgehört.

Frank: Bei mir war es Kiss. ich fand es absolut geil, wie das ganze inszeniert wurde, da sie mit mäßiger Musik so einen Erfolg hatten. Ich habe immer so getan als konnte ich Gitarre spielen. Eigentlich sollte ich Schifferklavier lernen.

Kusch: Du musst wissen, auch wenn er jetzt sagt mäßige Musik, das hält ihn nicht davon ab nach der Show und fünf Bier ordentlich abzugehen.

Frank: Das mit der mäßigen Musik sollte nicht negativ sein, dass muss ich jetzt richtig stellen. Die individuellen Fähigkeiten der Instrumentalisten waren zu der Zeit sehr eingeschränkt. Das kann man natürlich nicht mit aktuellen Bands vergleichen. Aber das war damals schon geil so coole Songs zu machen. Ich bin ja absoluter Kiss Fan, ich würde nie sagen, dass die Musik für sich mäßig ist.


MetalViecher.de: Was läuft bei euch aktuell im Autoradio oder MP3-Player?

Ji-In: Nicht viel, da wir aktuell am neuen Album arbeiten und ich zwischendurch auch gerne Ruhe habe.

Frank. Ja, man ist echt froh, wenn es ruhig ist, grade wenn man sonst nur Musik um die Ohren hat.

Kusch: System Of A Down.


MetalViecher.de: Ihr gebt ja viele Interviews, kommt es vor, dass ihr über irgendwas unbedingt reden wollt aber keiner stellt euch die passende Frage?

Kusch: Wenn du Ji-In nur anschubst, dann wird die dir ganze Vorträge über das Verhältnis zwischen Menschen und Tieren erzählen. Aber das ist vermutlich bei vielen in der Band so, dass du da ordentlich ins tippen kommen würdest.


MetalViecher.de: Dann bedanke ich mich für das Interview und die Zeit.