Vor einiger Zeit stand uns "BastiBasti", der Sänger von Callejon, Rede und Antwort, lest hier das komplette Interview.



Markus (MetalViecher.de): Hi, wie geht’s?

Bastian "BastiBasti" Sobtzick (Callejon): Hallo, mir geht es auf jeden Fall mega gut.

Markus: Könntest du dich und deine Band den Lesern vorstellen, die euch noch nicht kennen?

Bastian: Also ich bin der Basti, der Sänger der Band Callejon. Wir machen so einen Metalviecherding (lacht). Nein wir nennen es Screamo-Metal, aber eigentlich ist ein Ding aus allen Sachen. Es ist einfach Callejon-Musik. Hört es euch einfach an.

Markus: Könntest du die Geschichte der Band mal zusammen fassen?

Bastian: Bernhard (Bernhard Horn, Gitarre, Anm. d. Red.) und ich haben die Band 2002 gegründet. Wir hatten als wir so 16 waren einfach die Idee eine Band zu gründen. Das konnte ja nicht so schwer sein, obwohl wir keine Instrumente spielten. Bernhard hat dann einfach eine E-Gitarre gekauft und ich habe gesagt „ich bin dann Sänger“. Ich hab zu dem Zeitpunkt auch irgendwann mal Gitarre gespielt aber das dann gelassen, was auch gut so ist. Wir haben auf unserer Schule dann einen Drummer und einen Bassisten gefunden und uns zu Proben getroffen. So ging das dann eine ganze Weile, bis wir unbedingt eine Demo haben wollten. Damals gab es den ganzen Homerecordingkram noch nicht, da mussten wir 2003 dann für unsere Demo ins Studio gehen. Da fing es dann mit Konzerten und allem drum und dran an. An jeder Steckdose und in jedem besetzten Haus in dieser schönen Republik haben wir gespielt. 2006 kam unser Debutalbum „Willkommen im Beerdigungscafé“ auf den Markt. Nach ein Paar Besetzungswechseln haben wir dann noch mal eine EP „Fauler Zauber Dunkelherz“ gemacht und mit circa 150 Konzerten auf dem Buckel haben wir dann bei NuclearBlast gesignt und da „Zombieactionhauptquartier“ und das aktuelle Werk „Videodrom“ rausgebracht. Aktuell sind wir nicht mehr bei NuclearBlast, also quasi labelfrei und auf der Suche. Weitere große Etappen waren, als wir ab 2008 die großen Festivals wie das Wacken oder das With Full Force gespielt haben.

Markus: Gibt es einen bestimmten Grund, warum ihr euch gegen NuclearBlast entschieden habt?

Bastian: Eigentlich wären wir da für längere Zeit gesignt gewesen und Alles in Allem war es eine gute Zeit, doch wir haben für uns festgestellt, dass es nicht das richte Label für uns ist, da wir sehr verschiedene Einstellungen zum Thema Callejon hatten. Daher haben wir in beidseitigem Einverständnis das Vertragsverhältnis gelöst. Es war eine nette Geste von NuclearBlast, dass sie uns haben gehen lassen. Aber Reisende soll man ja bekanntlich auch nicht aufhalten.

Markus: Im Tourtrailer zu „Diese Tour macht betroffen“ hieß es, dass es erstmal die letzten Shows sein werden, was hat es damit auf sich?

Bastian: Es gab ja Gerüchte, dass wir uns auflösen aber das kann ich auf jeden Fall dementieren. Es ist gerade nur so, dass wir sehr sehr sehr sehr an der Zukunft von Callejon arbeiten, wozu auch das Schreiben von neuem Material gehört. Das kostet enorm viel Zeit und daher wollen wir uns ein wenig aus dem Livesektor zurückziehen, denn es ist so, dass wir solche Touren lange vorbereiten. Mit Lichtkonzepten und dergleichen, denn wir wollen immer eine neue Show auf die Beine stellen. Wir haben ganz Großes vor und damit wir alles gut hinbekommen und da das neue Ding alles toppen muss – in allen Belangen – haben wir uns gesagt, dass wir uns da definitiv mehr Zeit für nehmen müssen. Wir wollen den Fans ja nicht immer das Gleiche liefern, sondern uns immer wieder neu erfinden, wofür Callejon ja auch steht.

Markus: Also seid ihr 2012 wieder zurück auf deutschen Bühnen?

Bastian: Ja auf jeden Fall.

Markus: Du hast den Zeitfaktor gerade angesprochen, wie sieht es den bei euch aus mit Freunden, Freundin, Familie und Beruf bzw. Studium?

Bastian: Das ist auf jeden Fall ein schwieriges Thema. Wir sind ja auch nicht in den 80ern, der Hochphase der Musikindustrie, sodass wir als Band unseres Statuses immer noch gucken müssen, wie wir uns über Wasser halten. Das ist natürlich nicht mehr so schlimm, wie damals in unseren Tütensuppenzeiten. Es ist auf jeden Fall besser geworden, aber Zeit ist ein rares Gut und man muss einen langen Atem haben, was gut geht, wenn man ein Ziel vor Augen hat. Familie und Freundin leidet natürlich extrem darunter. Ich bin sehr glücklich, dass meine Familie dahinter steht und mich sehr unterstützt. Ich weiß, dass es in anderen Bands oft Unverständnis gibt, dass sind aber oft auch die Leute, die nicht durchhalten und aufgeben. ich kann mir aber auch gar nicht vorstellen nicht bei Callejon zu sein. Ich wüsste nicht was ich tun sollte, denn Callejon ist mein absoluter Lebensinhalt.

Markus: „Videodrom“ ist ja nun schon ein gutes Jahr her. Was würdest du im Nachhinein anders machen?

Bastian: Es gibt bei jeder Aufnahme und bei jedem Album Dinge, die ich überhaupt nicht mehr leiden kann. Aber ich will es eigentlich nicht anders machen, denn aus diesen Fehlern bzw. aus dieser anderen Denkweise entwickelt man sich auch weiter. Das hat zur Folge, dass das nächste Album dann anders wird. Ich würde daher wirklich nichts anders machen. Das ist auch der Grund, warum wir die erste CD„Willkommen im Beerdigungscafé“ noch einmal für die Tour raus gebracht haben. Das ist zwar Callejon, aber doch ganz anders, aber wir verleugnen das nicht. Wir stehen dazu und spielen teilweise ja auch noch davon, obwohl wir nie mehr Stücke so in der Art schreiben würden sind sie doch Teil unserer Geschichte.

Markus: Warum gibt es die CD jetzt nur noch einmal für diese Tour und nicht generell als Neuauflage im Handel?

Bastian: Wir wollen prinzipiell schon, dass das Ding etwas Besonderes bleibt, da es keine reguläre Veröffentlichung, wie die anderen Alben, die von einem großen Label veröffentlicht wurden ist. Das ist jetzt die dritte Auflage und es wird keine weitere geben. Vielleicht irgendwann mal, wenn wir gar keinen Bock mehr haben, so am Ende gibt es dann vielleicht eine Art Diskographie auf Vinyl, bei der dann jeder Song, auch jede Demo, dabei wäre. Jetzt ist es halt ein Geschenk für die Fans die es halt haben wollen, damit sie es nicht bei Amazon für 200€ kaufen müssen. Das ist schon seltsam, wenn wir so was sehen. Das ehrt uns natürlich, dass es Leute gibt, die anscheinend so viel Geld für unsere Musik ausgeben. Auf der anderen Seite ist es natürlich einfach nur krass, da wir da ja nicht mal etwas von haben. Wir verkaufen sie für den Spottpreis von 10€. Ich habe selber kein eigenes Exemplar, da ich meine immer irgendwem gegeben habe.

Markus: Nochmal zurück zu „Videodrom“: Was ist dein Lieblingslied und hat das einen besonderen Grund?

Bastian: „Lass mich gehen“ ist mein Lieblingslied. Es ist der emotionalste Song, denn er handelt vom Gefühl, dass wir beim Schreiben dieser Platte hatten. Damals hatten wir den normalen Lebensstandard nicht und wir sind eingeschlafen mit Sorgen über die nächsten Rechnungen. Wir hatten damals das Gefühl, dass Callejon uns wie ein Parasit, denn man aber selber braucht, aussaugt. Eben wie die meisten Liebeslieder mit ihrem „ich komm von dieser Frau nicht los, obwohl sie mich benutzt, aber ich liebe sie trotzdem“. Darum geht es im Refrain und das ist Ganze ist inhaltlich der Titelsong des ganzen Albums.

Markus: Ihr singt auf Deutsch, das ist schon ungewöhnlich, warum tut ihr das?

Bastian: Ich bin nicht der beste Englischschreiber und da habe ich mir überlegt, auf Deutsch zu schreiben, da ich versuchen wollte dass unterzubringen was ich denke und dass ohne andauernd in einem Wörterbuch nachzuschlagen.

Markus: Immer stellen irgendwelche Redakteure die Fragen und daher habe ich mal bei Facebook gefragt, was ich euch fragen soll. Erste Frage: Wann ist die Hochzeit?

Bastian: Ja, wann ist die Hochzeit? Von wem? Ich heirate wahrscheinlich eh den Bernhard.

Markus: Also können wir das mit bald beantworten?

Bastian: Ja klar, bald.

Markus: Zweite Frage: Wann gehst du wieder zum Friseur?

Bastian: Ich weiß es nicht, mir gefällt das gerade so, aber irgendwann werde ich sie sicher wieder abschneiden. Ich finde es aber lustig, das die Leute über meine Frisur reden, dass mag ich.

Markus: Letzte Frage: Wer sind die Neuen in der Band?

Bastian: Der Kotze (Maximilian Kotzmann, Drummer, Anm. d. Red.) ist ja gar nicht mehr ganz so neu. Der ist seit über einem Jahr an Board. Jetzt bei der Tour kann Buschi (Thomas Buschhausen, Gitarre, Anm. d. Red.) leider nicht dabei sein, da er Probleme mit der Hand hat, ich weiß nicht genau was da los ist, aber er wird sich vermutlich einer OP unterziehen müssen. Es ist noch nicht ganz abzusehen, was da passieren wird (im Juli 2011 ist Buschi aus gesundheitlichen Gründen durch Christoph „Kotsche“ Koterzina ersetzt worden, Anm. d. Red.).

Markus: Auf Tour passieren viele lustige und interessante Dinge, kannst du uns dein persönliches Highlight erzählen?

Bastian: Bei der letzten Tour war MORE THAN A THOUSAND aus Portugal als Support dabei und der dort eingesprungene Bassist ist der Sänger von DARKNESS DYNAMITE, der Band die bei der Videodrom Tour dabei war. Das war absoluter Zufall, aber das hat mich extrem gefreut. Ich bin schon viele Touren gefahren und da gibt es auch miese Highlights. Zum Beispiel bei der ersten Tour, der „wir sehen alles von unten“ Tour, die zwar nicht so hieß aber von uns im Nachhinein so genannt wurde. Da haben wir in Häusern gepennt, deren Dächer eingestürzt waren, wo Dachbalken quer in der Badewanne hingen und Ratten im Flur lebten. Wir waren  nach der nur einwöchigen Tour todkrank.

Markus: Was hältst du von Musikpiraterie?

Bastian: Anfänglich, als ich selber nicht davon betroffen war, dachte ich, dass die sich alle nicht so anstellen sollten, da sie ja genug Geld haben. Warum muss der Lars Ulrich (Metallica, Anm. d. Red.) jetzt so rumkacken? Wenn man das nur macht um mal wo reinzuhören ist das okay, habe ich gedacht, aber das ist überhaupt nicht okay, denn es gibt viele Band mit einem Status so wie wir, denen es damit richtig schwer gemacht wird. In einer CD steckt richtig viel Arbeit und Geld. Wenn man sich jedes Album einfach downloadet ist es nun mal Diebstahl. Für einen Außenstehenden, der einfach nur gerne Musik hört, und der in einer Zeit groß geworden ist, in der das egal ist, ist sicher scher zu begreifen. Musik kann man nicht besitzen wie ein T-Shirt. Meine Meinung ist: Kauft euch die Musik, zumindest wenn ihr sie gut findet, denn denen schadet ihr sonst am meisten. Daher schaffen es auch immer weniger Bands unabhängig zu sein.

Markus: Wenn du selber etwas kaufst, bist du dann der Vinyl-, der CD- oder der iTunes-Typ?

Bastian: Früher habe ich mir viel Vinyl gekauft aber das fand ich dann zu unpraktisch, obwohl ich das Format geil finde. Dann habe ich nur noch CDs gekauft und mittlerweile kaufe ich auch öfters mal was bei iTunes. Wenn ich dann bis zwölf im Büro sitze und plötzlich etwas hören möchte, dann kann ich das schnell kaufen. Das ist schon ein Schritt in die Zukunft. Früher habe ich CDs bestellt, jetzt gehe ich auch in den Laden und kaufe mir einen Schwung CDs um das alte Feeling aufkommen zu lassen mir das im Laden anzuhören. Musik höre ich auch am liebsten im Auto, denn dann bin ich damit alleine.

Markus: Was liegt den bei dir aktuell so im Auto?

Bastian: Was immer läuft sind TYPE O NEGATIVE, da wird sich wahrscheinlich auch nie was dran ändern. Ich bin da aktuell auf so einem Trip und höre viel kitschigen Kram wie JOURNEY oder REO SPEEDWAGON, so 80er Jahre Stadion Rock, aber auch SURVIVOR.

Markus: Dann bedanke ich mich für das Interview und deine Zeit.

Bastian: Jo, danke Mann.