Wir hatten die Gelegenheit einige Worte mit Daniel, dem Bassisten von In Legend zu wechseln. Das Ergebnis findet Ihr hier:

Marcus:  Bitte stellt euch unseren Lesern vor. Wie würdest Du euren Stil beschreiben?

Daniel: Wir selbst nennen unsere Musik Hand-hammered Piano Craft. Das klingt und beschreibt es eigentlich sehr gut. Aber die, die uns noch nicht kennen, können sich vermutlich unter Piano Metal besser etwas vorstellen. Das ist auch der Punkt: Auch ohne Gitarren können wir Metal machen! Ein Piano, das sowohl in die melancholischen als auch in die aggressiven Extreme geht. Dazu eindeutiges Metal-Drumming und nicht zu vergessen die Samples, die eine ganz eigene, ausgefallene Atmosphäre erzeugen. Man kann sicher viele Parallelen zu anderen Bands entdecken, aber in dieser Form gab es das noch nicht.

Marcus:  Wie habt ihr euch kennengelernt?

Daniel: Basti und ich machen schon seit zehn Jahren in verschiedenen Bands zusammen Musik; von Metal bis Surf-Rock. Sowohl musikalisch und menschlich kennen wir uns also schon sehr gut. Dennis, unser Drummer, hat uns ehrlich gesagt vor der allerersten Tour den Arsch gerettet. Wir standen zwei Monate vorher plötzlich ohne Schlagzeuger da und waren recht verzweifelt. Er war Proberaumnachbar und man kannte sich nur vom Sehen. Nach einer weiteren frustrierenden Probe zu zweit haben wir ihn mehr aus Spaß gefragt, ob er sich nicht einfach mal so in zwei Monaten komplett neue Musik draufschaffen wolle... Der Rest ist Geschichte und es war auch hier musikalisch wie menschlich das Beste, was uns passieren konnte.

Marcus: Keyboard, Bass, Schlagzeug warum setzt In Legend auf diese ungewöhnliche Kombination?

Daniel: Erst mal ging es uns nicht zwingend darum, die Gitarre zu verbannen. Es hat sich mehr so ergeben, da Basti in früheren Bands Songs für die Gitarre auf dem Klavier komponieren musste, da er diese ja nicht beherrscht. Dann lag es einfach nahe, es doch mal nur mit Klavier zu versuchen. Noch dazu, weil man mit diesem Instrument passend gespielt eine Menge Vielseitigkeit und Aggressivität erzeugen kann. Das Schlagzeug unterstreicht natürlich den Metal-Faktor und pusht das Ganze dann noch unbestreitbar in die richtige Richtung. Der Bass ist nötig, um die beiden Instrumente zu verbinden. Das hat unter anderem auch viel mit Frequenzen zu tun. Außerdem sieht es auch live einfach besser aus, wenn dann doch noch jemand mit einem Instrument umhängend über die Bühne rennt, haha.

Marcus:  Wie viele Instrumente beherrscht Basti eigentlich?

Daniel: Er spielt, bis jetzt, Schlagzeug und Klavier. Er ist allerdings Autodidakt, hat also keine klassische Klavierschule bei irgendwelchen Virtuosen absolviert. Daher bin ich überzeugt, dass er, auch durch seine eiserne Selbstdisziplin, wahrscheinlich fast jedes Instrument erlernen könnte. Ach ja, und singen kann er übrigens auch noch ziemlich gut.

Marcus:  Woher kommt Eure Affinität zu Steampunk Elementen?

Daniel: Wenn man schon soundmäßig etwas Neues kreiert, sollte man auch bei der Bühnendeko nicht kleckern, sondern klotzen, und etwas Ausgefallenes bieten. Wir haben das Glück, Ben Kiesewetter zu kennen, der großartige Ideen hat und die sogenannte Hellmachine (mittlerweile zwei) entworfen und gebaut hat, die live zu sehen war und auch im Booklet der CD einen Ehrenplatz einnimmt. Seine Ideen haben uns auf Anhieb gefallen. Aber was die Affinität zu Steampunk angeht, müsstest du also eher ihn fragen. Uns war nur klar, dass es ausgefallen sein muss.

Marcus:  Der Deal mit SPV – Steamhammer muss ja ein Wink des Schicksals gewesen sein, wenn man den Namen berücksichtigt.. in wiefern hat euch SPV beim Album unterstützt?

Daniel: Ein Label ist heutzutage einfach immer noch wichtig, auch wenn viele das mittlerweile anders sehen. Gut möglich, dass sich das in Zukunft ändern wird. Aber die Leute, die bei einer Plattenfirma arbeiten, haben eben immer noch jahrelange Erfahrungen und Kontakte, die für eine Band wie uns wichtig sind. Das fängt schon bei Vertriebswegen an. Man kann zwar vieles selbst machen, aber irgendwann muss man sich aufs Wesentliche konzentrieren und Arbeit abgeben, die andere vielleicht sowieso besser verstehen. Bisher sind wir sehr zufrieden.

Marcus:  Im Video zu Pandemonium zerlegt ihr ja ziemlich effektiv ein Piano, wie
kam es zu der Idee?

Daniel: Wie schon gesagt, bei unserem Sound muss man auch visuell etwas Ausgefallenes bieten. Mittlerweile ist es genau wie bei Album-Produktionen einfacher geworden, sich zu präsentieren. Siehe YouTube! Wenn man bei so einem Angebot an Bands wahrgenommen werden will, muss man schon auf die Kacke hauen. Oder eben auf ein Klavier. Und das hat mit diesem Video nun wirklich funktioniert.

Marcus:  Wer sind eure musikalischen Vorbilder?

Daniel: Die liegen sicher ganz klar im Metal-Bereich. Wir alle haben angefangen, Musik zu machen, weil wir sein wollten wie Maiden, AC/DC, Metallica, Motörhead. Das sind jetzt natürlich die Urwurzeln. Für die anderen kann ich da nicht sprechen, aber ich zumindest wäre ohne Steve Harris nicht der, der ich heute bin.

Marcus:  Wer ist bei euch der kreative Kopf?

Daniel: Bastian. Es war von Anfang an sein Baby. Er schreibt schon seit Jahren Songs für ein Projekt wie dieses.

Marcus: Wie sehen eure Pläne für die Zukunft aus?
Daniel: Wir versuchen im Moment Touren auf die Beine zu stellen. Wir sind Live-Musiker und wollen auf die Bühne! Außerdem planen wir gerade weitere Videos für das aktuelle Album, das ja weiterhin promotet werden will. Dann steht für Anfang 2012 das zweite Album an, was auch noch viel Arbeit bedeutet.

Marcus:  Ich werf Dir jetzt mal ein paar Stichworte an den Kopf, was fällt dir dazu ein?

- Metal
Daniel: Großartige Musik! Und eine Szene mit Zusammenhalt, in der man ordentlich feiern kann, sich aber auch mal Gedanken über die Gesellschaft und deren Zustand macht, über den Tellerrand schaut, die Fans aber auch über eine ausgeprägte Loyalität verfügen, wie man sie in anderen Szenen nicht findet.

- Leggins

Daniel: Äh... auf jeden Fall NICHT bei Google oder YouTube „In Leggings“ eingeben...

- Festivals

Daniel: Siehe Metal. Man lernt dort eine Menge cooler gleichgesinnter Menschen kennen. Außerdem böse Kopfschmerzen morgens im Zelt. Und wir wollen nächstes Jahr auf möglichst vielen spielen!

- Religion

Daniel: Das wiederum kann man ja mal bei Google eingeben. Da sollte einem schnell die Lust daran vergehen...

- Bestes Konzert

Daniel: Iron Maiden 2000 – die Reunion. Machine Head. Sick Of It All – geile Live-Band! Und ja, Bruce Springsteen… Mit 60 Jahren drei Stunden am Stück Rock ‘n‘ Roll gespielt! Oder meinst du eigene Konzerte? Dann Köln, Essigfabrik. Die halbe Halle singt „Pandemonium“ mit. Damit hatten wir damals ohne Album nun wirklich nicht gerechnet!

- 1.000.000 Euro

Daniel: Geld? Ja, hab ich schon mal von gehört.

Marcus:  Was hört ihr privat so für Musik?

Daniel: Da gibt es sehr, sehr viel. Mein Plattenschrank beispielweise hat von Death-, Black-, Thrash- und True Metal bis hin zu Ska, Punk, 80er Pop und HipHop eine ganze Menge zu bieten. Man muss sich für alles interessieren können. Nur so kann man kreativ bleiben und den Horizont erweitern. Auch wenn‘s abgedroschen klingt, aber Stillstand ist da der kreative Tod.

Marcus: Was habt ihr neben In Legend für Nebenprojekte?

Daniel: Zu Van Canto, Bastis anderer Band, muss ich sicher nichts mehr sagen. Ich toure noch sehr viel mit einer Surf-Rock Band namens The Razorblades durch Europa. Dennis spielt in diversen Cover-Bands.

Marcus:  Mit wem würdest Du gerne mal ein Bierchen trinken gehen?

Daniel: Mit meinen Band-Kollegen. Wenn wir uns treffen, ist im Moment meistens Arbeit angesagt. Das ungezwungene Zusammensein muss da leider oft hinten anstehen.

Marcus:  Hast Du noch irgendwelche letzten Worte für unsere Leser?

Daniel: Behaltet In Legend im Auge - und auf den Ohren! Man wird noch viel von uns hören!

Marcus: Danke für das Interview!