Trotz widriger Bedingungen und einem den Durchschnitt nicht überschreitenden Sympathiegefühls für den späteren Austragungsort unseres Samstagabendsamusements machten wir uns auf in die Stadt, die ich Jahre lang als Heimat ansah. Bottrop. Perle des Ruhrgebiets.

 

    Gegen zehn Uhr abends Ortszeit erreichten wir den altbekannten Kellereingang, der von jedem, der Einlass begehrte, zwar keine geheimen Klopfzeichen, allerdings die Herausgabe eines grünen Geheimpapiers (fünf Euro) forderte. Gerüstet mit der Verzehrkarte begann der Kampf durch die zahlreich erschienenen Gothen, die teils tanzend, teils jammernd und teils trinkend den braven Metallern den Weg versperrten.

 

    Leichte Verwirrung machte sich breit, da sowohl Tanzfläche als auch Tresen nur vom weinerlichen Geschlecht der dunklen Szene bevölkert waren und die Existenz eines Hinterzimmers dem ehemaligen Stammklientel der Location noch nicht bekannt war. Nach kurzem Suchen und langem durch die Menge schlagen, erreichten wir jedoch auch jenen sekundären Raum, atmeten ein wenig nikotingeschwängerte Luft und wagten einen Blick in die Runde, die sich im halbdunklen Raum, der hauptsächlich von einem Hard Rock Café Leuchtzeichen erhellt wurde, tummelte:

Neben einigen verirrten Gothics und diversen verwirrten Emo-Gestalten, waren hauptsächlich langhaarige und dunkel gewandete Männer verantwortlich für den geringen Sauerstoffgehalt der Luft. Kutten und Bandshirts soweit das Auge reichte, hinter der Theke tätowierte und gepiercte Menschen, auf dem Boden ein Hauch von Bier, Kossu Salmiakki und an der linken Längsseite ein Stand mit fröhlich traditionell finnisch bemützem Mann, der Tshirts, Mützen, Musik und anderes feil bot.

 

Ein Mann mit fröhlicher finnischer Mütze? Zwischen all den Metallern? Korrekt!

 


    Doch nicht nur dies war auffällig. Bei genauerer Untersuchung beschlich den geneigten Betrachter das Gefühl, nicht nur der fidele Mann in Suomi Shirt und heiterer Mütze sei hier leicht fehl am Platze. Auch Kossu Salmiakki und der Merchandise Stand hinterließen den Eindruck, als ob sie nicht permanent im Konzept der Örtlichkeit eingeprägt seien.

 

    Und früher oder später fiel es auch dem größten Zecher und dem generell umnachteten Szenekenner auf: Hier lief kein Sentenced, kein Iron Maiden, weder Black Sabbath noch Children of Bodom. Und auch kein Gamma Ray. Musik von KISS konnte als definitiv abwesend abgestempelt werden und auch Dimmu Borgir oder ähnliches konnte getrost von der Rollcall Liste gestrichen werden.

  

                Hier lief eins: HUMPPA!

 

   Fröhliche Akkordeon Riffs, hochkarätiger Gesang und anderweitiges, das sowohl auf Alkoholkonsum schließen ließ, als auch selbiges zu fördernd schien, erfüllte die Luft! Die dunklen Gestalten, die von Außenstehenden, Unwissenden oder gar Idioten gerne als der satanische und kinderessende Teil der Bevölkerung dargestellt wird, standen nicht nur in ihrer jeweiligen Ecke des Raumes! Sie tanzten! Sie sprangen und frohlockten!

 

   Hier Tanzschritte zu erklären ist ungefähr so zweckmäßig, wie einem eingefleischten Metaller die Bedeutung der Pommesgabel oder die Benutzung einer vollen Bierflasche darzulegen.
Denn unter lautem Gröhlen und relativ eingeschränkt eloquentem Einstimmen in die Lieder, die hauptsächlich in finnischer Sprache (derer wir natürlich alle mächtig sind) dargeboten wurden, sprangen die sich einander zuprostenden Metaller im Ringelrein, Arm in Arm und teilweise auf dem biergetränkten Boden moonwalkend herum um ihre Unterstützung und Wohlwollen zum Ausdurck zu bringen.

 

   Nebst zufällig hereingeschneiten oder durch die rosa Flyer magisch angelockten Humppa Sympatisanten und den anderen Anwesenden hoben sich selbstverständlich die wahren Jünger hervor! Marc, der große Vorsitzende der Humppajugend Deutschland war federführend anwesend, organisierte mit am Merchandisestand und verkaufte die fabulösen Lose für die kurz vor Mitternacht bevorstehende Tombola. Die Humppajugend Kaiserslautern und Sauerland waren besonders zahlreich und laut erschienen und räumten später bei der Tombola auch die meisten Preise ab. Auch die Humppajugend Ruhrpott war mit Daniel, Arnhelm und mir vertreten.


 

    Das neue Eläkeläiset Album Humppakonsertto wurde vorgestellt, Bier, Kossu und andere Getränke flossen in Strömen, die Tanzenden wurden visuell von Eläkeläiset DVDs untermalt und die drei Hauptpreise, sowie die vielen Trostpreise fanden bei der Tombola dankend begeisterte Abnehmer.
Denn welcher Humppa Jünger hat schon Einwände gegen das neue Album, Buttons, Magneten und allerei anderen Goodies, die die  Herren von Kioski da in die Überaschungspakete gepackt hatten!

 

    Der Abend ließ nichts aus, sogar Crowdsurfen war möglich, bzw. wurde möglich gemacht!

 

    Abschließend lässt sich nur noch bemerken, dass der Abend trotz optimierungsfähiger Location super humppa-esque Formen angenommen hat und von vielen Seiten der Wunsch nach Wiederholung laut wurde!


 

Photos gibt es in unserer Galerie und auf http://www.humppajugend.com/gallery/thumbnails.php?album=31